Welternährung 2015: Experten fordern Landwirtschafts-Revolution

Es gibt bereits eine Reihe von Vorschlägen, wie rund 9 Mrd. Menschen im Jahr 2050 auf der Erde ernährt werden können. Im Kern geht es dabei stets um die eine Intensivierung der Landwirtschaft. Dass dies nicht ausreichen wird, davor warnten nun die Teilnehmer der Jahrestagung des US-Forscherverbands AAAS.

Es gibt bereits eine Reihe von Vorschlägen, wie rund 9 Mrd. Menschen im Jahr 2050 auf der Erde ernährt werden können. Im Kern geht es dabei stets um die eine Intensivierung der Landwirtschaft. Dass dies nicht ausreichen wird, davor warnten nun die Teilnehmer der Jahrestagung des US-Forscherverbands AAAS, die am Sonntag im kalifornischen San José stattfand. Um 9 Mrd. Menschen satt zu bekommen, brauche es nicht weniger als eine globale Revolution. Nur die werde es vermutlich nicht geben.

Bei der Tagung dabei war laut dem Spiegel auch Paul R. Ehrlich, der in seinem Buch von 1968 schon eine „Bevölkerungsbombe" beschrieb, die die Sterblichkeit weltweit rasant steigen ließe und gewaltige Hungersnöte auslöse. Dass dieses Schreckensszenario bislang ausblieb, begründet der heute 82-Jährige mit der landwirtschaftliche Revolution vor 10.000 Jahren.

"Wenn wir die Welt auch in den nächsten 30 bis 40 Jahren noch ernähren wollen, brauchen wir wieder eine Revolution, die alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt", so der Umweltbiologe. Der Spiegel merkt jedoch an, dass weder Ehrlich noch die anderen Experten auf dem Podium glauben, dass eine solche Revolution gelingen kann - zumindest nicht rechtzeitig, um die Gefahr verheerender Hungersnöte abzuwenden.

"In den nächsten drei bis vier Jahrzehnten wird sich die Nachfrage nach Getreide verdoppeln", sagte James Gerber von der University of Minnesota. "Sie zu befriedigen, ohne die Umwelt zugrunde zu richten, wird eine gewaltige Herausforderung." Derzeit gingen die globalen Getreidereserven immer weiter zurück. Auch konzentriere sich die Getreideproduktion immer stärker auf einzelne, riesige Flächen - was die Anfälligkeit für Wetterextreme, Schädlinge und soziale Unruhen vergrößere.

Der Klimawandel drohe die Lage zusätzlich zu verschärfen, warnte Kenneth Kunkel von der US-Wetterbehörde NOAA - etwa im Mittleren Westen, der Kornkammer der USA. Klimaprognosen legten nahe, dass Dürren und Überschwemmungen dort in den kommenden Jahrzehnten immer heftiger ausfallen werden. Schon jetzt leidet der Südwesten der USA unter einer rekordverdächtigen, seit Jahren anhaltenden Trockenheit.

Auch der auf Satellitenbeobachtungen spezialisierte NOAA-Forscher Felix Kogan sieht in Dürren die größte Gefahr. "In acht der bisherigen 15 Jahre dieses Jahrhunderts wurden weltweit weniger Lebensmittel produziert als verbraucht. Der Grund dafür waren vor allem Dürren."

Jerry Hatfield vom US-Landwirtschaftsministerium äußert sich ähnlich. Seinen Berechnungen nach kann sich die Landwirtschaft in den USA noch etwa bis zum Jahr 2050 an die veränderten Wetterbedingungen anpassen. "Dann werden die Klimaextreme so dramatisch, dass die Produktion stark gestört wird", sagt Hatfield. Zumal die Erwärmung nicht nur Unwetter fördere, sondern auch Unkraut und Schädlinge besser gedeihen lasse.

Zwar betonen Forscher immer wieder, dass es theoretisch durchaus möglich sei, 10 Mrd. Menschen oder sogar noch mehr zu ernähren. Allerdings landet weniger als die Hälfte aller derzeit hergestellten Nahrungsmittel auf dem Teller. Der größere Teil wird entsorgt, zu Sprit verarbeitet oder an Nutztiere verfüttert.

Das Problem ist laut allen Fachleuten, dass die Zeit für tiefgreifende Veränderungen äußerst knapp ist. "Wir müssen einen gigantischen Wandel auf dem gesamten Planeten hinbekommen", sagt Ehrlich. "Wenn wir dafür tausend Jahre Zeit hätten, wäre ich entspannt. Aber wir haben zehn, vielleicht 20 Jahre."

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