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„Wir können noch viel von deutschen Landwirten lernen!“

Auf Einladung des deutschen Bauernverbandes war Denis Kabiito, Agrarberater aus Uganda, Anfang September in Deutschland. Der 28-jährige besichtigte mehrere landwirtschaftliche Betriebe. „Ich nehme viele Anregungen für die Betriebsorganisation und die Vermarktung mit nach Hause“, lautete sein Fazit.

Lesezeit: 6 Minuten

Afrikanische Bauern müssen ihre Betriebe besser organisieren und ihre Produkte cleverer vermarkten. Dieses Fazit zog Denis Kabiito (28), Agrarberater aus Uganda, nachdem er mehrere landwirtschaftliche Betriebe im Rheinland und in Westfalen besucht hat. „Ich nehme viele Anregungen für Verbesserungen mit nach Hause“, sagte Kabiito, der in Uganda im Auftrag der Caritas 1.300 Farmer betreut. Der Agrarexperte war auf Einladung des Deutschen Bauernverbandes zum zweiten Mal in Deutschland. „Hier kann ich viele Ideen sammeln, wie ich bei uns die Produktion, Bildung und Vermarktung der Bauern optimieren kann“, weiß der Agrarberater.


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Einen ersten Einblick bekam er auf dem Lehr- und Versuchsbetrieb „Haus Riswick“ der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Kleve. Dort konnte Kabiito die Vernetzung von Praxis und Forschung live erleben. Weiter ging es zur Edelobstplantage Vriendshof der Familie Baumann in Rees, die sich auf die Direktvermarktung von Äpfeln und Birnen spezialisiert hat. Dritte Station war der Ackerbaubetrieb von Gertrud und Norbert Aldenhof in Rees. Dort dreht sich alles um Industriekartoffeln. „Mit Liefervertragen können die Landwirte ihre Produktion besser planen“, ist der Berater sicher. Letzter Anlaufpunkt war der biologisch-dynamisch bewirtschaftete Gärtnerhof Entrup in Altenberge. Kabiito war vor allem von der engen Beziehung zwischen Erzeuger und Verbraucher beeindruckt. „Die Verbraucher garantieren die Abnahme der Produkte. Dafür dürfen sie mitbestimmen, was angebaut wird. Damit lässt sich die Qualität der Produkte steigern“, ist er überzeugt.


Unterm Strich hat Kabiito viele Ideen für seine 60 Selbsthilfegruppen mit nach Uganda genommen. „Das war nicht meine letzte Reise nach Deutschland. Wir können noch viel von den deutschen Landwirten lernen.“

(Kira Meiss)





„Wir brauchen vor allem Geld und Knowhow!“


Hohe Preise für Nahrungsmittel sind kurzfristig ein Riesenproblem für die Entwicklungsländer. Langfristig bieten sie aber auch Anreize die Produktion zu steigern, meint Denis Kabiito, Agrarexperte aus Uganda. top agrar hat nachgefragt.

 

top agrar: Herr Kabiito, sind die hohen Weltmarktpreise für Agrarprodukte mehr Chance als Risiko für afrikanische Landwirte?

 

Sie bieten auch Chancen. Allerdings produziert der Großteil der afrikanischen Landwirte nur für den eigenen Gebrauch. Es gibt wenige große Betriebe mit einer guten Mechanisierung. Die sind meist in der Hand von Ausländern, deshalb bleiben die Gewinne nicht in unserem Land.

 

top agrar: Wie kann man die wirtschaftliche Situation der Bauern verbessern?

 

Zunächst einmal müssen sich afrikanische Landwirte professionalisieren, sich selbst als Unternehmer verstehen. Sie müssen lernen, dass sie sich auf eine Kulturart spezialisieren sollten, um den Ertrag zu optimieren. Erst dann können sie von der Landwirtschaft leben. Um unabhängiger von Schwankungen auf den Weltagrarmärkten zu werden und um künftige Hungerkrisen zu entschärfen, müssen sie in die Lagerhaltung investieren. Diese können einzelne Landwirte allerdings nicht alleine stemmen. Deshalb ist die Zusammenarbeit unter den Landwirten ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt. Wirmüssen aber auch den Wissenstand verbessern, den Wissensaustausch fördern. Hier gilt es vor allem bei der landwirtschaftlichen Ausbildung anzusetzen.

 

top agrar: Sie haben das deutsche System kennengelernt. Was können sie davon bei Ihrer Arbeit in Afrika umsetzen?

 

In der Tat habe ich viele Ideen gesammelt. Besonders hat mir die Vernetzung von Praxis und Forschung gefallen. Die Landwirte können aktuelle Forschungsergebnisse für die Verbesserung ihrer Produktion nutzen. Das ist in Afrika nicht selbstverständlich. Interessant ist für uns die Kombination aus Versuchs- und Lehrbetrieb, wie ich sie auf Haus Riswick in Kleve kennengelernt habe. Wir brauchen auch in Afrika solche Trainingscenter, um unseren Landwirten zu zeigen, wie sie ihre Erträge und ihre Leistung steigern können. Sie sehen dann mit eigenen Augen, wie bestimmte Produktionstechniken funktionieren.

 

top agrar: Welche politischen Maßnahmen sind notwendig um die Ziele umzusetzen?

 

 Es ist wichtig, dass die Regierung eine leistungsfähige Landwirtschaft fördert. Investitionen in die Mechanisierung, die private Lagerhaltung und die praxisorientierte Forschung sind besonders wichtig, um die afrikanische Landwirtschaft voran zu bringen. Dazu müssen wir zunächst den Einfluss der Landwirte stärken. Die Forderungen der Bauern setzen sich erst durch, wenn sich viele von ihnen für die gemeinsamen Ziele einsetzen.

 

top agrar: Gibt es bei Ihnen keine schlagkräftigen Bauernverbände oder vergleichbare Branchenorganisationen?

 

In unserem Bauernverband sind lediglich die großen Betriebe vertreten. Unsere Kleinbauern müssen sich besser untereinander vernetzen und zusammenschließen. Erzeugergemeinschaften und Genossenschaften können da ebenso nützlich sein wie ein gut vernetzter Bauernverband. 

 

top agrar: Was nehmen Sie von Ihrem Besuch in Deutschland für Ihre Arbeit in Uganda mit?

 

Deutsche Landwirte haben bei der Vermarktung mehr Optionen. Auf der einen Seite sind es Lieferverträge mit  Unternehmen, die es dem Landwirt ermöglichen seine Produktion zu planen. Aber auch das Konzept der Direktvermarktung ist für uns sehr interessant. Die Landwirte können damit die Wertschöpfung erhöhen. In Afrika verkaufen die Bauern meist zu Dumpingpreisen direkt an Mittelmänner, die wiederum an den Großhandel weiterverkaufen. Dabei bleibt den Produzenten häufig weniger Gewinn als den Mittelmännern. Sowohl mit Lieferverträgen als auch mit der Direktvermarktung können die Landwirte die Mittelmänner umgehen. Ein weiterer interessanter Aspekt der Direktvermarktung ist die Tatsache, dass die direkte Verantwortung gegenüber Kunden einen Anreiz für die Produzenten schafft, stärker auf die Qualität der Produkte zu achten. Unsere Landwirte müssen lernen, die gesamte Wertschöpfungskette im Blick zu behalten.

 

top agrar: Es heißt immer wieder, die Agrarpolitik der EU bringe die afrikanischen Märkte durcheinander. Stimmt das?

 

Die Menschen in Uganda kämpfen mit viel grundlegenderen Problemen. Es mangelt an Infrastruktur, Bildung und der Unterstützung unserer Regierung. Auch das Gesundheitssystem ist unzureichend ausgebaut. Wir müssen zuerst funktionierende Strukturen aufbauen.

 

top agrar: Statt der EU-Politik machen Sie vor allem hausgemachte Probleme für die Situation der afrikanischen Landwirtschaft verantwortlich. Können wir deutsche Agrarprodukte nach Afrika exportieren, ohne dort die heimischen Märkte zu schädigen?

 

Ja, durchaus. Es sind die Produkte, die wir nicht selbst produzieren können. Das sind z.B. Gurken, Tomaten und Erdbeeren. Diese Produkte werden in Gewächshäusern produziert und benötigen häufig eine künstliche Bewässerung. Unsere Landwirte sind nicht in der Lage die Investitionen in diese Ausstattung und Technik zu tragen. Außerdem sind wir auf verarbeitete Erzeugnisse aus dem Ausland angewiesen, z.B. bei Milchprodukten wie Käse und Joghurt. Produkte, die wir selbst produzieren können, sollten dagegen nicht zu niedrigeren Preisen nach Afrika exportiert werden.

 

 

top agrar: Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

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