Agrarreform

Wissenschaftler fordern mehr Nachhaltigkeit in der nächsten GAP

Tausende Forscher halten die kommende EU-Agrarreform für nicht ausreichend für die zukünftigen Herausforderungen.

Mehr als 3.600 Forscher haben an die Europäische Union appelliert, wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stärker zu berücksichtigen. Die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission seien unzureichend und erreichten weder die angestrebten Klima- und Naturschutzziele noch die sozialen Vorgaben, heißt es in einem aktuellen Positionspapier.

Darin werden zehn Maßnahmen vorgeschlagen, um der kommenden GAP mehr Nachhaltigkeit zu verleihen und die europäische Agrarpolitik stärker an gesellschaftlichen Erwartungen zu orientieren. So sollten die Direktzahlungen den Wissenschaftlern zufolge nur noch für Gemeinwohlleistungen gezahlt und mehr Geld für den Schutz von Klima und Biodiversität bereitgestellt werden.

Ferner wird vorgeschlagen, die Zielvorgaben mit Blick auf die Nachhaltigkeitsziele (SDG) der Vereinten Nationen (UN) zu überarbeiten und Umweltmaßnahmen insbesondere hinsichtlich ihrer Ergebnisse strenger zu kontrollieren.

Neben einer Reform der Verwaltung, die Transparenz und Akzeptanz stärken solle, sprechen sich die Wissenschaftler außerdem dafür aus, auch globale Auswirkungen der europäischen Agrarpolitik stärker zu berücksichtigen. „Die EU macht sich wenig glaubwürdig, wenn sie erklärt, dass die nächste GAP besser für Umwelt und für die ländliche Gebiete sein wird und gleichzeitig das Budget dafür kürzen will“, erklärte der Erstautor der Positionspapiers, Dr. Guy Pe’er, der am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) tätig ist.

Laut Mitautor Prof. Sebastian Lakner von der Universität Rostock wertet die EU 40 % der GAP-Beihilfen als klimafreundlich; allerdings ließen sich lediglich für 18 % der Mittel überhaupt ein Umweltbezug nachweisen. Zudem seien nicht alle Umweltinstrumente effizient. „Der grüne Anspruch dieser Zahlungen und die Wirklichkeit gehen aktuell weit auseinander“, so der Agrarökonom. Die Direktzahlungen etwa trieben die Bodenpreise und brächten gerade die weniger wettbewerbsfähigen Betriebe in große Schwierigkeiten.


Diskussionen zum Artikel

von Wilhelm Grimm

@ Heinrich Esser

Bitte Gemeinnützigkeit nicht mit Gemeinwohl in einen Topf werfen. Ich kenne natürlich ihre Interpretation, ich teile sie aber nicht.

von Heinrich Esser

@Grimm

Ich weiß nicht, warum Sie diese Wissenschaftler den Grünen zuordnen, nur weil sie für eine effizientere Agrarförderung und keine Direktzahlungen mehr wollen. Und Nahrungsmittel sind kein Gemeinwohl. Das wäre der Fall, wenn Nahrungsmittel der Gesellschaft kostenfrei zur Verfügung ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Systemrelevant ? Dazu hätte ich Lust !

Aber die CDU/CSU hat uns ohne Rücksicht auf Verluste an die SPD und damit an den NABU verkauft.

von Wilhelm Grimm

Tausende ? Die Grünen versuchen alles !

Bei denen gehört die Erzeugung von Nahrungsmitteln zu den unwichtigen Dingen, die nicht dem Gemeinwohl dienen. Aber Nahrungsmittel hamstern, das machen auch sie.

von Klaus Fiederling

Mit Vollgas zurück in die Vergangenheit?

Das gegenwärtige Agrarförderungsmodell fußt auf den Erkenntnissen einer Wissenschaft der Vergangenheit, die dessen heutigen Fehlentwicklungen mit allen Auswüchsen bewusst nachhaltig forcierte, was man aber in der ganzen Bandbreite mit den weitreichenden Konsequenzen nicht folgerichtig ... mehr anzeigen

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