Digitale Handelsplattform

Agrimand: „Wir sind das Amazon der Agrarbranche“

„Die besten Angebote mit wenigen Mausklicks“ - das versprechen die neuen digitalen Agrarhandels-Plattformen. top agrar fragt nach, wie es bei den Start-ups läuft.

Agrimand ist eine digitale Handelsplattform für die Agrarbranche. Das Start-Up bietet auch eine kostenlose Landhandels-App für Smartphone an und soll den Landwirten das Tagesgeschäft erleichtern. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Lars Lehmann.

Herr Lehmann, erklären Sie in zwei Sätzen, was Agrimand dem Landwirt Neues bietet!

Lehmann: Agrimand ist der erste unabhängige, neutrale und digitale Ausschreibungsservice für die Agrarbranche. Wir führen Kaufinteressierte und Händler zusammen.

Wann sind Sie mit Agrimand gestartet?

Lehmann: Wir sind im Frühjahr 2020 gestartet. Die ersten Ausschreibungen sind direkt zum Start des Corona Lockdown gelaufen, was sehr ungünstig war. Unsere Agrimand App haben wir dann im Juli 2020 vorgestellt. Unser nächster Meilenstein waren im August unsere Blitzangebote.

Wie funktionieren die Blitzangebote?

Lehmann: Ich spreche gerne von dem ersten unabhängigen “Amazon bzw. Secret Escapes” der Agrarbranche. Verifizierte Landhändler können für einen begrenzten Zeitraum spezielle Produktangebote platzieren. Diese können im Agrimand Shop gekauft werden.

Ab 2.500 € Warenwert wird es interessant!

Wie ist die bisherige Resonanz auf Ihr digitales Angebot?

Lehmann: Trotz kleinem Werbebudget von unter 1.500 € haben wir schon einiges erreicht. Wir stellen fest, dass vor allem größere Agrarunternehmen von Agrimand profitieren, aber auch kleinere Landwirte, die Mengen an Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel von mehr als 2.500 € Warenwert benötigen, können bei uns ganz bequem ausschreiben.

Was verstehen Sie unter größere Agrarunternehmen und welchen Vorteil haben sie?

Lehmann: Ich denke an Landwirte ab einer Fläche von ca. 250 ha können durch Agrimand viel Geld und Zeit sparen. Vorausgesetzt ist, dass sie wissen, was sie brauchen und keine Beratung erwarten.

Warum sollte der Landhändler mitmachen?

Lehmann: Er kann überregional verkaufen und seine Saison verlängern. Ein Beispiel: In Deutschland liegen z.T. drei Wochen in der Vegetation. Wenn in einer Region eine Herbizidbehandlung abgeschlossen ist, hat sie woanders noch gar nicht begonnen.

Sie können 5 Produkte in nur 5 Minuten ausschreiben

Können Sie anhand eines Beispiels kurz erklären, wie eine Ausschreibung aus Sicht des Landwirts abläuft?

Lehmann: Ein Landwirt kann per App oder am PC standardisiert eine Ausschreibung anlegen. Das dauert bei einer Ausschreibung mit 5 Produkten keine 5 Minuten. Agrimand informiert die relevanten Händler, und der Landwirt wird sofort über Preisveränderungen informiert. Er sieht immer den besten Angebotspreis.

Was glauben Sie, wie viel Geld Landwirte sparen könnten?

Lehmann: Einsparungen von bis zu 20% sind schnell erreicht.

Wie viele Nutzer haben Sie aktuell?

Lehmann: Wir haben 2020 auf ein organisches Wachstum gesetzt. Unser Ziel für 2020 ist es, dass wir unser System weiter optimieren und aus dem intensiven Kundenfeedback lernen und Agrimand weiterentwickeln. Unser Fokus liegt dabei nicht nur auf Nutzeranzahl, sondern auf deren bewirtschaftete Flächen.

Und auf welche Fläche kommen Sie?

Lehmann: Wir haben bereits einige relevante Agrarunternehmen gewinnen können. Dazu gehören Erzeugergemeinschaften und Großunternehmen mit weit über 20.000 Hektar pro Unternehmen.

Und wie entwickeln sich die Umsätze?

Lehmann: Da wir uns noch in der Phase der Markteinführung befinden, können wir nur sagen, dass es eine durchweg positive Entwicklung gibt. Wir liegen über unseren Erwartungen.

Wo wollen Sie in zwei Jahren mit Ihrer Plattform stehen?

Lehmann: In zwei Jahren sind wir ein wichtiger Baustein der digitalen Landwirtschaft in den wichtigsten landwirtschaftlichen geprägten Ländern. Agrimand ist das Instrument auf das Landwirte setzen, um neutral, unabhängig und digital zu handeln. Die Agrarbranche ist im Wandel und ich bin mir nicht sicher, ob wir in zwei Jahren noch die gleiche Handelsstruktur haben wie heute.

Wagen Sie eine Prognose zur deutschen Handelsstruktur?

Lehmann: Die Welt wird bunter.

Pflanzenschutzmittel laufen am besten

Welche Produkte werden gerne online gehandelt?

Lehmann: Wir stellen fest, dass auf Agrimand Pflanzenschutzmittel am besten “laufen” und gehandelt werden, da wir hier über ein standardisiertes Produkt sprechen.

Welche Produkte funktionieren weniger gut?

Lehmann: Kleinere Mengen (z.B. LKW-Ladungen) Dünger finden bei uns weniger einen Markt. Kartoffel und Silage läuft nur sehr schleppend.

Was sind die größten Hürden für potenzielle Nutzer?

Lehmann: Vielen Landwirten fehlt noch das Vertrauen in die Digitalisierung. Wir hören sehr häufig die Aussage “Ist das alles, oder muss ich jetzt noch was machen?” Und wir sagen dann: „Ja, das ist alles.“

Welche Kosten fallen beim Handeln für den Nutzer an?

Lehmann: Das Registrieren und das Erstellen von Ausschreibungen ist für Landwirte kostenlos. Es fallen keine monatlichen Grundgebühren oder ähnliches an. Lediglich der Gewinner bzw. Bieter einer Ausschreibung zahlt eine Provision.

Der Haus und Hof-Lieferant hat nicht das beste Angebot.

Wo sehen Sie den größten Nutzen für den Landwirt durch Ihre Plattform?

Lehmann: Landwirte sparen viel Geld und Zeit bei der Beschaffung von Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel. Sie erhalten die Möglichkeit, neuen überregionalen Marktzugang zu erhalten. Das alles unabhängig und neutral.

Welche Nachteile hat er möglicherweise im Vergleich zum traditionellen Handel?

Lehmann: Der größte Nachteil ist aus meiner Sicht, dass es für einige Landwirte weniger Außendienstbesuche pro Tag geben wird und sich die Büroarbeit verkürzen wird. Auch kann es dazu führen, dass eben nicht einer der “Haus und Hof”-Lieferanten das beste Angebot macht.