Schlechte Qualitäten, hohe Kosten

Ernte 2021: Mühlenverband sieht sich in „schweren Zeiten“

Die Getreideverarbeiter klagen über die schlechte Getreideernte, hohe Rohstoff-, Transport- und Energiekosten und die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe. Damit unterliege man im intern. Wettbewerb.

Die Getreideernte fällt in diesem Jahr schlechter aus als im Durchschnitt der letzten Jahre. Hinzu kommt, dass die Qualität des Brotgetreides sehr uneinheitlich ist und in den Mühlenbetrieben daher ein großer Aufwand betrieben werden muss, um geeignete Getreidepartien zu beschaffen und für die Herstellung von Mehl oder Hartweizengrieß aufzubereiten. Das betont der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS).

Zudem sorgten die Aussichten auf den globalen Getreidemärkten und die schlechten Ernteprognosen für wichtige Anbauländer für enormen Preissprünge an den Rohstoffbörsen in Paris und Chicago.

Für die Müllerei sind das nach eigener Aussage schwierige Zeiten, machen die Rohstoffkosten doch rund 80 % der Gesamtkosten aus. Der offizielle Erntebericht von Bundesministerin Julia Klöckner weist eine Steigerung der Erzeugerpreise für Weizen und Roggen von gut 35 % gegenüber dem Vorjahr aus. Der Preis für Hartweizen, der Rohstoff aus dem die Nudeln hergestellt werden, hat sich innerhalb kürzester Zeit mehr als verdoppelt. –

Die Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft erinnert in dem Zusammenhang daran, dass man mit den höchsten Energiepreisen in Europa zu kämpfen habe. Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln aus der Region verliere damit im hart umkämpften europäischen Lebensmittelmarkt immer mehr an Wettbewerbskraft, warnt der Verband.

Während die Backqualität des Weizens, gemessen am Rohproteingehalt in Ordnung sei, deute das Hektolitergewicht aber bereits an, dass die Mehlausbeute geringer ausfallen wird. Auch der Anteil an Schmachtkörnern ist höher als sonst. Dies gilt sehr ähnlich für den Roggen. Wenn ein größerer Anteil von für die Verarbeitung nicht geeigneter Körner aussortiert werden muss und dadurch mehr Getreide vermahlen wird, um dieselbe Menge Mahlerzeugnisse herzustellen, trägt auch das zum erhöhten Aufwand in den Mühlenbetrieben bei, warnt der VGMS.

Hartweizen – weltweite Ernteprognose wirbeln Markt auf

Den in Deutschland noch recht jungen Hartweizenanbau hatten die Bauern zur Ernte 2021 um fast 10 % auf eine Ackerfläche von rund 37.400 ha ausgeweitet; die Erntemenge war bei guten Hektarerträgen auf fast 215.000 t angestiegen. Für die Deckung des Inlandsbedarfs von rund 400.000 t reicht die heimische Ernte jedoch trotz der Steigerung bei weitem noch nicht aus, erklären die Firmen weiter.

Global gesehen sei das Angebot wegen deutlicher Ernteausfälle in Nordamerika allerdings sehr knapp. Der Preis für Hartweizen ist im August 2021 zwischenzeitlich auf über 600 € gestiegen. Im Vorjahr hat er noch bei 280 € und im Jahr 2019 bei 220 € pro Tonne gelegen.

Für die Hartweizen-Müllerei und die Hersteller von Teigwaren sind das schwierige Zeiten, machen die Rohstoffkosten für die Herstellung von Hartweizengrieß doch rund 80 % der Gesamtkosten aus.

„Politik ist weiterer Preistreiber für hiesige Produzenten“

Neben gestiegenen Rohstoffpreisen und hohen Strompreisen machen der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft weitere Kostensteigerungen durch die Einführung des nationalen Emissionshandelssystems zu schaffen. Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln aus der Region verliere damit im hart umkämpften europäischen Lebensmittelmarkt immer mehr an Wettbewerbskraft, heißt es.

Die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe verteuere nicht nur die Transporte. So wird die Prozesswärme, die etwa zum Dämpfen oder zum Trocknen von Haferflocken, Cerealien oder Teigwaren benötigt wird, sehr effizient aus Erdgas gewonnen, das seit Januar 2021 mit der nationalen CO2-Abgabe belastet ist. Die CO2-Abgabe habe somit empfindliche Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Binnenmarkt.

Um die deutschen Unternehmen weiter im Wettbewerb zu halten und Abwanderungen ins benachbarte Ausland zu verhindern, sollen energieintensive Branchen über die Carbon-Leakage-Verordnung der Bundesregierung entlastet werden. Grundversorger wie Teigwaren- und Cerealienhersteller wurden dabei jedoch nicht berücksichtigt, kritisiert die Wirtschaft. Hintergrund ist, dass da die vom Gesetzgeber herangezogene EU-Liste der betroffenen Sektoren die einschlägigen Daten für die deutschen Unternehmen und Sektoren nicht ausreichend berücksichtigt.

Um dennoch die dringend gebotene Kompensation zu erhalten, müssten die nicht berücksichtigten Branchen nun in einem bürokratischen Antragsverfahren versuchen, auf die Liste der beihilfeberechtigten Sektoren zu gelangen. Nur so könnten sie gravierende Wettbewerbsnachteile gegenüber den europäischen Konkurrenten ausgleichen.

Derzeit überarbeitet die EU-Kommission ihre Beihilfeleitlinien für den Bereich Umwelt, Energie und Klima. Sie legen unter anderem fest, welche energieintensiven Branchen in Europa weiter Unterstützung bei der Kompensation staatlich verteuerter Strompreise erhalten können. Sollten die Leitlinien der EU-Kommission wie vorgelegt umgesetzt werden, würden 150 oder drei Viertel aller bisher beihilfeberechtigten Branchen von der Liste gestrichen – so auch die komplette Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft.

De facto würde dies zum jetzigen Zeitpunkt Mehrkosten für Industriestrom von 6,5 Cent pro Kilowattstunde bedeuten, eine Steigerung von gut 35 %. Grund dafür ist, dass die bisherige besondere Ausgleichsregelung im deutschen Erneuerbare Energien Gesetz EEG von der EU-Kommission nach den geplanten Leitlinien als nicht mehr genehmigungsfähige Beihilfe angesehen werden würde.


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