Mutmaßlich aus Gefangenschaft stammender Wolf beißt Kinder

Markus Bathen Markus Bathen
Bild: MDR

Ein Wolf hat im südostpolnischen Bieszczady-Gebirge zwei kleine Kinder angegriffen. Polizeiangaben zufolge wurde das Tier daraufhin von einem Jäger erlegt.

Markus Bathen, Wolfsexperte vom Naturschutzbund Deutschland NABU im Wolfsbüro Spremberg, bestätigte dem RBB, dass es sich um einen Wolf und keinen Mischling gehandelt habe. „Wir haben inzwischen von der polnischen Organisation Wilk genauere Informationen bekommen. Es war ein Wolf, der auch schon vor zwei Wochen eine Frau leicht ins Bein gebissen hatte. Sie konnte, genauso wie die Kinder, die am Dienstagabend von dem Tier verletzt wurden, nach kurzer Behandlung wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Die Verletzungen waren zum Glück nicht sehr schlimm“, so Bathen.

Die Biologen von der Organisation Wilk habe allerdings stutzig gemacht, dass dieser etwa ein Jahr alte Rüde starke Schäden an den Zähnen und stark abgenutzte Krallen hatte. Das seien Merkmale, die man nicht von freilebenden Wölfen kennt, sondern eher von Zwingerhunden, die auf Betonböden leben und die versuchen, sich immer wieder durchs Gitter zu beißen, so der Fachmann weiter.

In Ostpolen gebe es wiederholt Probleme mit im Prinzip illegalen Versuchen, privat Wölfe in Hintergärten aufzuziehen, sagte Bathen dem RBB weiter. Deshalb gebe es derzeit die starke Vermutung, dass dieses Tier in einem Käfig bei Menschen aufgezogen oder in Gefangenschaft gehalten wurde und dort ausgebrochen ist. „Dann ist es natürlich entscheidend, dass dieser Wolf gewöhnt war, von Menschen Futter zu bekommen. Und das hat wahrscheinlich auch dazu geführt, dass er jetzt wieder Menschen angebettelt hat.“

In Deutschland sollen die Wölfe nach Überzeugung des Fachmanns allesamt ihre natürliche Scheu vor dem Menschen besitzen. Zudem gebe es von der Europäischen Kommission die Auflage, dass Wölfe gezählt und letztlich auch überwacht werden. „Und dadurch kann man auch einen guten Eindruck bekommen, ob unter den Wölfen vielleicht einer ist, der sich nicht so verhält, wie er sich verhalten soll“, so Bathen.

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9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Josef Kindl · 1.
    Rotkäppchen

    Leider ein bedauerlicher Vorfall, welcher uns zeigt, daß man Märchen nicht einfach umschreiben kann !!!!!!!!

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  2. von Erwin Schmidbauer · 2.
    Modernes Märchen

    Das man immer noch die angeblich natürliche Scheu des Wolfes vor den Menschen bemüht ist schon befremdlich. Mittlerweile gibt es doch genügend Hinweise, dass diese Scheu keineswegs natürlich ist. Wie wollte man sonst Wölfe erklären, die eben diese Scheu nicht zeigen und wie wollte man sonst wilde Wölfe erklären, die sich von Menschen füttern lassen? Die angeblich "natürliche Scheu" ist wahrscheinlich ein durch Erfahrung früherer Wolfsgenerationen weitergegebene Verhaltensweise, die langsam ausgehebelt wird, weil sie nicht mehr nötig ist. Für den Wolf droht keine Gefahr mehr vom Menschen. Wenn wir verhindern wollen, dass diese Scheu verloren geht, muss man aktiv werden. Darüber sollten sich die (selbsternannten?) Wolfsexperten mal Gedanken machen, wie man diese Scheu präventiv aufrecht erhalten kann.

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  3. von Alexander Audrit · 3.
    Ist das alles noch nicht schlimm genug...?

    ...Lieber NABU, BUND und Wolfsbefürworter, der Tag wird kommen an dem Menschen, vielleicht sogar Kinder hier in Deutschland durch Wolf um‘s Leben kommen. Ihr zerredet das dann alles wieder als bedauerlichen Einzelfall herunter. ABER DENKT IMMER DARAN: ES KÖNNTEN AUCH EURE FAMILIENMITGLIEDER ODER KINDER SEIN MIT DEM DER WOLF DANN SEINEN NACHWUCHS FÜTTERT! ...in eurer Haut will ich dann nicht Stecken...

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  4. von Hermann Stroemer · 4.
    In Armenien

    wurden vor ca 14 Tagen zwei Kinder im Alter von 4 und 11 Jahren von einem Wolf gerissen. Einfach Arzach, Wolf, Kind googeln. Erklärungen, warum die Kinder und nicht der Wolf schuld sind, habe ich noch keine entdeckt.

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  5. von Paul Maier · 5.
    Wenn der Angriff eines Wolfes schon nicht mehr zu leugnen ist,

    konnte man wengstens sicher sein, dass den Wolfsbefürwortern schon eine Ausrede einfallen wird um eine Gefahr für Menschen absolut auszuschliessen. Ob ihre "Beruhigungspillen" in Sachen Wolf immer halten werden beim rasanten Anstieg der Wolfspopulation darf man bezweifeln. Es wird ja sowieso erst dann gehandelt, wenn ein Wolf "auffällig" geworden ist und wer entscheidet dann darüber ob er eventuell entnommen werden darf und wie stellt man sicher, dass auch der richtige dann tatsächlich geschossen wird. Er wird ja wohl nicht am Tatort auf seinen Jäger warten. Den Märchen der Gebrüder Grimm glaubt niemand, aber die Geschichten unserer Wolfsromantiker grenzen auch sehr nahe an Märchen.

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  6. von Gerd Uken · 6.
    Ist das jetzt eine neue Geschäftsidee

    Privat Wölfe aufzuziehen? Um sie dann gewinnbringend weiter zu verkaufen Richtung Westen oder wie muss man die Meldung jetzt deuten?

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  7. von Paul Siewecke · 7.
    @ Lars Henken...

    der örtliche Privat-Wilderer weiss schon, wo ne Höhle mit gewinnbringend verkäuflichen Welpen ist! Genauso werden in Deutschland ja auch Horste von Greifvögeln geplündert.....

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  8. von Lars Henken · 8.
    Für jede Lage die passende Ausrede......

    Egal was passiert, der Wolf trägt nie Schuld....... eine passende Ausrede für jede Situation. Wo bekommen die Polen die Wolfswelpen denn her?

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  9. von Gerd Ulken · 9.
    Wölfe

    ............ wieder so ein Traumtänzer .....

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