Grüne Woche

DBV Fachforum zum Ökolandbau sieht Öko-Praktiker als Innovationstreiber

Die Teilnehmer des DBV-Forums zum Ökolandbau auf der Grünen Woche waren sich einig, dass die Ausrichtung der neuen EU-Öko-Verordnung auf 100% Öko-Inputs der falsche Weg sei. Die Orientierung an Nachhaltigkeitsprinzipien wurde als die eigentlich relevante Zielsetzung gesehen.

Bei dem Fachforum des Deutschen Bauernverbandes (DBV) „Ökolandbau nachhaltig stärken“ auf der Internationalen Grünen Woche wurde viel Potenzial für Ertragssteigerung und Nachhaltigkeit in optimierten Agrarökosystemleistungen sichtbar. Es gelte das Systemverständnis Boden-Ökologie-Pflanze weiter zu verbessern, führte Professor Urs Niggli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in der Schweiz aus.

Der systemische Ansatz des Ökolandbaus führe besonders in der Öko-Pflanzenzüchtung zu praxisnahen Ergebnissen. In der Diskussion wurde aber auch Agrarforschung für ertragssteigernde Technologien und Inputs im Ökolandbau gefordert.

So sah Professor Gerold Rahmann vom Thünen-Institut im weltweiten Maßstab Ertragsteigerung im Ökolandbau als vordringliche Aufgabe. Es könne nicht darum gehen, in den Tropen oder Subtropen die EU-Öko-Verordnung eins zu eins umzusetzen, sondern das Ziel müsse sein, mit nachhaltiger Landwirtschaft möglichst viele Menschen satt und wohlhabend zu machen.

Heinrich Graf von Bassewitz, dessen zwanzigjähriges ehrenamtliches Engagement für den Ökolandbau im DBV mit der Veranstaltung gewürdigt wurde, sah nachhaltige Landwirtschaft immer als eigentlichen Zweck des Ökolandbaus an. Es bestand weitgehende Einigkeit, dass die Ausrichtung der neuen EU-Öko-Verordnung auf 100% Öko-Inputs der falsche Weg sei. Die Orientierung an Nachhaltigkeitsprinzipien wurde als die eigentlich relevante Zielsetzung gesehen. Einige traditionelle Prinzipien müssten überdacht werden, so Professor Rahmann. Der Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Prinz zu Löwenstein, bekräftigte die Bedeutung zentraler Verbote für Innovationen im Ökolandbau. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wäre für ihn zentraler Treiber für Innovationen in den Öko-Anbausystemen, da diese Restriktion zum Um-die-Ecke-Denken zwänge.

Carsten Bauck vom demeter-Tradtionsbetrieb Bauckhof forderte, produktive zweinutzungsgeeignete Öko-Geflügelhaltung zu züchten und dies nicht zwei weltweit tätigen Zuchtkonzernen zu überlassen, sondern auch Landwirten zu ermöglichen. Tenor der Diskussion war, dass die Tierzucht wieder zu einer öffentlichen Angelegenheit zu machen sei. Der Öko-Junglandwirt Bernard erklärte, wie die Digitalisierung bereits heute zu einem automatisierten Garten- und Ackerbau auf seinem Betrieb führe. Die Automatisierung und Digitalisierung mache bald bislang viel zu handarbeitsintensive, aber hoch produktive Produktionsverfahren wie Vorzucht- und Pflanzverfahren beim Mais rentabel. Er prognostizierte anhand der eigenen Technologieversuche einen Paradigmenwechsel von energieintensiver Landwirtschaft zu dezentraler Kleintechnik, die einer pestizidfreien Landwirtschaft zu einer produktiven Ebenbürtigkeit mit den heutigen Systemen verhelfen könne.

Übereinstimmend benannten die Wissenschaftler Niggli und Rahmann die Best-Practice-Landwirte im Öko-Landbau als Innovationstreiber. Deren Wissensschatz gelte es, wie von Graf Bassewitz immer gefordert, zu heben und zum Ausgangpunkt effektiver Öko-Agrarforschung zu machen.

Zum Abschluss der Veranstaltung würdigten Spitzenvertreter von DBV und BÖLW das außerordentliche Engagement von Graf von Bassewitz für den Ökolandbau. Ihm sei es zu verdanken, dass der Ökolandbau heute im DBV fest verankert sei, so DBV-Vizepräsident Werner Schwarz. Er sei der Öko-Pontifex gewesen, der eine breite Brücke zwischen den ehemaligen Landbauformen errichtet habe. Das bestätigte auch der BÖLW-Vorstandsvorsitzende Prinz zu Löwenstein, der Bassewitz für die gute Zusammenarbeit dankte.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Klaus Fiederling

Mach die Dinge so einfach wie möglich - aber nicht einfacher (Einstein)

Will man -wie obig angedacht- einem Kahlschlag in Reihen der Landwirtschaft vorbeugen, unser brutales Höfesterben vielleicht gar eindämmen? Das wird so nur schwerlich funktionieren. Dieser wissenschaftlicherseits immer massiver eingeforderte Paradigmenwechsel ist schlussendlich nicht konsequent zu Ende gedacht. Verhilft den heutigen Bauern im konventionellen Bereich, die in der LW kein Geld mehr verdienten/verdienen, ein Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutz, höhere Prämienansprüche etc.pp. wirklich den berühmten Rettungsanker auszuwerfen!? Eine tatsächliche Bewusstseinsänderung in den Köpfen dieser Bauern wird man mit solchen Einlassungen jedenfalls nicht auslösen. Eine Geldnot in Ausschließlichkeit zwingt zum Handeln. Das Geldverdienen auf den Höfen wird damit allerdings nicht erleichtert, sondern weit eher noch extrem verkompliziert. // Bei den Discountern haben Öko-Produkte in großem Stile Einzug gehalten, sukzessive damit selbstredend auch ein entsprechend dafür bewilligtes Preisniveau. Breite Bevölkerungsschichten sind bereit, Öko-Produkte jetzt bei Discountern zu „DISCOUNTER-PREISEN(!)“ einzukaufen. Zwischenzeitlich wird den Bauern für ihre Umstellungsware der kommenden Ernte nahezu schon das gleiche Erzeugerpreisniveau zugebilligt -beinahe besteht schon Parität- wie es das für die konventionelle Produkte widerspiegelt. Wie sieht es übrigens mit der Milch im Allgäu aus!? // Solange wir jährliche Monokulturen aufs Feld stellen MÜSSEN, wird man sich mit einer gewünschten effizienten Nachhaltigkeit extrem schwer tun. Die Verarbeiter fordern von uns Bauern nach wie vor gnadenlos klar definierte EINHEITSPRODUKTE und weichen von eben diesen knallhart formulierten Anforderungen nicht einmal nur einen Millimeter ab, mit desaströsen Erzeugerpreiszugeständnissen. // Alle dahingehenden Einlassungen seitens unserer Agrarexperten sprechen allerdings auch immer nur von eben diesen Monokulturen. - So jedenfalls werden fortwährend viele Hof- und Stalltüren geschlossen, oftmals für immer!

von Anton Obermeier

Vor 100 Jahren

gab es 100% Ökolandbau. Das müssen ja herrliche Zeiten gewesen sein. Die Leute wurden wahrscheinlich deutlich über 100, da sie ja nicht durch "Pestizide" vergiftet wurden, wenn sie nicht verhungert sind. Ich freue mich schon darauf, dass die Grünen und Konsorten uns dahin wieder zurück "innovationiert" haben.

von Erwin Schmidbauer

Automatisierung und Digitalisierung?

Und die Energie, die dafür benötigt wird, kommt aus der Steckdose oder? Und die anderen Ressourcen schickt der Himmel? Das Konzept erscheint mir zumindest notwendig zu hinterfragen und auf seine Nachhaltigkeit abzuklopfen.

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