Betriebsleitung

Passt Bio zu meinem Betrieb? Plus

Überlegen Sie, Ihren Betrieb auf biologische Bewirtschaftung umzustellen? Unsere Serie zeigt Ihnen, worauf zu achten ist, hier Teil 1 von 5.

Die Zeiten für konventionelle Landwirte sind nicht gerade rosig: Die Produktpreise reichen oft nicht für ein faires Familieneinkommen, der gesellschaftliche Druck steigt. Dazu kommen die Düngeverordnung, Resistenzen im Ackerbau und der Wegfall vieler Pflanzenschutzmittel.

Viele Betriebsleiter fragen sich, wie es weitergehen soll. Dass die Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise eine Option ist, zeigt das Interesse an Ökofeldtagen und Umstellerseminaren. Doch auch wenn die Bio-Betriebe in Sachen Wirtschaftlichkeit oft besser abschneiden als die konventionelle Vergleichsgruppe, will eine Umstellung gut bedacht sein.

Passt Bio zum Betrieb?

Nur wegen der Fördergelder oder vermeintlich höherer Erlöse auf Ökolandbau umzusteigen, ist in den seltensten Fällen dauerhaft von Erfolg und Zufriedenheit des Betriebsleiters gekrönt – hier sind sich die Umstellungsberater einig. Schließlich geht es um ein gänzlich neues Betriebskonzept, mit dem man sich auch identifizieren muss.

Im Mittelpunkt steht dabei u.a. das Wirtschaften in natürlichen Kreisläufen, der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger sowie Gentechnik. Gute Voraussetzungen haben dabei alle, die bereits im konventionellen Betrieb gute bis sehr gute Produktionszahlen erreichen.

Auch die Familie sollte hinter der Umstellung stehen. Denn insbesondere dort, wo es regional noch nicht viele Biobetriebe im Umfeld gibt, sind Bemerkungen aus dem Umfeld und eine erhöhte Aufmerksamkeit die Regel. Was die Produktion selbst angeht, berichten die wenigsten Umsteller von größeren Problemen – wenn man bereit ist, ständig dazu zu lernen, neue Verfahren auszuprobieren und sich Beratung, auch von anderen Betriebsleitern, sucht.

Als besondere Herausforderung beschreiben viele Umsteller die Vermarktung, die im Biobereich nicht annähernd so standardisiert ist wie im konventionellen Bereich. Berater Markus Mücke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen rät daher: „Checken Sie schon weit vor der Umstellung, wo regional Verarbeiter oder Vermarktungsorganisationen aktiv sind und bauen Sie Verbindungen auf.“ Besonders in der Umstellungszeit, wenn die Produkte noch nicht als Öko-Ware verkaufbar sind, ist Flexibilität gefragt.

Wann umstellen?

Die Umstellungszeit ist nicht zu unterschätzen. Planen Sie daher mehr Arbeitszeit und möglichst Liquiditätsreserven ein. „Viele übersehen z.B., dass bei der Umstellung zum 1. Juli erst die vierte Ernte als vollwertige Bioware zu vermarkten ist,“ berichtet Alexander Kögel vom Bioland-Verband Bayern. Denn anerkannte Bioware sind nur Produkte, deren Erzeugung 24 Monate nach der letzten konventionellen Maßnahme beginnt. Für Tiere gelten allerdings kürzere Umstellungszeiten.

Ein Beispiel für den Ackerbau: Landwirt Blume stellt zum 1. Juli 2020 um. Die Ernte 2020 gilt als konventionell. Umstellerware (U-Ware) sind die Ernten 2021 und 2022. Erst die Ernte 2023, gesät unter vollwertigen Biobedingungen im Herbst 2022, gilt als Bioware (sogen. A-Ware).

Die Umstellerware zu guten Preisen zu verkaufen, ist nicht leicht – deshalb sollte man im Vorfeld klären, welche Früchte absetzbar sind. Von Roggen, Dinkel oder Speisehafer sollte man generell in der Umstellungszeit die Finger lassen. Es zahlt sich aber aus, wenn man mit tierhaltenden Biobetrieben in der Region den Anbau bestimmter Futterfrüchte abspricht. Denn sie dürfen Umstellerware bis zu 30% in die Futtermischungen...


Diskussionen zum Artikel

von Andreas Gerner

@ Appel

Die Frage hat weiter unten schon Johann Schneider gestellt und wurde bereits beantwortet. (Danke erneut an Bernd Müller)

von Bernd Müller

@ Appel

Es kommt nur ein kleiner Teil ( unter 5%) des Futters aus Südamerika. Wenn wir aber in Deutschland komplett auf Bio umstellen werden deutlich mehr Lebensmittel eingeführt werden müssen.

von Peter Appel

@Gerner

Wer verfüttert denn Soja aus Brasilien?

von Andreas Gerner

@ Appel

Wenn Sie das auf einen Hektar beziehen, mögen Sie Recht haben. Legen Sie aber die Scheuklappen ab und betrachten Sie das ganze System, und dass eine fixe Menge an Nahrungsmitteln gebraucht wird, sieht es anders aus. Sie produzieren auf ihrem Hektar die Hälfte. Die also fehlende Hälfte ... mehr anzeigen

von Peter Appel

Bio eine kranke Form...

Wenn eine heute für konventionell wirtschaftende Betriebe typische Fruchtfolge mit viel Wintergetreide und Silomais nachhaltiger sein soll und besser für den Humusaufbau der Böden ist als zum Beispiel 30 - 50 % Kleegras Fruchtfolgeanteil beim Biobetrieb kann das eine Meinung sein, ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

Nein,

solange ich meinen Betrieb bewirtschafte, passt Bio nicht zu meinen Betrieb.

von Hans Spießl

Bio eine Kranke Form menr nicht......

Bio ist Form von Mangelkultur nur wenige Betriebsformen wie absolute Grünlandbetriebe die wenig wegfahren da geht es aber gerade da sind die Märkte ja voll. Im Grunde stellen meist schlechte Menschen auf Bio um wegen der Fördertöpfe - ... mehr anzeigen

von Paul Lieb

Wertschätzung

Eigentlich sollten doch so wertvoll und nachhaltig erzeugten Produkte, wie die aus der Bio-Landwirtschaft, selbstverständlich am Markt einen Preis erzielen, das eine Produktion auch ohne staaliche Förderung möglich ist! und nicht eine doppelt so hohe Unterstützung benötigen? Das ... mehr anzeigen

von Berthold Lauer

Ob noch genug produziert wird, ist nicht mein Problem! Ich bin in erster Linie für das ökonomische Überleben meines Betriebes verantwortlich. Die entscheidende Frage ist doch: Wer finanziert das und Wie? Aus den Tabellen und anderen Veröffentlichungen ist doch ersichtlich, dass BIO ... mehr anzeigen

von Paul Lieb

Handelsbilanzüberschuss

Man darf die ganze Dikusion, warum man so eine Gunstregion extensivieren will und wir dafür den Ärmsten der Armen noch mehr Essen wegkaufen, nicht emotional betrachten. Da geht es knallhart nur darum, das es allen vor an den USA, ein richtiger Dorn im Auge ist, das wir einen so ... mehr anzeigen

von Klaus Jensen

Ich finde es sehr bedenklich,dass dieser Bericht zu Weihnachten kommt....

Solllen wir jetzt alle zwangsökologisiert werden? Es wäre auch ein Bericht von Top Agrar wünschenswert, der erklären würde wie wir gemeinsam gegen die neue DÜVO vorgehen können oder wie wir gemeinsam gegen das neue betäubungslose Kastrationsverbot vorgehen können. Ich glaube ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Feldwirtschaft

ist leichter auf Bio umzustellen, als die vorhandenen Stallbaumaßnahmen auf Biostandard umzubauen. AMS und Weidehaltung ist nur begrenzt möglich, da die Entfernung zum Roboter nicht so groß sein sollte. Viele haben auch kein Weideland um das Haus und wer macht schon Ackerland zu ... mehr anzeigen

von Bernd Müller

Nochmal an Johann

30% in den Müll ist in der Tat ein Problem, hat aber nichts mit Bio oder konventionell zu tun...

von Bernd Müller

Hallo Johann

Noch eine Erklärung: es werden zur Zeit in Deutschland etwas über den Bedarf Lebensmittel produziert. Bei einigen Produkten etwas mehr, bei anderen etwas weniger. Das sehe ich auch als unsere Pflicht an, da wir eben in dieser Gunstregion liegen. Wenn der Markt ausgeglichen bzw. leicht ... mehr anzeigen

von Johann Schneider

Hallo ihr Lieben

Danke für die freundliche Aufklärung.Aber eine dumme Frage noch zum Schluss.Wenn es zu wenig Nahrungsmittel gibt,warum sind sie dann so billig und warum werden 30% in den Müll geworfen?

von Andreas Gerner

Hallo Johann

Bernd war so nett, und hat es schon beantwortet. Je weniger wir produzieren, desto mehr muss woanders produziert werden. Ob das dann direkt zu uns transportiert wird, oder über zig Ecken woanders was kompensiert, was wir da wieder weg kaufen, ist Nebensache. Und abgesehen davon wird ein ... mehr anzeigen

von Bernd Müller

Hallo Johann

Nur ein kleiner Teil des konventionellen Futters kommt aus Südamerika. Wenn wir aber auf Bio umstellen nehmen wir auf Grund der nachweislich um 50% geringeren Erträge in Kauf, dass noch mehr Agrarprodukte importiert werden. Wir können uns als eigentlich landwirtschaftliche Gunstregion ... mehr anzeigen

von Johann Schneider

Hallo Andreas

Wer verfüttert denn die Sojabohnen aus Brasilien?

von Andreas Gerner

Klar passt Bio....

....wenn man es mit seinem Gewissen vereinbaren und ethisch vertreten kann, eigentlich Nahrung für 1000 Menschen produzieren zu können, es aber nur für nicht mal 500 zu tun. - - - - - Und wenn man mitverantwortlich sein möchte, dass Brasilien die fehlende Angebotsmenge dann auf ... mehr anzeigen

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