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topplus Raunächte

Die Magie der Raunächte

Die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigsfest gilt als besonders mystisch. Traditionell wird in diesen Tagen Altes losgelassen und Neuem entgegengeblickt. Das Räuchern gehört dazu.

Lesezeit: 5 Minuten

Rund um die zwölf Raunächte zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag am 6. Jänner ranken sich Weissagungen, Bräuche und Rituale, die teilweise viele Jahrhunderte alt sind. Entstanden sind die Raunächte in einer Zeit, in der Naturphänomene nicht wissenschaftlich erschlossen waren. Die Tage waren kurz, es gab wenig Tageslicht und kein elektrisches Licht, um die Dunkelheit zu vertreiben.

Schnell gelesen

Die Raunächte zwischen Heiligabend und Dreikönig, haben im alpenländischen Gebiet eine lange Tradition.

Das Räuchern gehört auf vielen Höfen und in vielen Häusern mit dazu. Damit wird gereinigt, gesegnet und es dient als Zeichen von Dankbarkeit und Hoffnung.

Auch junge Frauen und Familien lassen die Traditionen der Raunächte und des Räucherns wieder aufleben.

Ursprung unbekannt

„Vielfach wird der 21. Dezember, der Thomastag, als erster Tag der Raunächte mitgerechnet“, erklärt Dr. Heimo Schinnerl, Kulturanthropologe und Vorsitzender der ARGE Volkskultur. „Während dieser Nächte werden im alpenländischen Gebieten Haus und Hof geräuchert. Damit soll eine apotropäische Wirkung erzielt und Dämonen gebannt werden.“

Der genaue Ursprung der Raunächte lässt sich nur schwer ermitteln. Vermutlich geht die Zeit des Räucherns zwischen den Feiertagen auf die Kelten zurück. Während das Mondjahr nur 354 Tage hat, zählt das Sonnenjahr 365. Die fehlenden 11 Tage beziehungsweise zwölf Nächte wurden von den Kelten als „tote“ Tage außerhalb der Zeit eingeschoben und der Zeitunterschied damit ausgeglichen.

Von solchen Tagen wird im Volksbrauchtum oft angenommen, dass die Gesetze der Natur aufgehoben seien und die Grenzen zu anderen Welten fielen. Heißt: Die Geister fliegen zwischen ihrer und unserer Welt umher. Deshalb sollte in den Tagen keine Wäsche gewaschen und getrocknet werden – damit sich die bösen Geister nicht in der Leine verfangen.

Frauen und Kinder sollten nach Einbruch der Dunkelheit das Haus nicht mehr verlassen.

Woher kommt der Begriff der Raunächte?

Sprachwissenschaftlich ist nicht genau geklärt, woher das „rauh“ oder auch „rau“ in dem Wort Raunächte kommt. Es könnte vom Räuchern kommen, da am Jahresende das Haus häufig durch Räuchern gereinigt wird. Es könnte aber auch auf einen Begriff aus der Kürschnerei zurückgehen. Dort kennt man das Wort „Rauware“ für Pelzwaren. Es würde außerdem einen Hinweis auf mit Fell bekleidete Dämonen geben, die in diesen Nächten in der „Wilden Jagd“ ihr Unwesen treiben sollen und heute noch als Perchten im Alpenraum traditionell eine Rolle spielen.

Geläufig sind die Begriffe „Raunächte“, „Rauhnächte“ oder auch „die Zwölften“ genannt.

Warum räuchern?

Rund um die Raunächte gibt es viele Rituale und Bräuche. Schon bei den Kelten war das Räuchern Bestandteil des täglichen Lebens. Es wurde eingesetzt, um böse Geister und Dämonen zu vertreiben und gute Geister willkommen zu heißen. Außerdem diente es der Reinigung der Häuser. Mit dem Räuchern mit Weihrauch wurde das später auch im Christentum übernommen.

Traditionell werden in Österreich – und auch in Süddeutschland – nach Weihnachten die Häuser mit Weihwasser gesegnet und eingeräuchert. Denn „Gottes Parfum“ wehrt böse Geister ab. Andere berichten, dass sie mit dem Räuchern das alte Jahr mit einem Dank loszulassen und das neue mit Segenswünschen begrüßen.

Eingesetzt wird beim Räuchern z. B. Weihrauch, Zedernholz, Wacholder, Tanne, Engelwurz oder Rosmarin. Benötigt werden eine Räucherpfanne, Sand, glühende Kohlen und Kräutermischungen. Wer keinen Ofen hat, aus dem er Glutstücke nehmen kann, entzündet erst ein Stück herkömmlicher Räucherkohle. Dabei ist es wichtig, dieses erst aufrecht in den Sand zu stecken, damit es gleichmäßig heiß wird. Ist die Kohle dann weiß geworden, legt man die Räuchermischung auf und das Reinigen der Räume kann beginnen.

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Praxisbeispiel

Hoffnung, Segen und Dankbarkeit

Elke Klages aus Elbigenalp im Lechtal (Tirol) ist Bezirksbäuerin und Vorstandsmitglied der Lechtaler Kräuterhexen. Schon von klein auf kennt sie den Brauch des Räucherns. Ihre Mutter startet ganz bewusst bereits in der Thomasnacht am 21. Dezember (Wintersonnenwende) in die Übergangszeit. In der heiligen Nacht geht die ganze Familie durch Hof und Stall und betet um Segen für Hab und Gut. „Über Silvester und Neujahr räuchern wir mit heimischen Kräutern wie Wacholder, Beifuß, Schafgarbe und vor allem Fichten- und Lärchenharz“, berichtet Elke Klages. „An Dreikönig, wenn die Sternsinger ins Haus kommen, räuchern wir ein weiteres Mal.“

Die Kräuter für den Räucherstrauß sammelt die Familie bereits im Sommer ab dem 15. August. Dieser wird dann getrocknet und kommt im Winter zum Einsatz. Das Räuchern hat einen hohen Stellenwert in der Familie. Nicht nur in den Raunächten, auch wenn ein Tier im Stall erkrankt ist, wird geräuchert.

„Viele junge Frauen pflegen die Tradition des Räucherns wieder“, erklärt die Bäuerin. „Wie auch wir verbinden sie mit dem Räuchern die Segnung, die Heilung, Hoffnung und Dank.“

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