Einloggen / Registrieren

Startseite

Schlagzeilen
Newsletter
Messen & Termine
Themen
Wir für Euch
Heftarchiv
Sonstiges

BayWa in Insolvenzgefahr Ernte 2024 GAP-Vereinfachungen

AMA-Milchforum 2023

Milchwirtschaft in Österreich: Wertvoller Beitrag oder Klimakiller?

Sind Wiederkäuer mit Blick auf die Klimadiskussion ein Auslaufmodell? Darüber wurde beim AMA-Milchforum 2023 diskutiert. Für Aufregung sorgte vor allem der Vortrag von Andreas Sator.

Lesezeit: 7 Minuten

Am diesjährigen AMA-Milchforum wurde heute darüber diskutiert, wie wir Landwirtschaft und Klimaschutz in Einklang bringen können! Gesprochen wurde auch darüber, welche Leistungen unsere Milchbäuerinnen und -bauern zum Erhalt der Versorgungssicherheit, der Biodiversität der Wiesen, Weiden und Almen – insbesondere in Berggebieten – erbringen.

Beinahe Eklat nach Vortrag von Andreas Sator

Das Wichtigste zum Thema Österreich freitags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß der AGBs und den Datenschutzhinweisen zu.

Gleich zu Anfang sorgte aber das Referat von Journalist und Autor Andreas Sator über Nachhaltigkeit und Klimaziele in der Milchwirtschaft für gehörige Unruhe - bis hin zu einem "Aufreger-Statement". Dazu später mehr. Zunächst zu den Ausführungen von Sator. Der junge Journalist, der auch für den Standard schreibt, ging zunächst auf den Begriff Nachhaltigkeit ein. Dieser stamme aus der Forstwirtschaft und bedeute, dass man nur so viel Holz aus dem Wald entnimmt wie nachwächst. Im übertragenen Sinne heiße Nachhaltigkeit, nicht von der Substanz zu leben.

Anschließend sprach der Referent über die CO2-Thematik. Sator erklärte u.a., dass 26 % der Treibhausgase aus dem Ernährungssystem stammen würden. Grundsätzlich seien die Klimaziele nicht zu erreichen, ohne dass es zu Änderungen im Ernährungssystem komme.

Im Zusammenhang mit der Ernährung erklärte Sator, dass der Druck auf die Fläche immer stärker wachse. "Wir brauchen 50 % mehr Lebensmittel bis 2050", führte er aus. Dafür sei weltweit soviel zusätzliches Agrarland notwendig wie die doppelte Größe von Indien. "Wie schaffen wir das also sonst?" fragte er. Zum einen gehöre dazu erstens eine ertragreiche Landwirtschaft. Dies sei auch nachhaltig, "obwohl es von Umweltschutzseite her wenig beachtet wird", so der Referent weiter. Es sei wichtig, auf der bestehenden landwirtschaftlichen Fläche der Erde möglichst viel zu produzieren.

Einstellung zur Gentechnik ändern

Für einen erstes Raunen im Saal sorgte der Autor mit seinem nächsten Ansatz: "Wir müssen unsere Einstellung zur Gentechnik ändern. Um die Klimaziele zu erreichen, können wir die Gentechnik nicht ignorieren."

Problematisch im Zusammenhang mit der Fläche als knappem Gut sieht Sator die Biolandwirtschaft. Sie sorge zwar für mehr Biodiversität, schafft aber auf derselben Fläche 20 bis 30 % weniger Ernte. Sator: "Bio ist nicht immer die Antwort, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Sondern wir brauchen eine Kombination aus mehr Fläche und mehr Biodiversität."

Danach ging der Referent auf den dritten aus seiner Sicht wichtigen Punkt im Zusammenhang mit dem Thema Nachhaltigkeit und Klimaziele ein, die Ernährung. Spätestens seine Ausführungen dazu ließen die Zuhörer unruhig werden. So meinte er, dass eine flächensparende Ernährung eine mit weniger Rindfleisch und Milch bedeute. Denn dies würde die Klimawirkung im Vergleich zu jetzt deutlich verbessern.

"Je weniger tierische Lebensmittel, desto geringer der Druck auf Flächen"

Derzeit werden laut Sator etwa 60 Kilo Fleisch pro Kopf in Österreich abgesetzt. Vor fünf Jahren waren es noch 65 Kilo. Je weniger tierische Lebensmittel gegessen würden, desto geringer sei der Druck auf neue Flächen. Gleichzeitig sei der Absatz von Fleischersatzprodukten in den letzten fünf Jahren verdoppelt worden. Dazu würden auch Start Ups beitragen, die viele innovative Produkte auf den Markt bringen. Und der Referent setzte noch einen drauf mit der Ansage, man könne die Umsatzsteuer für Milch- oder Fleischprodukte erhöhen und die bei Ersatzprodukten verringern oder streichen.

Zusammenfassend erkärte Sator, dass es ein Umdenken auf ganz vielen Ebenen brauche, um die Klimaziele bei gleichzeitiger Nachhaltigkeit zu erreichen. Dazu gehöre eine ertragreiche Landwirtschaft. Aber nicht um jeden Preis, sondern in Kombination mit Biodiversität. Wichtig sei aber auch ein Umdenken in der Ernährung. Hier bedeute weniger Tierhaltung, dass auch weniger Fläche notwendig sei.

In der anschließenden Diskussion machte VÖM-Geschäftsführer Johann Költringer klar, dass der Österreich keine "vegane Gentechnik" wolle. LK-Marktexperte Adolf Marksteiner fand den Vortrag "ganz erfrischend, und es war ein super Startpunkt". Der Obmann der Kärntner Milch Albert Petschar konnte den Ausführungen von Sator dagegen offenbar gar nichts abgewinnen. Er äußerte in seinem Statement Richtung Sator die Hoffnung, dass "sie nicht mehr so oft die Gelegenheit bekommen aufzutreten". Moderatorin Sabine Kronberger verstand es zum Glück, die Gemüter zu beruhigen. Sie beendete Sators Referat mit den Worten: "Ab und zu ein wenig gekitzelt zu werden, hat noch niemand geschadet."

Ist unsere Milchproduktion noch zeitgemäß?

Ob die Milchproduktion im alpinen Raum noch zeitgemäß ist, darüber referierte anschließend Wilhelm Windisch, Experte für Tierernährung von der TU München.

Die Frage, ob etwas noch zeitgemäß ist, stelle sich immer, wenn es eine Zeitenwende gibt, so Windisch zu Beginn. "Da sind wir mittendrin. Wir leben in einer Zeit einer Verknappung der Ackerfläche." Derzeit gebe es für 8 Mrd. Menschen auf der Welt rund 1800 m2 Fläche je Person. Im Jahr 2050 werden es laut dem Experten für schätzungsweise 10 Mrd. Menschen nur mehr 1400 m2 sein. Deswegen müsse es künftig darum gehen, dass Nutztiere dem Menschen nichts wegessen. Zum Beispiel sollte Soja deshalb nicht als Futter, sondern vor allem als Lebensmittel gesehen werden.

"1 kg veganes Lebensmittel erzeugt mindestens 4 kg nicht essbare Biomasse"

Weiters stellte Windisch die Frage, welchen Anteil der Biomasse aus der Landwirtschaft Menschen essen können? Da in Österreich rund 50 % der Fläche absolutes Grünland und damit nicht direkt essbar sei, bliebe nur die andere Hälfte, sprich das Ackerland dafür übrig. "Von der auf dem Ackerland erzeugten Biomasse gehen etwa 20 % in die pflanzliche Nahrung", erklärte der Experte und ergänzte: "1 kg vegane Lebensmittel erzeugt mindestens 4 kg nicht essbare Biomasse."

"Ein Geschenk, das wir nutzen müssen"

Diese müsse wieder zurück in den Kreislauf. Dies könne entweder über Biogasanlagen oder über den Tiermagen verwertet werden. "Aus der nicht essbaren Biomasse kann aber auch mindestens 3 kg Milch gewonnen werden. Sprich wir erzielen einen Nettogewinn durch Verfütterung an Nutztiere. Das ist ein Geschenk, das wir nutzen müssen", führte Windisch weiter aus.

Und zum Fußabdruck der verschiedenen Tierarten meinte der Professor, dass dieser immer nur auf der Effizienz beruhe, aber nicht darauf eingehe, wieviel und was ein Tier fresse. Deshalb erzeuge Geflügel aus seiner Sicht auch eine viel höhere Nahrungskonkurrenz als Rinder. Windisch: "Die fressen uns nichts weg. Die Vermeidung von Nahrungskonkurrenz lässt Rinder deshalb zu der einzig wahren Tierart werden.

"Unsere Wiederkäuer machen keine Klimaprobleme!"

Zur Klimawirkung durch Rinder erklärte Windisch, dass wir beim Thema Methan bereits unsere Hausaufgaben erfüllt haben. Die Werte in Deutschland seien rückläufig. Anm. Red.: Das gilt auch für Österreich. Zudem sein Methan nur sehr kurzlebig und habe deshalb ohnehin nur eine geringe bis keine Klimawirkung. Dies veranschaulichte der Fachmann mit folgender Aussage: "Wenn sie jetzt alle Tiere erschießen würden, haben sie keine Wirkung auf das Klima." Wiederkäuer-Methan werde massiv überbewertet. Windisch: "Unsere Wiederkäuer machen keine Klimaprobleme!" Viel dominierender sei hier hierfür das CO2, weil es nicht so leicht abbaubar ist wie Methan.

In einem weiteren Referat zum Thema "Milch: Ein unterschätzter Klimakiller?" untermauerte Stefan Hörtenhuber von der BOKU Wien die Aussagen von Windisch. Bei den Treibhausgasemissionen liege die Landwirtschaft an 4. Stelle. Angeführt werde dies Rangliste von der Industrie, gefolgt von Verkehr und dem Heizen. Pro kg Milch seien die Treibhausgasemissionen seit 2019 um 26 % zurückgegangen, so der Experte. In Österreich seien die Treibhausgasemissionen um 25 % geringer als im EU-Mittel. Die Gründe dafür sieht Hörtenhuber in der mittleren bis hohen Effizienz der österreichischen Tierhaltung und in der Kreislaufwirtschaft.

Diese und die weiteren Referate sollen demnächst auf der Homepage der AMA Marketing abrufbar sein.

top + Ernte 2024: Alle aktuellen Infos und Praxistipps

Wetter, Technik, Getreidemärkte - Das müssen Sie jetzt wissen

Wie zufrieden sind Sie mit topagrar.com?

Was können wir noch verbessern?

Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Vielen Dank für Ihr Feedback!

Wir arbeiten stetig daran, Ihre Erfahrung mit topagrar.com zu verbessern. Dazu ist Ihre Meinung für uns unverzichtbar.