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topplus Außerfamiliäre Hofübergabe

Wenn die Kinder den Bauernhof nicht übernehmen wollen

Die Voraussetzungen für die heimische Landwirtschaft werden schwieriger. Nicht verwunderlich also, dass so mancher potenzieller Nachfolger den Hof nicht übernimmt.

Lesezeit: 5 Minuten

Unser Autor:Florian Jungreithmeier

Die österreichische Landwirtschaft hat sich in den letzten 40 Jahren sehr stark verändert. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe hat aufgegeben. Zwar hat sich der Rückgang in den letzten Jahren etwas verlangsamt, aber noch immer hören im Schnitt täglich fünf Betriebe auf zu wirtschaften.

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Die Höfe verbleiben häufig als Wohnort und sind auf dem Immobilienmarkt heiß begehrt. Die einstige Hofstruktur wird durch Verkauf oder Verpachtung an andere Landwirte oder Investoren aufgelöst und somit sinkt die Zahl der wirtschaftenden Betriebe stetig.

Ganz andere Möglichkeiten

Frühere Hofnachfolger-Generationen hatten oft keine andere Wahl, als den familiären Betrieb zu übernehmen. Viele von ihnen waren überwiegend im Haupterwerb tätig, hatten eine starke Identifikation mit dem Betrieb und eine große Achtung vor den traditionellen bäuerlichen Werten.

Die jüngere Generation durchlebt einen starken Wandel an vorherrschenden Werten, Denkmustern und Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Entfaltung. Die Verbundenheit zum Betrieb und die Weiterführung der Erbschaft sowie der bäuerlichen Tradition haben in vielen Fällen einen ge­ringeren Stellenwert als bei früheren Generationen.

Bessere Ausbildungs­mög­lich­keiten und Berufschancen außerhalb der Landwirtschaft bewegen viele potenzielle Nachfolger dazu, den heimischen Betrieb nicht weiterzuführen oder sogar aus der ländlichen Region abzuwandern. Hinzu kommen in der Landwirtschaft ein vergleichsweise hoher wirtschaftlicher Druck, geringe Verdienstmöglichkeiten und eine starke Arbeitsbelastung.

Die Bauern haben es schwerer

Die kleinstrukturierte österreichische Landwirtschaft ist auf den liberalisierten Agrarmärkten ohne Subventionen kaum konkurrenzfähig. Eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene ist unter diesen Bedingungen notwendig. Wenn dies nicht durch eine innovative Ausrichtung oder Spezialisierung des Betriebes möglich ist, muss es durch Qualitäts- und Nischenprodukte oder Direktvermarktung erfolgen. Für die meisten Betriebe mit „klassischen“ Betriebszweigen bedeutet das eine oft kostspielige Betriebsvergrößerung und Optimierung der Betriebsprozesse, um überleben zu können.

Während der Selbstversorgungsgrad bei Getreide, Eiern, Kartoffeln und Butter hoch ist, wird ein großer Teil an Gemüse, Obst und vor allem Fisch importiert. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie fragil das globale Versorgungsnetz sein kann. Der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehende Inflation haben die Diskussion um die Versorgungssicherheit wieder in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Österreich braucht regionale Lebensmittelversorgung und somit auch Hofnachfolger.

Außerfamiliär Übergeben

Tatsächlich gibt es in Österreich genug Menschen, die Flächen bewirtschaften und eine Landwirtschaft fortführen möchten. Und das, weil sie trotz der schwierigen Verhältnisse in diesem Berufszweig ihre Leidenschaft und Zukunft sehen – oft mit innovativen und nachhaltigen Konzepten. Es gibt ein breites Spektrum an hofsuchenden Personen unterschiedlichen Alters, Familienverhältnissen, Ausbildungen, Wünschen und Vorstellungen.

Es sind weichende Erben, die den heimischen Betrieb nicht übernehmen konnten, weil ein Geschwisterteil den Vorzug hatte. Oder sogenannte „Quer- und Neueinsteiger“, oft gut ausgebildet, mit einem landwirtschaftlichen Facharbeiter per Abendschule oder Studium, mit genügend Praxis und anderen Kenntnissen, die für die Führung einer Landwirtschaft sehr wertvoll sein können.

In den Startlöchern

In kaum einer anderen Branche stechen Quereinsteiger so hervor, denn das Berufsfeld Landwirtschaft ist stark von der Wiege abhängig. Eingefleischte Bäuerinnen und Bauern haben nicht selten Vorurteile gegenüber denjenigen, die nicht von Kindesbeinen an den „Stallduft“ gewohnt sind. Es wird ihnen nicht zugetraut, dass sie einen Betrieb erfolgreich weiterführen können.

Dabei könnten die Neulandwirte viel Innovationskraft und frischen Wind in die oft eingesessenen Landwirtschaftsstrukturen bringen. Denn die beste Voraussetzung, um einen Beruf gut ausüben zu können, sind neben ausreichendem Wissen und Praxiserfahrung vor allem Begeisterung und Motivation dafür. Doch wie kommen Hofsuchende zu einem Hof? Am Immobilienmarkt erwerben? Für die meisten kaum leistbar. Eine Landwirtschaft auf der grünen Wiese gründen? Für gewisse Betriebszweige sicherlich eine Möglichkeit, aber ansonsten kaum realisierbar. Die außerfamiliäre Hofnachfolge bietet hier eine Chance, um in der Landwirtschaft Fuß fassen zu können.

Hürden bei der Übernahme

Hilfe und Unterstützung bietet der Verein „Perspektive Landwirtschaft“, der sich seit 2013 gemeinsam mit vielen aktiven Mitgliedern für eine vielfältige und kleinstrukturierte Landwirtschaft einsetzt. Ein großes Thema ist die ­außerfamiliäre Hofnachfolge. Denn selbstverständlich ist es für Hofübergebende kein leichtes Unterfangen, das eigene Lebenswerk in fremde Hände zu übergeben und loszulassen.

Der Vorteil bei der außerfamiliären Hofnachfolge besteht aber darin, sich die Nachfolge aussuchen zu können und vieles ohne „familiäre Altlasten“ ausmachen und sich besser abgrenzen zu können. Hierfür ist eine ausreichende Kennenlernphase und eine gute Kommunikation unumgänglich. Der Übergabeprozess sollte ohne Druck und mit genügend Zeit für die einzelnen Phasen angegangen werden. Eine „Probezeit“ von mindestens einem Jahr ist dafür Voraussetzung!

Die zwischenmenschlichen Aspekte ähneln letztendlich jenen der innerfamiliären Hofnachfolge. Und in den meisten Fällen scheitern außerfamiliäre Übergaben auch an diesen – nicht selten, weil die Übergebenden nicht loslassen können und sich die Übernehmenden eingeschränkt fühlen. Eine gemeinsame Beratung kann früh genug aufzeigen, ob sich die richtigen Personen gefunden haben, sowie den Übergabeprozess wesentlich beschleunigen und erleichtern.

Rechtliche und finanzielle Faktoren können bereits im Vorfeld bzw. in der Anfangsphase gut durchdacht und eingeplant werden. Hierbei gibt es wesentliche Unterschiede zur innerfamiliären Hofnachfolge und es ist wichtig, sich bei Fachexperten Rat zu holen.

Kommen Übergebende und Übernehmende gut miteinander aus und haben alle Rahmenbedingungen geklärt, so steht der offiziellen Übergabe nichts mehr im Wege.

Perspektive Landwirtschaft

Alle Interessierten können bei „­Perspektive Landwirtschaft“ eine Mitgliedschaft in Anspruch nehmen, über die Hofbörse miteinander in Kontakt treten sowie vom großen Netzwerk, vergünstigten Veranstaltungen sowie Abos landwirtschaft­licher Zeitschriften profitieren. Die Mitgliedschaft beträgt regulär 60 € und gilt für ein volles Jahr.

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