DLG-Wintertagung

Bentkämper: Mehr Frauen in landwirtschaftliche Gremien

dlv-Präsidentin Petra Bentkämper ist klar für eine Frauenquote in landwirtschaftlichen Gremien. Die Erfahrung habe gelehrt, dass es keine Gleichberechtigung gibt und Männer das Problem ausblenden

Betrachtet man den Deutschen Bauernverband oder andere landwirtschaftliche Verbände, dann fällt auf, dass wenige, bis gar keine Frauen in Gremien vertreten sind. Anlässlich der DLG-Wintertagung in Münster wiederholte Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, die Forderung nach einem höheren Frauenanteil in den Gremien der Bauernverbände. "Als Interessenvertretung sind sie für alle zuständig. Also sollte es auch naheliegend sein, Frauen dort in die Entscheidungs- und Führungsebenen zu bringen", ist Bentkämper überzeugt.

"Frauen tun Gremien gut, weil es häufig einfach die Sicht der Frauen braucht und dies gilt grundsätzlich für alle Themen. Durch ihre unterschiedlichen Perspektiven und Herangehensweisen als Männer kommen in der gemeinsamen Arbeit oft bessere oder kreativere Prozesse in Gang und sind auch ausgewogenere Ergebnisse möglich. Deshalb müssen wir weiterhin ganz intensiv darum kämpfen, dass Frauen in Entscheidungsgremien ein Platz eingeräumt wird", so die Präsidentin in einem Gastbeitrag für die DLG.

Ihr werde wiederholt gesagt, dass Frauen auf jeden Fall kommen könnten und herzlich willkommen seien. Das sei aber manchmal etwas halbherzig. Bentkämper wünscht sich vielmehr eine echte Willkommenskultur. Diese müsse sich auch darin äußern, dass man auf Frauen zugeht. Das betrifft unter anderem die Gestaltung von Gremiensitzungen, die neu strukturiert werden müssten. "Die Rahmenbedingungen müssen einfach passen, wenn wir über Zeitpunkt, Dauer und Ablauf von Sitzungen reden", so die Landfrauen-Vertreterin.

"Es muss Frauen grundsätzlich möglich sein, an Organisationsveranstaltungen oder Sitzungen teilzunehmen. Damit dies vereinbar ist, müssen sie Familie und Betrieb unter einen Hut bringen können. Des Weiteren muss etwa nach der Elternzeit ein Wiedereinstieg in Gremien möglich sein. Frauen sind nun einmal in der Regel stärker mit der Erziehung der Kinder und oft auch mit der Pflege von Familienangehörigen befasst. Darauf muss Rücksicht genommen werden und dieses Signal muss Frauen ganz klar gegeben werden", forderte Bentkämper.

Es braucht eine Frauenquote

Die Westfälin spricht sich daher klar für eine Frauenquote in landwirtschaftlichen Gremien aus. Die letzten Jahre hätten gezeigt, dass man sich grundsätzlich schwer mit einem höheren Frauenanteil tut, wenn es keine Quote gibt. "An manchen Stellen sind Quoten einfach nötig, wie hoch diese auch sein mögen. Und dass es keine paritätische Besetzung geben wird, ist auch klar. Das muss Schritt für Schritt angegangen werden."

Frauen tun laut Bentkämper viel für die Landwirtschaft und deren Fortbestand. Angefangen habe dies in den Sechzigerjahren mit Urlaub auf dem Bauernhof. Da war es schon immer so, dass die Frauen engen Kontakt zu den Gästen des Hofes hatten. Das ging dann weiter über Hofcafés und mittlerweile bringen sich Frauen in vielen Bereichen ganz intensiv in den Erzeuger- und Verbraucherdialog ein und können wirklich gute Ergebnisse in Sachen Vertrauensbildung vorweisen. Diese Möglichkeiten gilt es als Chance für unsere Landwirtschaft zu erkennen und zu nutzen, betonte die Präsidentin.

Nur nicht locker lassen

Der Deutsche LandFrauenverband will nun mit den männerdominierten Verbänden ins Gespräch kommen und nicht locker lassen. "Wenn man mir sagt, dass wir ein reiner Frauenverband sind, bei dem Männer auch nichts zu melden haben, muss ich schon ein wenig schmunzeln. Sollte irgendwann eine Gleichstellung von Mann und Frau erreicht werden, dann können wir den LandFrauenverband gerne öffnen. Solange dies nicht erreicht ist, wird es weiter reine Frauenverbände geben, um an den richtigen Schrauben zu drehen. Durch viele Erlebnisse bin ich manchmal etwas erschrocken, dass dies von manchen Männern nicht wahrgenommen und uns unterstellt wird, Gleichberechtigung sei doch schon längst erreicht. Das liegt wohl daran, dass wir Frauen heutzutage zu wenig auf die Straße gehen und demonstrieren, wie es in den Siebzigerjahren noch der Fall war", stellte Bentkämper in ihrem Beitrag zur DLG-Wintertagung klar.

Heute habe sich zwar einiges getan, trotzdem passe es einfach noch nicht. Das Signal der Verbände geht ihrer Ansicht nach zwar klar in die Richtung, sich für Frauen zu öffnen. Sie sei sich aber nicht ganz sicher, wie ernst es gemeint ist. Die Bereitschaft unter Frauen sei jedenfalls da, die Gremienarbeit aufzunehmen. Und genügend Frauen dafür gebe es auch. Man müsse nur noch auf sie zugehen.

"Wenn eine Frau gefragt wird, ob sie sich vorstellen könne, eine bestimmte Position in einem Gremium zu besetzen, dann fragt sie: Wie viel Zeit kostet es? Wann und wie oft findet es statt? Was ist erforderlich und was wird erwartet? Frauen fragen sehr genau nach. Männer ticken hier ein bisschen anders. Viele nehmen einen Posten ohne zu zögern an und stellen sich erst dann die Frage, wo es lang geht und was sie tun müssen. Das ist jetzt zugegebenermaßen etwas überspritzt formuliert", sagte sie weiter.

Verbände, die den Anspruch haben, die Interessen aller ihrer Mitglieder zu vertreten, müssten sich aktiv auf den Weg machen, diese Vielfalt auch in ihren Vorständen abzubilden.

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