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Kommentar

Der Corona-Weckruf

Das Coronavirus hat die exportorientierte deutsche Wirtschaft ins Mark getroffen. Auch Landwirtschaft ist in internationale Lieferketten verwoben.

Lesezeit: 3 Minuten

Ein Kommentar von Patrick Liste, stellv. Chefredakteur des Wochenblattes für Landwirtschaft und Landleben:

Hunderte Menschen in Quarantäne, leer gefegte Supermärkte, abgesagte Großveranstaltungen und Abstürze an den Börsen: Binnen kürzester Zeit hat das Coronavirus auch Deutschland in den Ausnahmezustand versetzt.

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Möglicherweise ist bei den Krisenmaßnahmen eine Portion Hysterie dabei. Dass aber Wirtschaftsverbände nach staatlichen Hilfen rufen, zeigt: Das Virus hat die exportorientierte deutsche Wirtschaft ins Mark getroffen. Und das sind in diesem Fall die internationalen Lieferketten.

Arbeitsteilung weltweit

Die Weltwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten die globale Arbeitsteilung forciert: Wer am günstigsten bzw. effektivsten produziert, bekommt den Auftrag. Oft sind es asiatische Länder. Dadurch sind komplexe Logistikketten entstanden. Die Reise- und Transportbeschränkungen des Coronavirus bringen diese Logistik ins Stocken. Bei Bauteilen für Autos mag das ärgerlich, aber verkraftbar sein. Bei Medikamenten kann es dramatische Folgen haben.

Die Landwirtschaft ist auch in internationale Lieferketten verwoben, wenn auch geringer. Saisonprodukte wie Erdbeeren sind fast das ganze Jahr in deutschen Supermärkten erhältlich. Andersherum profitieren auch deutsche Landwirte vom Export. So würden ohne die Ausfuhren nach China die Schweinepreise in Deutschland wohl kaum bei derzeit mehr als 2 €/kg liegen. Die Kehrseite: Sollte die Afrikanische Schweinepest in Deutschland ausbrechen und China den Import stoppen, dürfte der Preis direkt sinken. Denn rechnerisch hat Deutschland bei Schweinefleisch eine Überversorgung von knapp 20 %. Bei anderen Produktgruppen wie Obst und Gemüse beträgt die Unterversorgung dagegen bis zu 80 %. Unterm Strich ist Deutschland sogar auf die Einfuhr von Nahrungsmitteln angewiesen: Nur 88 % der benötigten Agrarerzeugnisse produzieren die Landwirte selbst. 1990 lag der Selbstversorgungsgrad noch bei 98 %.

Agrarstandort stärken?

Bei den Protesten in den vergangenen Monaten standen auch die Importe von landwirtschaftlichen Produkten sowie Nahrungsmitteln in der Kritik. Zum einen, weil die Klimabilanzen hier so gut wie keine Rolle zu spielen scheinen (Erdbeeren aus Neuseeland). Zum anderen, weil die Tierwohl- und Umweltstandards oft deutlich unter dem deutschen Niveau liegen (Rindfleisch aus Südamerika). Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen, sinkenden Selbstversorgungsgraden sowie einer steigenden Importabhängigkeit.

Die Folgen des Coronavirus machen die Grundsatzfrage dieser Debatte um eine Facette reicher: Ist in Extremsituationen überhaupt gewährleistet, dass Deutschland ausreichend Nahrungsmittel einführen kann? Oder wäre es nicht klüger, den deutschen Agrarstandort zur Ernährungssicherung der Bevölkerung zu stärken? Vielleicht kommt dieser „Corona-Weckruf“ passend in der Diskussion um die künftige Landwirtschaft in Deutschland. Politik und Gesellschaft müssen sich entscheiden.

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