Ungenutztes Potenzial

Ökolandbau in Russland mit hohem Wachstumspotential

10 bis 12 Mio. ha land liegen in Russland brach, die für Ökoanbau geeignet wären.

Im Unterschied zur Europäischen Union fristet die ökologische Landwirtschaft in Russland nur ein Nischendasein. Der Produktionswert der russischen Biolebensmittel belief sich 2018 auf 190 Mio $ (175 Mio Euro) und kann laut dem Verband für Ökolandbau in diesem Jahr auf 250 Mio $ (230 Mio Euro) steigen.

Verschiedenen Schätzungen zufolge beträgt die Fläche ungenutzter, aber für den ökologischen Landbau geeigneter Ackerflächen in Russland 10 Mio ha bis 12 Mio ha. Deshalb sehen Experten ein hohes Wachstumspotential. Gegenwärtig nimmt der Ökolandbau nur rund 0,3 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche Russlands ein. Dabei gibt es weniger als 100 Produzenten von Bioerzeugnissen. Bislang werden es auch kaum mehr.

Der Grund dafür ist laut Experten, dass der Prozess der Umstellung der traditionellen Landwirtschaft auf den ökologischen Landbau sehr langwierig ist. Für die Landumwandlung seien zwei Jahre erforderlich. Danach folge ein Jahr, in dem die Versuchsernte angebaut werde. Erst im vierten Jahr nach der Umstellung könne die Ernte als Bioware zum Verkauf gebracht werden. Nur ein sehr erfolgreicher und finanziell starker Landwirt könne sich ohne staatliche Hilfen für solch einen Schritt entscheiden, so die Fachleute.

Zudem würden Maßnahmen zur Unterstützung der Bioproduzenten bisher nur in bestimmten Regionen ergriffen, und diese fielen vergleichsweise niedrig aus. So betrage die Förderung in der Region Tomsk pro Hektar 1 000 Rbl (12,50 Euro). Die Zentralregierung strebt indes auch mit Blick auf den Export einen Ausbau der Bioproduktion an. Dazu beitragen soll das Anfang dieses Jahres in Kraft getretene Gesetz zur Herstellung von Bioprodukten, das darauf abzielt, bessere Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Ökoerzeugung zu schaffen.

Die Ausfuhreinnahmen für Biolebensmittel beliefen sich 2018 auf 150 Mio $ (138 Mio Euro). Laut der Prognose des Verbandes für Ökolandbau wird bis 2030 eine Steigerung des Exports von Ökowaren auf 15 Mrd $ (13,8 Mrd Euro) für möglich gehalten. Russland gehört auch bereits zu den Lieferanten von Bioprodukten in die Europäische Union. Die EU-Einfuhren aus diesem Land machten aber lediglich 1 % der gesamten Importe ökologischer Agrarprodukte und Lebensmittel aus Drittstaaten aus.


Diskussionen zum Artikel

von Stefan Lehr

Standort und Gesellschaft

Russland hat andere Standortbedingungen und eine andere Mentalitaet in der Gesellschaft. diese Faktoren muessen mit beruecksichtigt werden. Brachflaechen in russland lassen sich nicht ganz so einfach rekultivieren, dass sie "biotauglich" sind (Teilweise Versteppung, pH-Werte unter 5, ... mehr anzeigen

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