Finanzierung

Alternative Proteine: Investitionen in deutsche Unternehmen steigen

Mit 121,5 Mio. € war 2021 ein Rekordjahr für deutsche Unternehmen aus dem Sektor der alternativen Proteine. Weltweit wurden 4,8 Mrd. € investiert.

Eine Auswertung des Good Food Institute (GFI) zeigt für das Jahr 2021 einen starken Anstieg der Investitionen in Unternehmen, die Produkte aus alternativen Proteinquellen entwickeln. Deutsche Unternehmen, die pflanzenbasierte Lebensmittel herstellen, Fleisch oder Fisch aus Zellen kultivieren oder Mikroorganismen zur Produktion von Fleisch, Eiern und Milchprodukten verwenden, haben im vergangenen Jahr Investitionen in Höhe von 121,5 Mio. € angezogen. 2020 waren es noch 35,3 Mio. €, die hierzulande in alternative Proteine investiert wurden.

Pflanzenbasierte Lebensmittel im Kommen

Mit 44 % des Weltmarktes ist Europa der größte Markt für pflanzenbasiertes Fleisch. Innerhalb Europas stellt Deutschland den umsatzstärksten Markt dar: Nach Angaben des Smart Protein Projects hat sich der jährliche Umsatz im Bereich von pflanzenbasierten Lebensmitteln in Deutschland allein zwischen 2018 und 2020 fast verdoppelt - auf 817 Mio. €.

Im Bereich von pflanzenbasierten Fleisch-, Eier-, Milch- und Fischprodukten haben die deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr Investitionen in Höhe von rund 69 Mio. € angezogen. Dabei sticht der Börsengang des Berliner Unternehmens Veganzheraus, mit dem das Unternehmen fast 50 Mio. € für die weitere Geschäftsentwicklung einsammeln konnte. Der Börsengang von Veganz zeigt, dass der pflanzliche Sektor allmählich reift und Investitionen anzieht, die über die reine Finanzierung mit Venture-Kapital hinausgehen, welche eher für Start-ups geeignet ist.

Fleisch aus Zellkultur

Die Investitionen in Unternehmen für Fleisch und Fisch aus Zellkultivierung und für Fleisch- und Milchprodukte aus Fermentation sind in Deutschland stark angestiegen. Unternehmen, die an der Kultivierung von Fleisch und Fisch arbeiten, konnten Investitionen in Höhe von rund 8 Mio. € einsammeln. Im Bereich Fermentierung hat das Berliner Unternehmen Formo– ein Hersteller von tierfreien Käseprodukten – die bislang größte Series A-Finanzierungsrunde im Bereich Lebensmitteltechnik in Europa verzeichnen können.

Fermentation

Die Zahl der Unternehmen, die im Bereich alternative Proteinquellen tätig sind wächst. Dazu zählen pflanzenbasierte, kultivierte und aus Fermentierung stammende Fleisch-, Fisch-, Eier- und Milchprodukte. (Bildquelle: Landwirtschaftsverlag GmbH)

Diese Zahlen sind Teil der vom Good Food Institute veröffentlichten Daten für die weltweite Investitionstätigkeit im Bereich alternative Proteine. Sie zeigen, dass 2021 auch im globalen Maßstab ein Rekordjahr für Investitionen war. Unternehmen im Bereich alternative Proteine erhielten weltweit rund 4,8 Mrd. € an investiertem Kapital, wobei hierbei Transaktionen am Kapitalmarkt wie Börsengänge, Übernahmen und Fusionen nicht eingerechnet sind. Das sind 60 % mehr als 2020. Seit 2010 haben Alternative-Proteine-Unternehmen insgesamt 9,9 Mrd. € an Investitionen erhalten – davon entfielen 73 % auf die vergangenen zwei Jahre, was die starke Dynamik in diesem Bereich zeigt.

Der Europäische Markt

In Europa war die Investitionstätigkeit vor allem durch Ereignisse am Kapitalmarkt geprägt, wie etwa durch die Übernahme des niederländischen Unternehmens Vivera durch das brasilianische Fleischunternehmen JBSfür mehrere Hundert Mio. € sowie durch den Börsengang von Oatly, mit dem das schwedische Unternehmen für pflanzenbasierte Milchprodukte 1,3 Mrd. € erzielt hat. Insgesamt betrug die Investitionstätigkeit im europäischen Alternative-Proteine-Sektor im vergangenen Jahr 2 Mrd. €. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland hinter Schweden und Großbritannien gemeinsam mit den Niederlanden an dritter Stelle.

Die Investoren erkennen zunehmend das Potenzial von kultiviertem Fleisch und von alternativen Proteinen aus der Fermentation." - Ivo Rzegotta, GFI

Ivo Rzegotta, Public Affairs Manager für Deutschland bei GFI Europe, zu der Entwicklung der Investitionen: „Die Investoren erkennen zunehmend das Potenzial von kultiviertem Fleisch und von alternativen Proteinen aus der Fermentation. Doch obwohl das investierte Kapital in die deutschen Unternehmen stark steigt, ist das weiter nur ein winziger Bruchteil von dem, was in anderen Teilen der Welt in diese Zukunftstechnologien investiert wird.”

Zur Methode:

Für die Ermittlung der Investitionstätigkeit erstellte das Good Food Institute auf Basis seiner Unternehmensdatenbank eine Liste von Unternehmen, die an alternativen Proteinquellen arbeiten und von PitchBook Data Inc. erfasst werden. PitchBook ist ein SaaS-Unternehmen, das Daten, Forschung und Technologie für private Kapitalmärkte bereitstellt.

Solche Unternehmen, die sich zwar auch mit alternativen Proteinen beschäftigen, dies aber nicht in ihrem Kerngeschäft tun, wurden nicht berücksichtigt. Auch Unternehmen, die sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden und noch kein Profil auf PitchBook haben, konnten nicht in die Analyse einbezogen werden.

Insgesamt ergab sich so eine Liste von weltweit mehr als 740 Unternehmen. Für diese Unternehmen wurde anhand der PitchBook-Datenbank das investierte Kapital ermittelt. Einbezogen wurden dabei: Accelerator- und Incubator-Finanzierung, Angel-Finanzierung, Seed-Finanzierung, Equity- und Produkt-Crowdfunding, Early-Stage-Venture-Kapital, Late-Stage-Venture-Kapital, Private-Equity-Wachstum, Kapitalisierung, Corporate Venture, Joint Venture und Wandelschuldverschreibungen. Der Begriff Kapitalmarktereignisse bezieht sich auf Fusionen, Übernahmen, Börsengänge, nachfolgende Aktienangebote und private Investitionen in öffentliches Beteiligungskapital.


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