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Pasta la Vista: Eierveredlung in Niedersachsen

Spaghetti, Spiralen, dazu verschiedene Sorten Eierlikör. Auf dem Hof Poppe veredeln sie nicht nur die hofeigenen Eier zu Nudeln und Eierlikör, sondern bieten auch Lohnfertigung für Kollegen an.

Lesezeit: 5 Minuten

In einem steten Strahl fließen Eigelb und Eiweiß in die Edelstahleimer, während Mitarbeiterin Stefanie Ripke Eier auf das Zuführband zur Aufschlagtrommel legt. „Gerade werden Eier für die Nudelproduktion aufgeschlagen und da kommt Vollei zum Einsatz“, erklärt Carsten Poppe. Der 54-jährige Landwirt bewirtschaftet mit seiner Familie im Heidekreis in Niedersachsen einen Legehennenbetrieb mit 26 000 Hennen und hat sich mit der Verarbeitung der Eier zu Nudeln und Eierlikör ein zweites Standbein geschaffen. Rund 15 000 Eier werden pro Woche aufgeschlagen, in guten Wochen sind es 25 000 Stück. Rund ein Drittel stammt von den eigenen Hühnern, der überwiegende Teil von anderen Erzeugern und wird im Lohn verarbeitet. Dafür hat Hof Poppe die entsprechende EU-Zulassung, ebenso wie die Bio-Zulassung.

Aber zurück zu den Eiern: Diese verquirlt Mitarbeiterin Astrid Helmke direkt nach dem Aufschlagen und bringt sie nach nebenan zur Nudelmaschine.Denise Lange rührt den Teig an und gibt Hartweizen oder Dinkelgrieß zur Eimasse. Schon bald spuckt die Maschine Spiralnudeln in die weißen Horden. Sie werden gleichmäßig in den Kisten verteilt und anschließend zu den Trockenschränken gefahren, bevor sie in Beutel verpackt werden. Kurze Nudeln wie Spiralen oder Rigatoni produzieren sie auf Hof Poppe in der großen Anlage von Sela. Es sind je nach Bedarf zwei Maschinen im Einsatz, die jeweils bis zu 100 kg Nudeln in der Stunde schaffen. Nach langem Tüfteln können damit auch Spaghetti produziert werden. Sie wurden bisher in einer kleinen fahrbaren Nudelmaschine hergestellt. „Die große war zu fix und wir konnten die Nudeln nicht schnell genug abnehmen“, erklärt Carsten Poppe. Wenn die langen Nudeln in die Horden fallen, zerbrechen sie. Nun gelangen die Spaghetti zunächst auf eine Stellage und drei Mitarbeiter packen sie bruchfrei in die Horden.

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Likörchen?

Ob mit Korn, Gin oder Kirschwasser – Herr des Eierlikörs auf Hof Poppe ist Markus Waldmann. Er setzt die Liköre in 60-l-Chargen an. Nach dem Homogenisieren wird der Likör im Kessel erwärmt und bei 60 °C zwei Stunden gerührt. Die Technik stammt vom Brennerwirt aus dem Allgäu, von dem Carsten Poppe die Spirituosen für seine Liköre bezieht. Für eine genaue Befüllung der Flaschen ist die Abfüllanlage mit einer Wiegeplatte ausgestattet. Verschlossen werden die Flaschen mit einem Drehverschluss in Korkoptik und als Öffnungssicherung dient eine Schrumpfkapsel. „Diese Art des Verschließens geht schneller als ein klassischer Korken“, sagt Markus Waldmann. Eierlikör vom Hof Poppe enthält je nach Sorte 17 bis 20 Vol.% Alkohol.

Gefragte Lohnverarbeitung

Seit der Landwirt 2006 in die Eierverarbeitung eingestiegen ist – zunächst in einer kleinen Gewerbeküche –, hat er ständig in diesen Betriebszweig investiert. 2013 erfolgte ein erster Wachstumsschritt in größere Räumlichkeiten, aber „in der Verarbeitung steckten immer noch zu viele Stunden und es hat sich kaum gerechnet“, bilanziert er nüchtern. Vor fünf Jahren baute er dann die alte Scheune aus dem 18. Jahrhundert für die Verarbeitung aus. Hinter den Fachwerkmauern des Niedersachsenhauses verbergen sich nun moderne Produktionsräume für Nudeln und Eierlikör. 2020 kam noch das Lager hinzu. „Die Verarbeitung ist ein permanentes Invest“, sagt der Unternehmer und macht kein Geheimnis daraus, bei der Bank immer sechsstellige Kredite laufen zu haben. Mit dem Ausbau der Verarbeitungskapazitäten ist Carsten Poppe in die Lohnverarbeitung eingestiegen. Die Dienstleistung ist gefragt. „Wir haben Lohnkunden von Flensburg bis runter ins Ruhrgebiet“, sagt der Landwirt. Verarbeitet werden auch Wachtel- oder Straußeneier, auf Wunsch auch der eigene Grieß. Viele Hühnerhalter liefern die Eier persönlich an.

Die fertigen Produkte gehen meist per Spedition zurück auf die Höfe. Die Mindestmenge für die Lohnverarbeitung sind 600 Eier. Das ergibt etwa 150 Tüten à 500 g Nudeln. Carsten Poppe berechnet 1,95 € netto pro Tüte und garantiert, dass jeder Nudeln aus den eigenen Eiern bekommt. Ausgeliefert wird der blanke Beutel, sodass die Betriebe ihre eigenen Etiketten aufbringen können.

Das Gleiche gilt auch für Likör, den Hof Poppe ebenfalls im Lohn herstellt. Hier liegen die Verarbeitungskosten bei rund 4 € netto für die 200-ml- und bei 7 € netto für die 500-ml-Flasche. Zur Einordnung: Den Likör aus den eigenen Eiern bietet Carsten Poppe für 7 bzw. 13 € brutto an, die Nudeln liegen zwischen 3,40 und 3,60 € pro 500-g-Beutel.

Effizienz und Menge

„Hinter der Verarbeitung muss Menge stehen, sonst lohnt sie sich nicht“, davon ist Carsten Poppe überzeugt und so hat er seinen Betrieb aufgestellt. Wo es möglich ist, setzt er auf den Einsatz von Maschinen, aber die Nudel- und Eierlikörproduktion auf Hof Poppe bleibt natürlich trotzdem handwerkliche Herstellung. Vieles ist nach wie vor Handarbeit, etwa Wiegen und Verpacken oder Abfüllen und Verschließen. Derzeit spürt auch Carsten Poppe die aktuelle Lage: steigende Preise für Futter und Betriebsmittel, Lieferengpässe bei Rohstoffen und Verpackungen. Doch der Landwirt pflegt langjährige Lieferbeziehungen und wurde von seinen Partnern deshalb auch in knappen Zeiten kontinuierlich versorgt. Seine Preise musste der Landwirt ebenfalls erhöhen und die Inflation bei Lebensmitteln wird bleiben. Er ist trotzdem zuversichtlich für die Zukunft: „Ich hoffe auf eine bessere Verbraucherstimmung ab dem Frühjahr.“

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 02/23 der HOFDirekt, der Fachzeitschrift für Direktvermarkter, und ist Teil des Schwerpunktthemas "Eier verarbeiten". Weitere Informationen zu diesem Thema, Reportagen und Fotos finden Sie unter www.hofdirekt.de

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