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Junglandwirt experimentiert mit Kichererbsen

Im Anbau von Kichererbsen sieht Jan-Philipp Hein eine Chance – auch wenn es kein Selbstläufer ist. Er plant, einen Teil der Ware selbst zu vermarkten. Nun sucht er nach Partnern.

Lesezeit: 4 Minuten

Was fehlt Hofnachfolgern, Quereinsteigern oder innovativen Betriebsleitern? In unserer Reihe „Wunschkonzert“ wollen wir Menschen vorstellen, die ein eigenes landwirtschaftliches Start-up oder einen innovativen Betriebszweig gründen wollen. Sie erzählen uns dafür von ihren Ideen und Wünschen, die sie für die konkrete Umsetzung haben.

Jan-Philipp Hein, 22 Jahre, Landwirt und Agrarstudent aus Baden-Württemberg:

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„Mein Vater und ich bewirtschaften einen konventionellen Betrieb mit 1.500 Mastschweinen und 220 ha im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Seitdem wir aus der Sauenhaltung ausgestiegen sind, habe ich links und rechts geschaut und überlegt, in welche Richtung wir uns betrieblich weiterentwickeln können.Wir wirtschaften auf einem relativ trockenen Standort mit stark schwankenden Erträgen. Allein vom Ackerbau könnten wir nicht leben – wir sind eher eine Veredlungsregion. Zusätzlich zum Futtergetreide bauen wir Silomais, Raps, Braugerste sowie Dinkel für eine regionale Mühle an.

Der Anbau: kein Selbstläufer

Im Gespräch mit einem anderen Landwirt habe ich herausgefunden, dass Kichererbsen gerade aufgrund der Trockenheit unserer flachgründigen Böden gut als neue Kultur in unser Portfolio passen würde. Die Kichererbse ist Eiweißlieferant, passt als Leguminose gut in unsere Fruchtfolge und ist ein beliebtes ‚Superfood‘. Wir sind im vergangenen Jahr ohne Erfahrungen auf 5 ha mit dem Anbau gestartet. Unsere lokale Genossenschaft suchte nach Partnerlandwirten, die die Kultur regional für sie anbauen. Ihr Ziel war es, die Ware in Regionalmärkten zu verkaufen. Somit war die Abnahme für uns im Voraus geregelt.

Wir kalkulierten mit einem Ertrag von ca. 1,5 t pro ha. Wegen der starken Niederschläge im Sommer 2021 gestaltete sich die Ernte aber ausgesprochen schwierig. Durch die Feuchtigkeit war die Kultur ziemlich verpilzt, sodass wir Probleme bei der Abreife hatten und leider nur 3,5 t von den 5 ha ernteten. Das Dreschen war durch die hohe Feuchtigkeit und die ungleichmäßige Abreife der Pflanzen nicht unproblematisch. Im Optimalfall braucht die Kichererbse ab Mitte Juli drei bis vier Wochen keinen Niederschlag, um abzureifen.

Nach der Ernte haben wir die Kichererbsen gewaschen, trocknen lassen und an die Genossenschaft geliefert, die uns die Ware für 1€ pro kg abgenommen hat. Durch den niedrigen Ertrag konnten wir unsere Kosten gerade so decken. Der Pflanzenschutz war teuer: Wir brauchten eine Sondergenehmigung. Bisher gab es nur wenig Erfahrungen damit und die meisten Mittel stammten aus dem Gemüse-/ Sonderkulturbau von Speiseerbsen. Zusätzlich haben wir zweimal gehackt, vier Fungizidmaßnahmen und ein Vorauflaufherbizid angewendet.

Trend zur Regionalvermarktung

Ich nehme den Trend rund um die regionale Vermarktung und neue Lebensmittel wahr und merke, dass die Diversifizierung und in Zukunft wichtiger wird. Zukünftig würden wir die Kichererbsen zu einem Teil in verarbeiteter Form selbst vermarkten. Wir versuchen gerade, uns mit einer Falafel-Mischung aus Kichererbsen eine Vermarktung aufzubauen. Um die Kosten gering zu halten, wollen wir auf einen eigenen Hofladen verzichten und unser Produkt in bestehenden Läden anbieten.

Ich wünsche mir, dass die Kichererbse raus aus der Nische kommt und weiter an Bedeutung gewinnt.

Über die Kichererbse kann das Image der Landwirtschaft vielleicht wieder etwas besser werden. Ich stelle in meinem Freundeskreis fest, dass die Schweinehaltung bei vielen Leuten in meinem Alter einen negativen Eindruck erweckt. Viele junge Menschen sind Vegetarier oder Veganer. Wenn man aber die Kichererbse anbaut, die sich zu neuen, veganen Produkten verarbeiten lässt, mit dem sich viele identifizieren können, wäre das ein Pluspunkt. Gemeinsam mit meiner Schwester und meiner Freundin habe ich eine Falafelmischung entwickelt und 100 Probepackungen abgefüllt, die wir über die Marke „Bubenlohe“ in umliegenden Hofläden anbieten wollen.

Ich denke, es ist wichtig, neue Dinge auszuprobieren, ohne das Bewährte sein zu lassen. Nach wie vor bin ich überzeugt von der Schweinehaltung, besonders in einer Veredlungsregion wie bei uns. Wir werden aber dauerhaft wahrscheinlich in eine andere Haltungsstufe gehen. Trotzdem können wir uns mit den Kichererbsen vielleicht ein neues Standbein aufbauen.

Auf der Suche nach Partnern

Dieses Jahr bauen wir die Anbaufläche auf 7 ha aus. Wenn wir davon wie geplant 11 t ernten, würden wir gerne 1 bis 2 t direkt vermarkten – vielleicht auch mehr, aber nur, wenn wir im Voraus eine garantierte Abnahme hätten. Wenn sich jemand finden lässt, der uns die Kichererbsen in festen Mengen abnimmt und weiterverarbeitet, wäre das optimal. Wir sind daher auf der Suche nach Abnehmern und Partnern zur Weiterverarbeitung. Leider haben wir bisher nur Partner gefunden, die Bio-Ware abnehmen. Auch über den Erfahrungsaustausch mit anderen Landwirten freue ich mich! Ich wünsche mir, dass die Kichererbse raus aus der Nische kommt und weiter an Bedeutung gewinnt."

Zur Kontaktaufnahme

Jan-Philipp Hein, per E-Mail: bubenlohe@web.de

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