Zucht

Anpaarung: Mit drei Zahlen zu Mr. Right

Die aAa-Methode zielt darauf ab, den Zusammenhang zwischen Körpermerkmalen zu verstehen und den passenden Bullen für die Anpaarung zu finden. Wie funktioniert das System?

Züchten bedeutet, die nächste Generation zu verbessern. Dafür müssen sich Kuh und Bulle gut ergänzen, um Stärken zu fördern und Schwächen auszugleichen. Es gibt jedoch viele Kriterien, mit denen man den passenden Bullen auswählen kann. Beispielsweise die genomischen Daten, das lineare Profil, das Pedigree oder die Leistungen der Kuhfamilie. Eine weitere Methode für die Anpaarung beschreibt das aAa-System.

Proportionen verstehen

Das Ziel dieser Anpaarungsmethode, umgangssprachlich auch „Tripel-A“ genannt, ist es, eine möglichst ausgeglichene Herde zu züchten und Tiere mit Extremen im Körperbau zu vermeiden. Anders als bei der linearen Beschreibung steht ­dabei nicht das Einzelmerkmal, wie z. B. Milchtyp oder Strichlänge, sondern die Gesamtheit der Körperproportionen im Vordergrund. „Der Körperbau bestimmt, wie eine Kuh funktioniert“, erklärt Maurice Kaul. Der Niederländer arbeitet seit 1997 als aAa-Analyst in Deutschland und den Niederlanden für das Unternehmen aAa-Weeks (siehe unten „Wer steckt hinter aAa?“). „Die einzelnen Körperteile beeinflussen sich gegenseitig“, ergänzt er. Beispielsweise bietet ein schmales Becken wenig Platz für das Euter. Das Hintereuter kann sich dann im Laufe der Laktationen nicht in die Breite entwickeln und hat wenig Halt.

Zudem gibt es Beziehungen zwischen dem Körperbau und der Physiologie eines Tieres wie z. B. dem Blutkreislauf. Kühe mit einem größeren Brustkorb haben laut Kaul beispielsweise viel Platz für Herz und Lunge und dadurch einen leichteren Blutfluss. Das beeinflusse die Milchleistung.

Sechs Grundtypen

Die Tiere benötigen einen dreistelligen Zahlencode, um sie nach dieser Methode anpaaren zu können. Dafür sehen sich Kaul und seine Kollegen von aAa-Weeks jedes Tier gründlich an. Für die Analyse der Kühe bilden sechs Körperbaumuster die Basis. Die Reihenfolge der Zahlen gibt dabei die Schwächen der Kuh in absteigender Wichtigkeit an. Die erste Zahl beschreibt also die größte Schwäche.

Jede Zahl steht für einen Kuhtypen (siehe Übersicht):

1 = Dairy: sehr leistungsbereit, produzieren viel Milch im Verhältnis zu ihrer Größe, gute Melkbarkeit.

2 = Tall: schnelles Wachstum, hohes, elastisches Euter, das sich einfach melken lässt.

3 = Open: offenes Becken bietet viel Platz für das Euter, kalben problemlos, gute Fruchtbarkeit, einfache Bewegung.

4 = Strong: Entwicklungspotenzial im Erwachsenenalter, Gesundheit in Euter, Beinen, Klauen und Lunge, tiefer Brustkorb, hohe Herz- und Lungenkapazität.

5 = Smooth: mehr Breite, einfach zu melken, gute Fresslust und Futteraufnahme, weniger Verletzungen an Zitzen und Beinen durch leichtes Aufstehen.

6 = Style: aufmerksamer Charakter, solide Knochen, ebenes Becken, gute Klauengesundheit.

Beispiel: Eine Kuh bekommt den Code 1-5-6. Die erste Zahl bedeutet, dass sie wenig milchtypische Qualitäten hat. Außerdem fehlen ihr Eigenschaften der Typen fünf und sechs. Um diese Schwächen in der nächsten Generation auszugleichen, ist also ein Bulle nötig, der ebenfalls den Code 1-5-6 trägt und dort die meisten Qualitäten bietet.

Wichtig zu wissen ist, dass sich alle sechs Grundtypen auf einem Niveau befinden....