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BMI: Nach Molkerei-Verkauf an Lactalis noch wettbewerbsfähig?

Die Bayerische Milchindustrie hat ihre Molkerei in Würzburg an Lactalis verkauft und den Großteil der Milch in Bayern verloren. Welche Perspektiven hat die Molkereigenossenschaft?

Lesezeit: 6 Minuten

Die Bayerische Milchindustrie (BMI), früher einmal die wichtigste Genossenschaftsmolkerei in Bayern, hat künftig zwar noch ihre Zentrale und fünf Verarbeitungswerke im Freistaat. Aber Milch erfasst sie ab dem nächsten Jahr dort kaum noch.

Wegen „unterdurchschnittlicher Auszahlungsleistung“ haben der Milchhof Tirschenreuth eG und die Frankenmilch-Verwertung Langenfeld-Uffenheim eG gekündigt und wechseln Anfang 2023 zur Privatmolkerei Bechtel in Schwarzenfeld. Die Liefergruppen der BMI standen selbst unter massivem Druck, weil zuvor bereits viele ihrer Einzellieferanten wegen der niedrigen Milchpreise zu anderen Molkereien abgewandert waren.

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Viele Kündiger

Ähnlich war die Situation bei der Liefergenossenschaft Milchwerke Mainfranken eG in Unterfranken. „Als 2019 der BMI-Preis zwei bis drei Cent unter den Nachbarmolkereien lag, haben viele unserer Mitglieder gekündigt“, bestätigt Vorstandsvorsitzender Reinhold Hoh. „Ab 2020 haben wir bei anderen Molkereien sondiert, weil von der BMI keine befriedigenden Antworten kamen und weil klar wurde, dass die Kündiger es ernst meinen.“

Weil der Preisrückstand zu süddeutschen Vergleichsmolkereien in den letzten fünf Jahren den vereinbarten Wert von 0,6 ct/kg deutlich überschritten hatte, hat die unterfränkische Liefergenossenschaft dann ihr Sonderkündigungsrecht gezogen. Damit bekam die BMI ein echtes Rohstoffproblem. Denn für die Erzeugung der Frischeprodukte in ihren Werken Würzburg und Zapfendorf, für die ca. 180 Mio. kg pro Jahr benötigt werden, reichte die Milch nicht mehr.

Lactalis kauft Frische

Nach der Kündigung wollten die Milchwerke Mainfranken zu Lactalis wechseln. Im Zuge der Verhandlungen brachten sie den französischen Molkereikonzern als Kaufinteressenten für das BMI-Werk in Würzburg ins Gespräch, der dieses und das komplette Frischegeschäft der BMI schließlich kaufte. Das Werk in Würzburg wird zum 1. September 2022 an Lactalis übergehen. Ebenso die Regionalmarken „Franken Land“ und „Thüringer Land“ sowie die ethnische Marke „Haydi“ mit verschiedenen Joghurt- und Ayran-Produkten.

Der Standort Zapfendorf bleibt bei der BMI. Allerdings wird die Genossenschaftsmolkerei dort in ihrer Frischeabteilung im Rahmen eines Copacking-Vertrages für drei Jahre ausschließlich für Lactalis produzieren (siehe Übersicht).

Mit dem Frischegeschäft wechseln auch 180 Mio. kg Milch von der BMI zu Lactalis. Neben der Liefergenossenschaft Mainfranken sind das die Molkereigenossenschaft Rothenburg-Schillingsfürst eG, die Milchversorgung Hof/Saale eG und die Milch­liefergenossenschaft Marktredwitz-Selb eG. Dem Vernehmen nach wollten Hof und Marktredwitz eigentlich bei der BMI bleiben, aber Lactalis habe deren Wechsel zur Bedingung für den Kauf des Milchwerkes Würzburg gemacht.

„600 bis 700 Mio. kg bleiben“

Für die BMI war das offenbar kein Problem, im Gegenteil: „Unsere Zielsetzung war es, Milch, Mitarbeitende, Werke und Markengeschäft werthaltig zusammenzuhalten. Und zum Frischegeschäft gehören ca. 180 Mio. kg Milch ohne Gentechnik, die die Gruppierungen liefern, die zu den Würzburger Milchwerken wechseln werden“, sagt Dr. Thomas Obersojer, Vorstandsvorsitzender der BMI, gegenüber top agrar.

Obersojer geht davon aus, dass die BMI ab nächstem Jahr noch 600 bis 700 Mio. kg Rohmilch erfassen wird. Davon ca. 80 % in Ostdeutschland für den Standort Jessen und 20 % in Süddeutschland.

60 Mio. kg der süddeutschen Milch kommen von der Milchwirtschaft­lichen Beteiligungs AG (MWB) aus Baden-Württemberg. Die Liefergemeinschaft, die rund 200 Mio. kg Milch bündelt und bisher vor allem an FrieslandCampina in Heilbronn geliefert hat, hat sich auch mit Kapital an der BMI eG beteiligt.

Neben der Rohmilch verarbeitet die BMI rund 2,2 Mrd. kg Sekundärrohstoffe in den Werken Zapfendorf, Winzer und Peiting. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Molke.

Laut dem BMI-Vorstandsvorsitzenden Obersojer werden aktuell weder die Trocknungswerke, noch die beiden verbleibenden bayerischen Käsewerke in Windsbach und Ebermannstadt infrage gestellt.

Aktuell wird kein BMI-Standort infrage gestellt" - Dr. Thomas Obersojer

Klar ist aber, dass sich die Käseverarbeitung der BMI immer mehr auf das erweiterte und runderneuerte Werk in Jessen in Sachsen-Anhalt konzentriert.

Wie viele ihrer Werke die BMI weiter betreiben kann, wird auch davon abhängen, ob die BMI mit der Fokussierung auf Käse und Pulver künftig wieder wettbewerbsfähige Milchpreise auszahlen kann und nicht noch weitere Milchmengen verliert. In Ostdeutschland, wo das Milchpreisniveau insgesamt niedriger ist, wird das leichter gelingen als in Süddeutschland.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse die BMI auch ihre hohen Personalkosten senken, monieren bisherige Anteilseigner der BMI. Deren Vorstandsvorsitzender Obersojer bestreitet jedoch, dass die Personalaufwendungen im Vergleich zu anderen Genossenschaftsmolkerei­en zu hoch sind: „Bei der Betrachtung der Personalaufwendungen ist zu berücksichtigen, dass wir neben der verarbeiteten Milchmenge auch die 2,2 Mrd. kg Sekundärrohstoffe verarbeiten.“

Personalaufwand zu hoch?

Allerdings rangierte die BMI im Bilanzvergleich für das Jahr 2020 beim Anteil des Personalaufwands am Umsatz mit 10 % deutlich hinter anderen süddeutschen Genossenschaften wie die Milchwerke Oberfranken West (8,5 %), die Goldsteig Käsereien (8,1 %) oder die Hohenloher Molkerei (5,3 %).

Dass die Verbindlichkeiten der BMI von 2019 bis 2021 um 20 Mio. € zugenommen haben, erklärt Obersojer damit, dass die BMI sogenannte „off balance“-Finanzierungsinstrumente durch höhere Bankdarlehen ersetzt habe. „Die Nettoverbindlichkeiten haben sogar abgenommen“, stellt Obersojer klar. „Off-balance“ ist eine bilanzneutrale Finanzierung, bei der Vermögensgegenstände und Schulden ausgelagert werden, z. B. durch Verkauf und Rückleasing.

Geteilte Meinung

Bei den Lieferantengruppen gehen die Meinungen darüber auseinander, ob die BMI mit ihrer neuen Strategie gut aufgestellt ist. „Wir sind überzeugt, dass die BMI viele Aufgaben zu bewältigen hat und es für sie schwer wird, einen wettbewerbsfähigen Milchpreis zu erwirtschaften“, sagt etwa Reinhold Hoh von den Milchwerken Mainfranken.

Walter Bauer, Vorstandsvorsitzender der MBW, sieht hingegen die strategische Ausrichtung als gelungen an. „Durch ihren hohen Exportanteil ist die BMI vom Lebensmitteleinzelhandel weniger abhängig als andere Molkereien“, argumentiert Bauer. „Wenn die BMI ihre Altlasten konsequent abarbeitet und ihre Strukturen verschlankt, dann ist sie für das wettberwerbsintensive Marktumfeld gut gerüstet.“

Was hat Lactalis vor?

Während sich der niederländische Genossenschaftsriese FrieslandCampina vom deutschen Markt zurückzieht, expandiert der französische Molkereikonzern Lactalis. Fünf Jahre nach der Übernahme der Omira mit ihren Standorten Ravensburg und Neuburg an der Donau haben die Franzosen mit Würzburg nun auch ein Verarbeitungswerk in Nordbayern gekauft.

Über die Beweggründe der Übernahme und die weiteren Pläne äußert sich die Lactalis-Gruppe trotz mehrerer Anfragen nicht. Von den Lieferantengruppen heißt es, Lactalis wolle den Standort Würzburg weiter betreiben und dort sogar kräftig investieren. Die Rede ist von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Bei den Milchlieferverträgen strebt Lactalis lanfristige Vereinbarungen auf Basis von Vergleichspreisen an. Der neue Liefervertrag mit den Lieferanten des Milchwerkes in Würzburg läuft fünf Jahre. Der Milchpreis soll dem nordbayerischen Durchschnittspreis plus einem Aufschlag entsprechen.

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