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Interview

Ernüchternder Auftakt der ZKHL-Arbeitsgruppe Milch

Am Ende zählen die Ergebnisse, sind sich Felßner und Kaper einig. Ideal wäre, wenn die ZKHL zum Nutzen aller eine Dialogplattform von Bauern, Verarbeitern und LEH wäre.

Lesezeit: 5 Minuten

Der Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Günther Felßner, und das Vorstandsmitglied im Netzwerk Agrar, Lars Kaper, über ihre Erwartungen an die Gespräche in der Zentralen Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL), Voraussetzungen für einen Erfolg der Arbeitsgruppe Milch sowie die bisherige Zusammenarbeit auf Erzeugerseite.

"Nur Ergebnisse zählen!"

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Herr Kaper, seit den großen Bauerndemonstrationen vor den Zentrallagern des LEH ist mehr als ein Jahr vergangen. Können die Milchbauern auf zählbare Ergebnisse aus der ZKHL hoffen?

Kaper: Bei den Protesten ging es zum einen um „schnelles Geld auf die Höfe“ und zum anderen um „nachhaltig kostendeckende Preise“. Daraufhin wurde der Agrardialog etabliert. Das schnelle Geld ist durch den Zeitablauf hinfällig geworden. Die nachhaltig kostendeckenden Preise werden auch in der ZKHL weiter diskutiert. Es geht uns in der Fortsetzung der Gespräche zwischen LEH, Verarbeitern und Landwirten grundsätzlich darum, Landwirten einen höheren Teil der Wertschöpfung ihrer Produkte zukommen zu lassen.

Herr Felßner, was ist Ihre Erwartung?

Felßner: Nur Ergebnisse zählen! Dabei ist die ZKHL weniger ein Sprint, sondern eher ein Langstreckenlauf. Sie stellt eine Kommunikationsplattform dar, die gegenseitiges Verständnis schafft, was sich dann in einem fairen Umgang und letztlich auch im Geldbeutel auswirken muss. Das bezieht sich nicht nur auf den Grundpreis, sondern vor allem auch auf Zusatzanforderungen oder auch die Frage, wie wir mit den kleineren Bauernhöfen in Zukunft umgehen wollen.

Wie sind die Gespräche im Bereich „Milch“ bei der ZKHL bislang verlaufen?

Felßner: Persönlich habe ich mir das Ziel gesetzt, die Anliegen der Milcherzeuger und die Anforderungen des LEH zum beiderseitigen Vorteil in Einklang zu bringen: Idealerweise gelingt es, ein „Fair Pay“ zu etablieren. Erwartet habe ich jedoch, dass der LEH die ZKHL eher als Diskussionsveranstaltung zur Bauernberuhigung nutzt, ohne wirklich etwas verändern zu wollen.

Hat er?

Felßner: Ja! Diese Erwartung hat sich leider in den ersten Runden erfüllt. Wir müssen nun zügig in einen Modus kommen, an dessen Ende konkrete Ergebnisse erzielt werden können.

Wie ist Ihr Eindruck, Herr Kaper?

Kaper: Die Gespräche sind grundsätzlich von gegenseitigem Respekt gekennzeichnet. Wichtig ist, dass wir in der ZKHL nicht über Detailfragen reden, sondern über grundsätzliche Dinge. Auch die Definition der LEH-Haltungsform in der Milchviehhaltung gehört zum Beispiel dazu. Ein weiteres Thema ist die Kennzeichnung der Herkunft von Milchprodukten.

Als ein wesentliches Ergebnis des Agrardialogs stehen 6,5 Cent pro Kilogramm Milch, die die Erzeuger zum Ausgleich von höheren Erzeugungskosten bekommen sollen. Hinzu kommt die Honorierung von Mehrwertprogrammen für den Tier-, Umwelt- und Klimaschutz. Vor dem Hintergrund der gestiegenen Futtermittel- und Energiepreise: Sind die 6,5 Ct/kg nicht viel zu wenig?

Kaper: Bei den 6,5 Cent handelt es sich um eine Momentaufnahme aus dem Sommer 2021. Sie beschreiben die Lücke zwischen den Erzeugungskosten und der durchschnittlichen Verwertungsmöglichkeit für Rohmilch. Wir haben aktuell die Situation, dass die Auszahlungspreise den Verwertungsmöglichkeiten um über 10 Cent hinterher laufen. Dass nun auch die Produktionskosten erheblich gestiegen sind und im Rahmen der Ukraine-Krise einen galoppierenden Verlauf nehmen, öffnet die Schere weiter.

Wie werden die Ergebnisse des Agrardialogs zur Umsetzung gebracht?

Kaper: Ziel des Agrardialogs war die Umsetzung des skizzierten Modells über eine Branchenvereinbarung. Diese haben wir dem Kartellamt vorgestellt und diskutiert. Das Kartellamt ist dieser Argumentation nicht gefolgt, so dass eine Branchenvereinbarung, in der auch die Deckung der Produktionskosten allgemein berücksichtigt wird, nicht zur Umsetzung kommen kann. Gleichzeitig haben wir in bilateralen Gesprächen mit allen Unternehmen des LEH im Rahmen des Agrardialogs unser Modell besprochen. Auch auf dieser Basis kam es bislang leider nicht zur Umsetzung.

Nachdem Teile des Agrardialogs mit Beginn des Jahres 2022 in der ZKHL aufgegangen sind, sitzen Sie mit in der AG Milch - gemeinsam mit Vertretern von LEH und Molkereien. Was haben Sie bisher in diesem Format erreicht?

Felßner: Zunächst ging es darum, dass sich die Vertreter der Landwirtschaft, die aus unterschiedlichen Organisationen kommen, zu einem Verhandlungsteam mit gemeinsamen Zielen organisieren. Das gelang aus meiner Sicht wirklich super: Es passt sowohl menschlich wie auch inhaltlich sehr gut. Das macht uns stark! Es ist unerlässlich, dass wir als Bauerngruppe klare gemeinsame Ziele haben. Ansonsten werden wir gegeneinander ausgespielt.

Welche Erwartungen haben Sie an die künftige Arbeit der ZKHL?

Felßner: Ganz klar: Es müssen sichtbare und spürbare Ergebnisse erzielt werden! Idealerweise wird die ZKHL dann eine dauerhafte Einrichtung als Dialogplattform von Bauern, Verarbeitungsstufe und LEH, zum Nutzen aller. Wenn dies aber in überschaubarer Zeit nicht gelingt, würde ich dafür plädieren, auch den Mut zur Auflösung zu haben. Dann stünden wir aber wahrscheinlich wieder dort, wo wir vor mehr als einem Jahr waren, nämlich vor den Läden und Lägern des LEH.

Kaper: Die ZKHL muss beweisen, dass sie die gesteckten Ziele auch erreichen kann, zum Beispiel eine Selbstverpflichtung des Handels zur Kennzeichnung der deutschen Herkunft von Rohmilch in Milchprodukten. Zu einem „Fair-Play“, das in der ZKHL besprochen wird, gehört außerdem, dass die Chancengleichheit für die Landwirtschaft unabhängig von Betriebsgröße und Region erhalten bleibt, dass Leistungen der Landwirtschaft angemessen bezahlt werden und dass sich geänderte Rahmenbedingungen in einem veränderten Verhalten der Beteiligten im Markt zeigen. Dass nicht der Preis allein ausschlaggebend für die Auswahl des Produkts beim LEH ist, muss auch bei den Abteilungen ankommen, die dort für den Einkauf verantwortlich sind.

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