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Eutergesundheit: Handschuhpflicht im Melkstand

Handschuhe und Zwischendesinfektion: Das sind nur zwei Maßnahmen, die bei Familie Schützenhöfer zur Melkroutine gehören.

Lesezeit: 7 Minuten

Mit einer aktuellen Zellzahl von 46.000 in ihrer Holstein-Herde gehören Nikola und Bernhard Schützenhöfer aus Grafendorf bei Hartberg in Österreich zu den absoluten Zellzahlprofis. Beim gleichnamigen top agrar-Wettbewerb in Österreich, Deutschland und der Schweiz wurden sie dafür ausgezeichnet.

Von 400.000 auf 46.000

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In den vergangenen fünf Jahren konnten Schützenhöfers die Zellzahlen deutlich unter 100.000/ml Milch halten. Das sah freilich nicht immer so aus. Zwar ist es schon lange her, aber vor zwanzig Jahren hatte die Familie große Pro bleme mit dem Erreger Staphylococcus aureus als die Kühe in den neuen Laufstall umzogen. Den Erreger holten sich die Landwirte durch den Zukauf einiger Kühe in den Bestand.

Die Zellzahlen schossen auf bis zu 400.000/ml Milch in die Höhe. „Es war eine Katastrophe. Zu den schlimmsten Zeiten mussten wir die Milch von einem Drittel der Kühe entsorgen“, berichtet Bernhard Schützenhöfer.Es war eine langwierige Geschichte mit vielen Abgängen. Doch die Milchviehhalter bekamen das Problem unter Kontrolle. Und an solchen Aufgaben wächst man bekanntlich.

Bei einer schweren Euterentzündung können die Kosten auf bis zu 500 € pro Kuh steigen. Durch absolute Hygiene und eine frühzeitige Mastitis-Erkennung sparen wir jetzt viel Geld. Schützenhöfer

Inzwischen kalkulieren sie für vorbeugende Maßnahmen, die sie für eine gute Eutergesundheit ergreifen, Kosten von 50 € pro Kuh und Jahr. Diese setzen sich zusammen aus Vordippmittel und Becher (1 bis 2 €), aus Reinigungstüchern (5 €) und Dippmittel (15 €), Zwischendesinfektion (etwa 1,50 €), Trockensteller sowie Versiegler (27 €). Das ist nichts im Vergleich zu den Kosten einer Mastitis: „Bei einer schweren Euterentzündung können die Kosten auf bis zu 500 € pro Kuh steigen. Durch absolute Hygiene und eine frühzeitige Mastitis-Erkennung sparen wir jetzt viel Geld“, betonen die Landwirte.

Doch wie hat die Familie das geschafft? Zunächst haben sie eine Strategie erarbeitet und diese konsequent umgesetzt. Die folgenden Maßnahmen gehören seitdem zur täglichen Routine.

Handschuhe sind Pflicht!

Grundsätzlich herrscht absolute Handschuhpflicht im 7er-Side-by-Side-Melk-stand. Vor dem Melken dippen Schützenhöfers vor. Dazu verwenden sie einen Vorschaumbecher und gewöhnliche Handwaschseife. „Mit der Seife funktioniert es genauso gut wie mit teuren Mitteln“, erklärt Nikola Schützenhöfer.Die Zitzen reinigen sie danach mit trockenen Mehrwegeutertüchern. Dazu verwenden sie immer ein Tuch pro Kuh. „Wir legen viel Wert darauf, dass die Zitzenspitzen sauber sind“, hebt der Betriebsleiter hervor. Die Tücher waschen sie täglich bei 80 °C und 1.400 Schleudertouren in der Waschmaschine, um Keimen keine Chance zu lassen.

Wir legen viel Wert darauf, dass die Zitzenspitzen sauber sind. - Schützenhöfer

Kein Blindmelken

Nach dem Vormelken warten Schützenhöfers auf das Einschießen der Milch ihrer Kühe. Erst dann setzen sie das Melkzeug an.Blindmelken wollen sie bestmöglich vermeiden. Sie achten daher immer auf die Milchflussanzeige und führen wenn nötig Kontrollgriffe durch. Gibt es eine Kuh, deren Viertel schon ausgemolken ist, dann nehmen sie das Melkzeug auf dieser Zitze ab und stecken einen Blindstopfen in den Melkbecher, während der Rest weiterläuft.

Wichtig ist ihnen beim Melken auch, dass der Schlauch des Melkzeugs mittig sitzt, um einen ungleichmäßigen Zug auf die Zitzen zu vermeiden. Gibt es Abweichungen, nutzen die Landwirte eine höhenverstellbare Stange, um dies auszugleichen. An jedem Melkstandplatz haben sie solch eine Stange montiert. Auch die Wahl des Zitzengummis ist für die Familie entscheidend. Schützenhöfers schwören auf ein schwarzes Flachkopfgummi mit Vakuumabsenkung im Entlastungstakt. „Dadurch werden die Zitzen nicht zu sehr belastet und die Gefahr für Hyperkeratosen sinkt“, erklären sie.

Zudem achten sie darauf, dass das Euter komplett ausgemolken ist. Wenn nötig, halten sie das Melkzeug kurz nieder. Erst wenn sich das Vakuum abgebaut hat, wird das Melkzeug automatisch abgenommen. Am Ende werden die Zitzenspitzen mit einem jodhaltigen Barrieredippmittel gedippt und die Kühe in den Fressbereich entlassen. Dort sind sie für ca. 30 Minuten in den Fressgittern fixiert.Nach jedem Tier desinfizieren die Landwirte das Melkzeug mit verdünnter Peressigsäure mittels einer Sprühanlage. Die Peressigsäure mischen sie täglich frisch an. „Diese tötet sämtliche Bakterien und Pilze in sehr kurzer Zeit ab“, berichten sie. Nach dem Melken reinigen die Landwirte den Melkstand gründlich.

Hobelspähne im Liegebereich

Während die Kühe nach dem Melken im Fressgitter fixiert sind, reinigen Bernhards Eltern die Liegeboxen. Eingestreut wird mit Hobelspänen. Dazu kommen 0,5 kg Kalk pro Kuh auf die Liegefläche. Bei den Liegeboxen handelt es sich um Hoch-Tiefboxen. Die Basis bildet dabei eine Matratze aus Gummi. Die Boxen sind im hinteren Bereich zudem 12 cm mit einem Rohr aufgekantet. „So wollen wir sicherstellen, dass der Liegebereich trocken und sauber bleibt,“ erklärt Bernhard Schützenhöfer.

Sieben Wochen vor dem Abkalbetermin ist es für eine Kuh Zeit, trockengestellt zu werden. Dabei achtet das Ehepaar darauf, dass sie nicht mehr zu viel Milch gibt. Wenn nötig, reduzieren sie dafür das Kraftfutter. Zwischen zwei Melkzeiten stellen die Landwirte die Kuh schließlich selektiv trocken. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Zellzahl unter 50.000/ml Milch liegt. Laut LKV-Jahresbericht trifft das auf etwa die Hälfte der Herde zu.

Zum Trockenstellen verwenden sie immer einen Zitzenversiegler. Ist eine Kuh auffällig, wird diese antibiotisch trockengestellt. Es gibt Zeiten, da stellen Schützenhöfers die Kühe auch bei niedrigen Zellzahlen antibiotisch trocken: „Das machen wir vor allem im Sommer, wenn die Kühe viel Milch geben und sie anfälliger für Mastitis sind“, erklären sie.Alle diese Maßnahmen schützen aber auch den Betrieb Schützenhöfer nicht zu 100 % vor Euterentzündungen. Vor allem ab dem Frühjahr steigt die Gefahr, dass sich ihre Tiere mit Staph. aureus und Co. infizieren.

Mastitis gezielt behandeln

Fällt den Milchviehhaltern eine Kuh auf, die ihre Milch laufen lässt, die schlecht wiederkäut oder die Ohren hängen lässt, melken sie diese als letzte. Dabei verwenden sie beim Anrüsten eine Küchenrolle statt eines Eutertuchs, damit sich mögliche Erreger nicht verteilen können. Die Milch melken sie in eine separate Kanne. Zudem desinfizieren sie das Melkzeug und auch die Hände besonders sorgfältig.

Zur Kontrolle, ob eine Kuh sich tatsächlich mit einem Mastitis-Erreger angesteckt hat, nehmen Schützenhöfers einen Schalmtest vor und messen bei der Kuh Fieber.Seit zwei Jahren nutzen sie außerdem einen Mastitisschnelltest. Dabei wird eine Milchprobe in einem Schrank bebrütet. Nach zwölf Stunden haben die Landwirte dann das Ergebnis, ob es sich um einen grampositiven oder einen gramnegativen Erreger handelt. Oder ob kein Erreger nachweisbar ist. Je nach Schwere der Entzündung und abhängig vom Erreger verabreichen die Milchviehhalter nach Absprache mit der Tierärztin Entzündungshemmer bzw. Antibiotika.

Oft geht es den Kühen danach wesentlich besser - Schützenhöfer

Gute Erfahrungen haben sie auch mit Leinsamen gemacht. Diese weichen sie in 50 l lauwarmen Wasser ein und drenchen es der betroffenen Kuh. „Oft geht es den Kühen danach wesentlich besser“, berichtet Nikola Schützenhöfer.Die euterkranke Kuh erhält ein rotes Band und wird im Herdenmanagementprogramm markiert. Ist es eine leichte Euterentzündung, bleibt die Kuh in der Herde. Hat sie Fieber, kommt sie in die Krankenbucht, so die konsequente Arbeitsweise des Betriebs.Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Familie Schützenhöfer durch zahlreiche Hygiene-Maßnahmen beim Melken und der Haltung eine hohe und dauerhaft gute Eutergesundheit ihrer Kühe erreicht. Durch zahlreiches Probieren und viele Fortbildungen konnten sie diese laufend verbessern und weiterentwickeln. Ihr Ziel für die Zukunft ist, einen dauerhaften Zellgehalt unter 100.000/ml Milch bei problemlosen Kühen zu halten.

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