Fachtagung

Gesund und klimaschonend – ist das die optimale Kuh?

Wie gelingt es, eine Kuh gesund, effizient und umweltgerecht zu züchten, zu füttern und zu halten? Darüber diskutierten Experten bei einem Workshop zu den Projekten eMissionCow und optiKuh2.

Die Veranstaltung in Braunschweig war ausgerichtet von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Die LfL ist Projektkoordinator für die Verbundprojekte eMissionCow und optiKuh2, die beide auf dem Projekt optiKuh aufbauen. Die Experten diskutierten bei dem zweitägigen Workshop die Ergebnisse verschiedener Studien in den Projekten. Deutlich wurde: Die Arbeit im bundesweiten Verbund und gemeinsam mit Tiermedizin, Tierzucht und Tierernährung hat sich bewährt.

Futtereffizienz nur indirekt züchten

Basis der Projekte sind die seit 2014 erfassten tierindividuellen Futteraufnahme- und Leistungsdaten in 13 Versuchsbetrieben Deutschlands. Hieraus haben Wissenschaftler eine genomisch nutzbare Lernstichprobe entwickelt, die erste Arbeiten in der Zucht auf Futteraufnahme und Effizienz ermöglichen soll. Dazu erklärte Dr. Dierck Segelke vom Rechenzentrum vit: „Um einen Zuchtwert für Futtereffizienz schätzen zu können, reicht die aktuelle Datenmenge noch nicht aus. Bis 2023 wollen wir mit einem internationalen Datenaustausch eine Lernstichprobe mit mindestens 13.000 Einzeltierdaten etablieren.“ Aus den aktuell verfügbaren Daten sollen Schätzgleichungen zur Futteraufnahme modelliert werden, um Rationen noch effizienter an den Bedarf anpassen zu können.

Negative Effekte auf Tiergesundheit vermeiden

Auch die Tiergesundheit stand im Fokus verschiedener Studien in den Verbundprojekten. In einem Teilprojekt entwickelten Wissenschaftler der Universität Halle-Wittenberg ein Ketose-Vorhersage-Modell. Mit Hilfe von Blutproben und einem Testgerät auf dem Hof sollen sich potenzielle Risikotiere frühzeitig erkennen lassen und so akute Erkrankungen vermieden werden können. Das System befindet sich noch in der Testphase.

Einig waren sich die Experten in den Diskussionsrunden: Bei der betrieblichen bzw. züchterischen Verbesserung der Effizienz sind mögliche negative Wirkungen auf die Gesundheit und das Tierwohl unbedingt zu vermeiden. Die „optimale Kuh“ frisst schon zu Beginn der Laktation sehr viel, um wenig Körpersubstanz für die Milchbildung zu nutzen und eine negative Energiebilanz mit allen Folgen zu vermeiden. Gegen Ende der Laktation sollte sie nicht mehr fressen als nötig um Luxuskonsum zu vermeiden. Eine solche optimale und effiziente Verwendung der Ressourcen für die Bildung von Milch und Fleisch sei auch gut für die Umwelt.

Eine Kuh mit weißem Kopf frisst.

Eine hohe Futteraufnahme zu Beginn der Laktation ist wichtig, um eine negative Energiebilanz zu vermeiden. (Bildquelle: Lütke-Holz)

Methan weg-züchten?

In der Diskussion um die Auswirkungen der Milchkuhhaltung auf das Klima spielt Methan eine große Rolle. Damit steht es auch im Fokus der Forschung von Tierzucht und Tierernährung. Über die Zucht bestehen Ansätze, Kühe mit geringerer Umweltwirkung zu züchten. „Herausforderung ist aber vor allem, den Methanausstoß einzelner Kühe unter praktischen Bedingungen und mit wiederholbarer Genauigkeit zu erfassen“, machte Prof. Dr. Hermann Swalve von der Uni Halle-Wittenberg deutlich. Das Erfassen der Atmung der Kühe im Melkroboter sei eine Möglichkeit. Dr. Volker Onken vom DLQ stellte darüber hinaus die Möglichkeiten der mittleren Infrarot Spektren in der Milch vor, um den Methanausstoß zu schätzen. Swalve machte jedoch deutlich, dass es für die Zucht auf „weniger Methanausstoß“ zunächst eine konkrete Lernstichprobe mit hohen Sicherheiten brauche, die aktuell nicht umsetzbar sei. Erfolgsversprechender sei daher wohl die indirekte Zucht mit Hilfsmerkmalen.

Methan weg-füttern?

Parallel versuchen auch die Tierernährer über verschiedene Wege den Methanausstoß von Kühen zu reduzieren. Verschiedene Hersteller bieten bereits Futtermittel an, die das versprechen. In den Diskussionen der Experten beim Workshop wurde jedoch deutlich: Solche Zusatzstoffe oder Rationen wirken oft nur kurzfristig oder haben negative Auswirkungen auf das Tier bzw. die Futteraufnahme und Milchleistung. Langfristige Effekte seien noch schwer abzuschätzen. Dr. Björn Kuhla vom FBN Dummerstorf erklärt daher: „Indirekt können wir Emissionen der Milchviehhaltung am effizientesten reduzieren, indem wir den Import von Proteinen und Fetten senken.“

Die Veranstalter und Teilnehmer des Workshops machten zum Abschluss deutlich, dass sich das fachübergreifende und transdisziplinäre Forschen auf Bundesebene bewährt hat. Sie wollen den Verbund der Versuchseinrichtungen weiter intensiv nutzen, um innovative Lernstichproben zu entwickeln. Die Tiergesundheit wollen sie dabei noch stärker integrieren und ein Monitoring in diesem Bereich etablieren.


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