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Landwirt testet Tränkeverfahren für Kälber - Ab jetzt nur noch Vollmilch

In einem selbst angelegten Versuch haben Birgit und Martin Sirch das Gewicht ihrer Kälber in Abhängigkeit zum Tränkeverfahren gemessen. Die Ergebnisse überraschten sie.

Lesezeit: 4 Minuten

Kälber wachsen nicht von alleine. Doch mit welcher Tränkeform die Jungtiere am besten zulegen, wollten Birgit und Martin Sirch aus Mindelheim in Bayern genauer wissen. Das Landwirtsehepaar hält 80 Kühe einer Drei-Rassen-Kreuzung aus Red Holstein, Fleckvieh und Schwedisch Rotbunt. Im Mittel gibt jede Kuh 8.500 kg Milch im Jahr.

Drei Jahre lang haben Sirchs in Eigenregie das Gewicht der Kälber ermittelt. Für je ein Jahr haben sie ein Tränkekonzept in den ersten vier Lebenswochen getestet: Milchaustauscher (MAT) mit 35 % Magermilchpulver (MMP) und 50 % MMP sowie angesäuerte Vollmilch. Zum Ansäuern haben die Landwirte flüssige Ameisensäure eingesetzt. Die Kälber teilten sie in drei Gruppen ein: Alle männlichen und weiblichen Tiere aus Fleischrassekreuzungen bekamen Milch ad libitum. Die Drei-Rassen-Kuhkälber fütterten sie restriktiv.

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Das Gewicht der Kälber haben Sirchs direkt nach der Geburt und im Alter von vier Wochen jeweils vor der Tränkemahlzeit erhoben. Nach acht Wochen setzten sie die Kälber von der Milch ab.

Bis zu 20 Liter täglich

Während des Versuchs standen die Kälber in Einzelboxen. In den ersten zwei Lebenstagen bekamen sie Biestmilch. Ab der zweiten Mahlzeit haben Sirchs schrittweise Milchaustauscher eingemischt bzw. die Vollmilch angesäuert. Bis zur vierten Mahlzeit waren die Kälber vollständig umgestellt. Zudem stand den Neugeborenen ab dem zweiten Tag eine selbst gemischte Kälber-TMR zur freien Aufnahme bereit.

Der Tränkeplan sah wie folgt aus: In der restriktiven Gruppe bekam jedes Kalb zweimal täglich 5 Liter Milch (280 Liter gesamt). Anders war das bei der ad libitum-Tränke: Die MAT-Kälber bekamen in der ersten Woche zweimal täglich 6 Liter, in der zweiten 7 Liter Milch. In Woche drei und vier erhöhten Sirchs die Menge auf zweimal täglich 8 bis 10 Liter (434 Liter gesamt).

Die Vollmilch-Kälber haben in der ersten Woche zweimal am Tag 6 Liter und für die restlichen drei Wochen 7 Liter Milch bekommen. „Sie waren schneller satt und haben insgesamt 376 Liter getrunken“, fasst Birgit Sirch zusammen. „Bei Temperaturen unter 0°C haben wir die Tränke der ad libitum-Gruppen auf drei Mahlzeiten am Tag verteilt.“

Zunahmen variieren stark

„Egal, ob wir die Kälber ad libitum oder restriktiv versorgt haben, die höchsten Zunahmen haben sie mit der angesäuerten Vollmilch erreicht.“ Auf Platz 2 steht der höherwertige Milchaustauscher mit 50% MMP-Anteil, gefolgt vom einfachen Milchaustauscher. Die Spannweite reicht dabei von 610 bis 1150 g Zunahme je Tag.

Da die restriktiv getränkten Kälber alle die gleiche Milchmenge bekamen, konnten Sirchs die höhere Gewichtszunahme durch die Vollmilchfütterung hier besonders gut beobachten. Nach vier Wochen waren sie im Mittel 9,3 bzw. 7,5 kg schwerer als die Tiere, die Milchaustauscher mit 35 bzw. 50% MMP bekommen haben. Das entspricht einer Zunahme von 54 bzw. 39%. Diese Werte führen Sirchs auch auf eine bessere Gesundheit zurück.

Die Kälber, die Vollmilch ad libitum bekamen, nahmen zwar weniger Milch auf, hatten aber trotzdem bessere Zunahmen. Das optimiert die Aufzuchtkosten. Familie Sirch rechnet mit einem Preis von 22 bzw. 28 ct/l für Milchaustauscher und 34 ct/l Vollmilch (zzgl. 2 ct/l für Ameisensäure). Dadurch sind die Aufzuchtkosten bei der Vollmilchfütterung trotz des höheren Literpreises deutlich niedriger. Sie liegen bei 3,15 € je zugenommenem kg Körpergewicht. Die MAT-Aufzucht kostet 5,91 bzw. 5,48 €/kg bei 35 bzw. 50%igem MMP-Anteil.

Vollmilchtränke bleibt

Die Ergebnisse haben die Landwirte überrascht. „Wir haben den Versuch interessehalber gemacht. Aber wir hätten nie gedacht, dass es so große Unterschiede gibt“, sind sich Birgit und Martin Sirch einig. Für beide war schnell klar, dass sie die Vollmilchtränke beibehalten und auf Milchaustauscher verzichten. „Zudem spitzt sich die Lage am Markt weiter zu und Milchaustauscher ist deutlich teurer geworden“, sagt Martin Sirch.

Ob sich die besseren Zunahmen auch in der ersten Laktationsleistung widerspiegeln, können die Betriebsleiter nur schwer vergleichen. Denn da spielen noch andere Faktoren eine Rolle. So bekommen die Kühe aktuell weniger Kraftfutter als im Vorjahr.

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