Milchwirtschaft

Milchmarkt: Höherpreisige Produkte unter Druck

Bei der Halbjahespressekonferenz der LV Milch NRW ging es um aktuelle Marktentwicklungen, die Gasversorgung der Molkereien und um Wünsche an die Politik. Eine Zusammenfassung.

„Wir haben historisch hohe Milchpreise, die wir uns immer erträumt haben“, erklärte Hans Stöcker, Milchviehhalter, Vorstandsvorsitzender von FrieslandCampina und Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen (LV Milch NRW) bei der Halbjahrespressekonferenz in Mechernich (Nordrhein-Westfalen). „Aber die Kosten erhöhen sich ebenfalls stark auf den Betrieben“, betonte er. Laut einer Auswertung der Landwirtschaftskammer NRW seien die Produktionskosten auf den Milchviehbetrieben um 10,5 ct/kg gestiegen, ergänzte Peter Manderfeld, Milchviehhalter und Vorstandschef bei Hochwald. „Diese Lücke müssen die Betriebe mit den derzeitigen Milchpreisen erstmal schließen können“, sagte er.

Urlaub wichtiger als Ernährung

„Wir haben eine sehr, sehr hohe Inflation in Deutschland, die wir so nicht mehr kannten“, erklärte Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer von LV Milch NRW. Dadurch gerieten höherpreisige Produkte unter Druck. „Die Deutschen fahren lieber in den Urlaub, als sich um die Herkunft ihrer Lebensmittel Gedanken zu machen“, brachte er es auf den Punkt.

Trotz aller Herausforderungen, die die aktuelle Krisensituation mit sich bringt, erführen Landwirte aber gerade wieder Wertschätzung weil die Versorgung mit Lebensmitteln plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. „Das motiviert“, erklärte Manderfeld. An die Politik richtete er ebenfalle eine Botschaft: „Wir haben in der Milchwirtschaft und Rinderhaltung viel getan für mehr Tierwohl und unter anderem Kriterien erarbeitet für Haltungsform 2. Ich vermisse, dass die Politik mal bei uns nachhorcht, ob sie mit uns und mit dem was wir schon haben, zusammenarbeiten kann.“ In die Kerbe schlug auch Benedikt Langemeyer, Milchviehhalter, Vorsitzender von Milch NRW und Aufsichtsratsmitglied beim Deutschen Milchkontor (DMK) ein und nannte das Beispiel der neuen Transport-Verordnung für Kälber: „Wissenschaftlich ist noch nicht bewiesen, ob das Transportalter für die Kälber wirklich besser ist. Dennoch fasste die Politik den Entschluss ziemlich kurzfristig. Viele Betriebe müssen jetzt aber investieren, um die Auflagen zu erfüllen. Das löst Frust aus.“

Ohne Gas keine Milchverarbeitung

Dr. Rudolf Schmidt erklärte in seinem Vortrag über die aktuelle Marktsituation, dass rund 80 % der deutschen Molkereien abhängig von Gas sind. Das bestätigten auch die Vertreter der Molkereien DMK, Hochwald und FrieslandCampina. „Wir brauchen Gas, sonst können wir nicht produzieren“, waren sie sich einig. Die Milchverarbeiter arbeiteten derzeit daran, weiter Energie zu sparen oder im Notfall mit fossilen Brennstoffen arbeiten zu können. Letzteres sei kurzfristig aber schwer umsetzbar und mit vielen Herausforderungen verbunden.

Die Milchwirtschaft gelte als systemrelevant. Sie hoben hervor, welche wichtige Bedeutung sie in Deutschland hat. „Wir haben einen CO2-Fußabdruck der doppelt bis dreifach so gut ist wie in anderen Ländern und produzieren hochwertige und sichere Lebensmittel“, erklärte Langemeyer. Peter Manderfeld hob die Bedeutung von Grünlandregionen hervor und stellte den Zusammenhang mit der Rinderhaltung heraus: „Nur das Rind kann Gras für uns verwerten. Wir müssten die Kuh dringend erfinden, wenn wir sie nicht schon hätten.“

Milchmarkt-Fakten

Die Milchanlieferung war im vergangenen Jahr rückläufig, erklärte Dr. Rudolf Schmidt. Im Zeitraum Januar bis April ging die Menge bundesweit um rund 2,2 % zurück im Vergleich zum Vorjahr, in der EU27 um 0,2 %. Die Biomilchanlieferung stieg in dem Zeitraum, allerdings weniger stark als in den Jahren zuvor. Der Absatz von Trinkmilch ging ebenfalls zurück.

Weidemilch verzeichnete starke Wachstumsraten, bei Bio-Trinkmilch stieg die Nachfrage weniger stark als in den Vorjahren. „Bei den Endverbraucherpreisen liegen die Steigerungsraten bei 8 bis 10 %“, so Schmidt. Der Unterschied zwischen bio und konventionellen Milchpreisen sei sowohl im Kühlregal als auch auf der Milchgeldabrechnung kleiner geworden.

Aufgrund von Flächenknappheit und steigenden Produktionskosten geht der Experte nicht davon aus, dass die Produktionszahlen in den nächsten Jahren steigen.

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