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topplus Arbeitskreis fordert 300 €/Mutterkuh

Mutterkuhhalter fühlen sich bei Weide-Förderung benachteiligt

Weil es eine Ungerechtigkeit bei der Förderung der Mutterkuhhaltung gegenüber Milchvieh und allg. Weidehaltung im Naturschutz gibt, fordern Bauern aus dem Hochsauerland eine Mutterkuhprämie von 300 €.

Lesezeit: 6 Minuten

Die Mutterkuhhalter betreiben klassischerweise Weidehaltung. In NRW werden rund 65.000 Mutterkühe, auf ca. 6.000 Betrieben gehalten. Eine Haltungsform, die vom Bürger als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, und absolut gewünscht wird.

Anders als andere Weidehalter, erhalten Mutterkuhhalter keine Weidehaltungsprämie. Es besteht eine Ungerechtigkeit im Verhältnis zu beispielsweise Milchviehhaltern oder auch der Weidehaltung im Naturschutz, so der Landwirtschaftliche Kreisverband Hochsauerland.

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Im Rahmen einer entsprechenden Ungleichbehandlung sei es Mutterkuhhaltern nicht möglich, im Wettbewerb um die Verpachtung landwirtschaftlicher Nutzflächen mit Landwirten anderer Produktionsausrichtungen zu bestehen. Der Arbeitskreis benennt die Probleme und Forderungen nun in einem Positionspapier, wörtlich heißt es darin:

Tierwohl

Mutterkühe werden in einem natürlichen Herdenverband gehalten. Die Herde besteht aus Kälbern, Mutterkühen und dem Altbullen. Die Kälber leben bis zum Alter von ca. 8 Monaten bei der Herde, ernähren sich von der Muttermilch und dem Weideaufwuchs bzw. im Winter vom hofeigenen Futter.

Die Mutterkühe werden von April bis November komplett auf Weiden gehalten. Der Viehbesatz ist äußerst extensiv. Grundsätzlich werden robuste Rinderrassen, teilweise auch vom Aussterben bedrohte Rassen, für die Mutterkuhhaltung gezüchtet. Im Winter werden die Tiere in Laufställen mit Kälberschlupf gehalten. In diesen Ställen herrschen gute klimatische Bedingungen für alle Altersklassen.

Biodiversität

Mutterkuhhaltung hat erhebliche, ökologische Vorteile, gegenüber anderen Tierhaltungen, im Bereich der Landwirtschaft. Ebenso profitiert die Gesamtbevölkerung ungemein von dieser Haltungsform.

Durch die durchgängige Weidehaltung, wird ein arten- und blütenreiches Dauergrünland gefördert. Da der Zeitpunkt der Mahd/ Futtergewinnung so spät im Jahr liegt, nutzen Vögel und Wildtiere das Grünland als Rückzugsorte. Auch die Hinterlassenschaften der Mutterkühe (Kuhfladen) sorgen für ein einzigartiges Habitat für Insekten. Besonders für Vögel, denen die Insekten als Futterquelle dienen. Jeder ca. 2 kg schwere Kuhfladen sorgt für das Vorhandensein von 24 g Insekten. Oder anders ausgedrückt: Jede Weidekuh kann mittels, der durch ihre Ausscheidungen bedingten Insektenfülle, beispielsweise 40 Kohlmeisen ernähren.

Der Rand der Weiden wird im Bereich der Zäune mit hohem Bewuchs begrünt. Diese Bewuchsflächen im Grenzbereich, dienen als Habitat für eine Vielzahl von Insekten und Amphibien, ebenfalls als Deckungs- und Rückzugsorte für wildlebende Tiere, wie beispielsweise Junghasen.

Auch die Stelle, wo die Fladen liegen, bilden ökologische Mikrobiotope. Denn an der Stelle, wo ein Fladen lag, bildet sich eine sog. Geilstelle. Das Gras wächst durch die natürliche und massive Düngung dort dichter und üppiger. Die Weidekuh frisst dieses Gras für einige Monate nicht mehr. Ringsherum hingegen hält sie das Gras kurz.

Im Bereich der Geilstelle entstehen optimale Brutstätten für Nestflüchter, die Schutz in diesen hohen Grasbüscheln finden. Oft sind die Grenzbereiche zwischen Weiden auch verbuscht bzw. mit Hecken bewachsen.

Die offene Weidehaltung mit Mutterkühen führt dazu, dass die Grundstücke nicht sukzessive verbuschen (Stichwort: Verbeißung von Jungpflanzen). Das Grünland ist mehrere Jahrzehnte alt. Eine intensive Düngung ist entbehrlich, weil das Grünland mittels der Ausscheidungen der Mutterkühe ausreichend gedüngt wird.

Chemischer Pflanzenschutz ist nicht erforderlich. Die Mutterkuhhaltung ist in ökologischer Hinsicht eine jahrhundertealte, natürliche Kreislaufwirtschaft. Die anfallenden Wirtschaftsdünger sorgen für die Humusbildung und Kohlenstoffbindung. Stickstoffeinträge bzw. -überschüsse sind von Mutterkuhweiden nicht zu verzeichnen.

Die Viehbesatzdichte liegt zumeist zwischen 0,5 bis 1,0 Großvieheinheiten pro Hektar. Mutterkuhhaltung ist eine wichtige Grundlage zur Natur- und Erhaltung der Artenvielfalt. Sie ist Landschaftsbildprägend und für den Verbraucher erkennbare, gesunde Landwirtschaft. Durch eine Unterstützung der Mutterkuhhaltung erreicht der Steuerzahler konkret positiven Einfluss auf seine Umwelt, die artgerechte Tierhaltung, und den Gewässerschutz.

Landschaftspflege/Tourismus

Aufgrund der Bewirtschaftung mit Mutterkühen wird die Landschaft offen gehalten, was den Reiz des Sauerlandes als Mittelgebirgsregion mit Wechsel von Wald und Grünland ausmacht. Ohne eine Mutterkuhhaltung gäbe es diese Vielfalt in der Landschaft nicht.

Die Offenhaltung der Landschaft im Mittelgebirgsraum mit der das Landschaftsbild prägenden Abwechslung zwischen hängigem Grünland, insbesondere auch längs von Gewässern, und den beweideten Kuppen, würde sich ohne Mutterkuhhaltung nachteilig verändern.

Hiervon profitieren im besonderen Maße die Bevölkerung, und der Tourismus, mit seinen nachgelagerten Bereichen, wie die Gastronomie und die Hotellerie. Zunehmend werden Wanderwege außerhalb der Wälder, sprich in der Offenlandschaft ausgewiesen. Mutterkühe werden als Selbstverständlichkeit im Landschaftsbild vorausgesetzt.

Mehraufwand der Mutterkuhhaltung

Angesichts der Weidetierhaltung, mit verschiedenen Herdenverbänden, ist der Aufwand für die betreffenden Landwirte, im Vergleich zu dem Aufwand anderer Tierhaltungsformen, wesentlich höher. So müssen die Mutterkuhhalter regelmäßig ihre, an verschiedenen Orten weidenden Tierherden, mit Wasser versorgen.

Mutterkuhhalter beweiden viele, zum Teil sehr kleine Parzellen. Ein häufiger Weidewechsel ist unumgänglich. Zudem werden die Ausmaße einer Klima- Veränderung immer spürbarer. Bei gleichbleibender Anzahl an Tieren je Betrieb, geben die Weiden nicht mehr die Menge an Futter her, die nötig wären.

Hinzu kommt unabhängig von der dauerhaften Ungleichbehandlung, der erhebliche Kostenunterschied in der Haltung. Mutterkühe benötigen einen wesentlich dichteren und sicheren Zaun (Mehrkosten im Mittel 4,60 Euro/Meter, bedingt der Kälber und Herdenbullen). Der Aufwand der jährlichen, medizinischen Herdenhygiene ist bei Mutterkuhhaltern, je nach Herdengröße, zwischen 70 und 102 Euro/je Tier höher, als bei intensiver Tierhaltung. Die Tiere sind nicht so zahm (Weidehaltung, Kälber bei Fuß, natürliche Scheu ausgelöst durch Wildtiere, Hunde etc.).

Die Wasserversorgung, Zufütterung und Mineralstoffversorgung sowie die tägliche Herdenaufsicht sind je Tier (Abhängig von Entfernung und Herdengröße) mit bis zu 4,2 Euro/Tag zu kalkulieren. Der finanzielle Aufwand - Mehrarbeit erhöht - erschwert sich in Mittelgebirgsregionen zusätzlich.

Nicht jeder Betrieb kann direkt Vermarkten. Die Mutterkuhhalter müssen sich oft den Preisen anderer Branchen der Landwirtschaft anpassen (Färsenabsatz, Marktschwankungen).

Resümee

Die Besonderheiten der Mutterkuhhaltung werden finanziell in keiner Weise honoriert. Die Erlössituation der Mutterkuhhaltung ist prekär und wurde zusätzlich noch durch die nahezu Halbierung der Ausgleichszulage drastisch verschärft. Um diese, von der Gesamtbevölkerung gewollte Landwirtschaft aufrecht zu erhalten, benötigen wir dringend eine finanzielle Unterstützung. Daher fordern wir eine jährlich wiederkehrende Zahlung von 300 €/je Mutterkuh.

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