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Neues Verfahren zur Zuchtwertschätzung bei Fleckvieh und Braunvieh

Im April dieses Jahres ändert sich das Zuchtwertschätzverfahren für Fleckvieh und Braunvieh. Aber was bedeutet das konkret? Wir sprachen mit Dr. Reiner Emmerling.

Lesezeit: 3 Minuten

Das Zuchtwertschätzverfahren für die Rassen Fleckvieh und Braunvieh soll zukünftig nur noch in einem Schritt ablaufen. Trotzdem sollen Zuchtwerte mit höheren Sicherheiten entstehen. Dr. Reiner Emmerling von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Bayern erklärt, was es mit dem neuen Verfahren auf sich hat.

Ab April 2021 schätzen Sie die Zuchtwerte bei Fleckvieh und Braunvieh mit dem „Single-Step“-Verfahren. Was steckt dahinter?

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Emmerling: Um zu verstehen, was wir geändert haben, muss ich das bisher genutzte „Two-Step-Verfahren“ erklären. Das läuft in zwei Schritten ab: Zunächst findet die Zuchtwertschätzung (ZWS) konventionell statt. Dabei schätzen wir Zuchtwerte mit Hilfe der Leistungs- und Pedigreedaten. In einem zweiten Schritt „koppeln“ wir diese Ergebnisse mit den genomischen Profilen aus dem Labor und schätzen so die genomischen Zuchtwerte. Diese Kopplung erfolgte bisher ausschließlich mit einer Bullen-Lernstichprobe mit sicher geschätzten Zuchtwerten.

Was ist bei dem Single-Step-­Verfahren grundlegend anders?

Emmerling: Wir ergänzen dabei die konventionelle ZWS um die Geno­typeninformationen aller Tiere. Single-Step ist also ein Zuchtwert­schätz­verfahren, das in einem Schritt Phänotyp, Genotyp und die Pedigree­informationen verarbeitet.

Wo sehen Sie die Vorteile von diesem Zuchtwertschätzverfahren?

Emmerling: Die Lernstichprobe ist wesentlich größer als vorher, da jetzt alle Tiere in das Schätzsystem ein­gehen. Sie umfasst neben den Besamungsbullen auch genotypisierte Kühe und Natursprungbullen. Es sind bereits 330 000 Fleckviehtiere untersucht, von denen schon knapp 80 000 gekalbt haben. Im Vergleich zu den 16 Mio. Fleckviehtieren in der ZWS erscheint der Anteil klein, durch Single-Step wird er jedoch optimal verwertet. Durch die Integration der Kuhgenotypen können wir Zuchtwerte mit einer höheren Sicherheit schätzen. Der Zuwachs im Gesamtzuchtwert beträgt bei den Fleckvieh-Jungbullen im Mittel 7 %, bei den Braunvieh-Jungbullen sind es 5 %. Mit dem neuen Verfahren ist es uns möglich, eine genauere Vorhersage der Zuchtwerte zu treffen als bisher. Das ist das Ergebnis aus umfangreichen Validierungsstudien.

Bei den genomischen Vererbern wirkt sich der Informationszuwachs des neuen Verfahrens am deutlichsten aus.

Es gab Bedenken, dass es zu starken Rangverschiebungen kommt. Bei welchen Tiergruppen rechnen Sie mit besonders großen Änderungen?

Emmerling: Die Korrelation des alt bzw. neu geschätzten Gesamtzuchtwerts töchtergeprüfter Bullen liegt jeweils bei 0,94. Bei den genomischen Kandidaten ist die Korrelation geringer (etwa 0,85), da sich hier der Informationszuwachs des neuen Verfahrens am deutlichsten auswirkt. Es ist richtig: Das wird zu deutlichen Rangfolgeänderungen führen. Die Spannweite der Änderungen von 95 % der Tiere liegt im Gesamtzuchtwert von geprüften Fleckviehbullen bei +/- 8 (Braunvieh +/- 5) und bei den Jungvererbern bei -6 bis +11 (Braunvieh -7 bis +10) Punkten. Zu den Änderungen tragen auch die neuen ZWS-Modelle für Nutzungsdauer und Fleischmerkmale bei.

Fleckvieh und Braunvieh sind Vor­reiter für das neue Zuchtwertschätzverfahren. Warum gibt es das (noch) nicht bei der Rasse Holstein?

Emmerling: Meines Wissens nach ist es auch bei den Holsteins das Ziel, das Single-Step-Verfahren einzuführen. Zwei Aspekte haben die Einführung bei Fleckvieh erleichtert: Die Population der süddeutschen Rassen selbst sind kleiner und der Einfluss internationaler Daten (beim Fleckvieh) geringer im Vergleich zu Holstein. Die Holstein Population und die internationalen Verknüpfungen sind deutlich größer. Die richtige ­Integration von umgerechneten Bullenzuchtwerten über Interbull in das nationale Single-Step-Modell befindet sich noch in der Entwicklung.

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