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Norddeutsche Milchpower im Süden

Johannes Kerler hat Spaß an hohen Milchleistungen und durchdachtem Management. Deshalb hat er sich für Kühe der Rasse Holstein entschieden.

Lesezeit: 5 Minuten

Ganz klassisch findet man Fleckviehkühe im Süden Deutschlands, die Rasse Braunvieh ist im Allgäu zuhause und Holsteins im restlichen Teil der Bundesrepublik. Doch das geht auch anders: Wir haben uns zwei Milchkuhbetriebe angesehen, die für die jeweilige Region eher untypische Rassen melken.

Ein mittelgroßer Betrieb mit Fleckviehkühen und Ortslage: Viele haben dieses Bild von bayerischen Betrieben vor Augen. Anders ist es bei Jo­hannes Kerler. Er melkt mittlerweile 1.000 Holstein-Kühe an einem Außenstandort bei Mindelheim in Bayern. 2011 hat er für 550 Kühe auf grüner Wiese gebaut. 2013 folgte eine Biogasanlage, 2019 ein weiterer Kuhstall und 2020 vier Kälberställe. Die alte Hof­stelle im Dorf ist etwa 1 km entfernt. Der ehemalige Boxenlaufstall für 250 Kühe beherbergt aktuell die hochtragenden Rinder und bietet einen großen Strohbereich für alle Abkalbungen.

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Dreimal täglich melken

Noch vor 15 Jahren war die Herde ein bunter Mix aus Holsteins, Braunvieh- und Fleckviehkühen. „Bei gleicher Fütterung und gleichem Management gaben die Holsteins damals 2 000 kg mehr Milch je Kuh und Jahr“, sagt Johannes Kerler, der den ursprünglichen Familienbetrieb leitet. Die Möglichkeit, hohe Milchleistungen zu melken und eine hochleistende Herde zu managen, waren für den Landwirt besonders reizvoll. Und das hat er auch geschafft: Mittlerweile liegt die Herdenleistung bei 12 400 kg Milch je Kuh und Jahr.

Etwa 30 Mitarbeiter sind auf dem Vieweidhof angestellt. Zusammen sind das 17 Voll-Arbeitskräfte inklusive Familie und zudem drei Auszubildende. Das Herdenmanagement übernimmt Johannes Kerler mit seiner Freundin Valerie, die Tierärztin ist.

Die Kühe werden in einem 60er-Außenmelker-Karussel gemolken – dreimal täglich um 5, 13 und 21 Uhr. Mit einigen Tricks hat der Betrieb die Melkzeit von drei auf zwei Stunden verkürzt:

  • Desinfektion der Melkzeuge vor der Brücke (Eingang ins Karussell).
  • Keine Abnahme der Melkzeuge auf der Brücke.
  • Keine Kuh fährt zweimal rum.

Die Kühe sind je nach Laktation in sechs Gruppen eingeteilt. Zudem gibt es zwei Frischmelkergruppen für Färsen und Mehrkalbskühe. Für Schlachtkühe (zuchtuntauglich) gibt es eine, für Trockensteher zwei Gruppen. Die Abgangsleistung der Kühe liegt momentan bei 37 000 kg im Schnitt. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt der 30-Jährige.

Beim Optimieren steht für Johannes Kerler vor allem eins im Vordergrund: Ruhe in der Herde – ganz besonders bei den Frischmelkern. „Unsere Kühe sollen so wenig Stress wie möglich haben. Deshalb reduzieren wir die Arbeiten an der Kuh“, sagt er. Früher haben er und seine Mitarbeiter täglich die Temperatur der Frischmelker gemessen. Mittlerweile beschränken sie die Einzeltierkontrolle auf die Milchmenge, den Leitwert und die tägliche Tierbeobachtung. Zukünftig möchte der Rinderhalter die Wiederkauaktivität seiner Kühe messen, um Probleme möglichst früh zu erkennen. Zudem bestimmt er alle zwei Wochen den Body-Condition-Score bei tragenden Kühen mit weniger als 30 kg Milch je Tag, um die Energieversorgung der Altmelkenden zu prüfen.

Der Stallbereich für die Frischmelker besteht aus 44 Liegeboxen. „Trotzdem sind 30 Tiere die Obergrenze. Die Unterbelegung sorgt für Ruhe“, sagt er.

Nutzungsdauer und Milch

Auch in der Zucht sieht Johannes Kerler noch Potenzial. Bei der Bullenauswahl sind ihm funktionale Merkmale wichtig, wie eine Nutzungsdauer mit über 120 Punkten. Zudem legt er Wert auf eine Leistung von mindestens +1 000 kg und gute Milchinhaltsstoffe. „Am liebsten sind mir Bullen ohne Extreme“, erklärt er. Kühe, die weniger als 50 kg und Färsen, die weniger als 35 kg Milch geben, werden mit Weißblauen-Belgiern belegt. Wenn ein Tier dreimal umbullt, enthält die vierte Besamung ebenfalls Fleischrassesperma.

Seit drei Jahren lässt der Landwirt seine Herde typisieren. „Die genomischen Daten bestätigen sich. Das stelle ich insbesondere bei der Strichlänge, dem wirtschaftlichen Zuchtwert RZ€ und extremen Merkmalen fest“, sagt Johannes Kerler. Die schlechtesten 5 % der Kälber selektiert er deshalb.

Die Remontierungsrate liegt aktuell bei etwa 30 %. Um genügend Nachzucht für die eigene Herde zu haben, besamt er einen Teil der Kühe gesext.

Kälber sind Kühe von Morgen

Die Kälber zieht der Vieweidhof selbst auf. Die vier baugleichen Kälberställe funktionieren im Rein-Raus-System: Die Neugeborenen kommen in eine einzelne Box nach dem US-amerikanischem Pen-System – also modularen Kälberboxen. Nach etwa zwei Wochen stehen die Kälber in 2er-Gruppen und nach fünf Wochen in 15er-Gruppen. „Wenn mehr als 15 Kälber in einer Gruppe sind, bleibt eins immer hinten an. Der Platz ist zwar Luxus, aber das sind meine Kühe von morgen“, erklärt Johannes Kerler. In den Wintermonaten tragen die Kälber Decken.

Während der 12-wöchigen Tränkephase bekommen die Kälber im Mittel täglich 10 Liter pasteurisierte Vollmilch. Ein Vollmilchaufwerter säuert die Milch an, ergänzt Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Ab dem ersten Lebenstag steht den Tieren Wasser und Kälber-TMR zur Verfügung.

Die jungen Tiere stallt der Milchkuhhalter erst im Fresseralter aus. Danach wird der Stall gereinigt, desinfiziert und ist bezugsfähig. Kreuzungskälber vermarktet er mit etwa 80 kg auf einer Auktion in Buchloe. Die Holstein-Jungrinder sind auf vier verschiedenen Aufzuchtbetrieben untergebracht.

Mehr Holsteins im Süden

Im Landkreis Mindelheim gibt es noch zwei weitere große Holstein-Betriebe. Johannes Kerler meint: „Zwar hat man bei Fleckvieh mehr Nebenerlöse. Aber für mich ist die Wahl der Rasse eine Glaubensfrage. Zu uns passen die Holsteins einfach.“

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