Milchmarkt

Private Lagerhaltung: Der richtige Weg?

Der europäische Milchindustrieverband begrüßt die Bezuschussung der EU-Kommission für die Private Lagerhaltung. Das European Milk Board fordert eine parallele EU-weit greifende Milchmengenreduzierung.

Die von der EU-Kommission angekündigten 30 Mio. € Hilfe für die Private Lagerhaltung von Magermilchpulver, Butter und Käse können nur ein erster kleiner Schritt sein, erklärt der europäische Milchindustrieverband (EDA) in einer Pressemitteilung. Der Verband gab bekannt, die EU-Kommission aufgefordert zu haben, die am Mittwoch verabschiedeten Vorschläge unverzüglich umzusetzen und die zugesagte Unterstützung dem Ausmaß der Krise sowie der Bedeutung des Milchsektors anzupassen. Denn EU-Kommissar Janusz Wojciechowski habe in seiner Diskussion mit dem europäischen Parlament bestätigt, dass das Ausmaß der Krise die Möglichkeiten des aktuellen Haushalts übertreffe. Laut EDA habe die Coronakrise das Potenzial die größte Krise seit Jahrzehnten zu werden. Die Unterstützung sei für die Milchbranche von zentraler Bedeutung.

EU-weiter Lieferverzicht

Mit Unverständnis reagiert das European Milk Board (EMB) auf das angekündigte Maßnahmenpaket der EU-Kommission. In einer Pressemitteilung heißt es: Das Instrument der Lagerhaltung hatte – ebenso wie auch der zweite aktuelle Kommissionsvorschlag, Erzeugerorganisationen und Branchenverbänden die Planung der Produktion zu erlauben – schon in der Vergangenheit Krisen nicht eindämmen können. Wie Erwin Schöpges, Vorsitzender des EMB, erläutert, könne man die Krise nur bewältigen, wenn man das zu hohe Angebot bei der Rohmilch durch einen EU-weit koordinierten freiwilligen Lieferverzicht reduziert. Zudem dürften die Lagermengen 45.000 Tonnen für Milchpulver und 60.000 Tonnen für Butter nicht überschreiten.

Wie Menge reduzieren?

Welche Möglichkeiten ein Landwirt hat, die Milchmenge, wie von einigen Molkereien derzeit gefordert, kurzfristig zu minimieren, erklärt Cord Lilie. Er ist Vorsitzender des Ausschusses Milchproduktion und Rinderhaltung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Mitglied der Arbeitsgruppe Spitzenbetriebe Milcherzeugung und Milchviehhalter aus dem Kreis Minden-Lübbecke. In einer DLG-Pressemitteilung heißt es, es zeichneten sich zwei Wege zur Milchmengenreduktion ab: Die Reduktion des Leistungsfutters oder Vorziehen des Trockenstellens und der Vermarktung von Schlachttieren.

Maßnahmen bringen Nachteile für Milcherzeuger

Laut Lilie scheide eine Reduktion des Leistungsfutters aus, da es aus Tierschutzgründen nicht zu vertreten sei, hochleistende Tiere nicht ausreichend zu versorgen. Niederleistende Kühe erhielten nur geringe Mengen Leistungsfutter und würden nur sehr begrenzt mit einer Abnahme der Milchleistung reagieren. Die Veränderungen der Milchleistung hätte Lilie zufolge erhebliche Auswirkungen zum Beispiel auf die Leistungsdaten der Tiere. Das wirke sich wiederum auf die zukünftige Vermarktung von Zuchttieren und auch auf die Zuchtwerte von töchtergeprüften Zuchtbullen aus.

Durch das vorzeitige Trockenstellen und Schlachten von Abgangskühen kann eine begrenzte Drosselung auf Einzelbetriebsebene erfolgen. Allerdings seien Größenordnungen von 20 % oder mehr auch hiermit nicht realisierbar. Denn auch hier kämen wieder Tierschutzgesichtspunkte zum Tragen, wenn in großem Umfang Tiere mit mehr als 30 l Tagesleistung trockengestellt werden.

Molkereien sind in der Pflicht

Da eine Begrenzung der Produktion auf den landwirtschaftlichen Betrieben immer auch mit Einkommensverlusten einhergehe, fordert der Milchviehhalter die Verarbeitungsbranche dazu auf, zur Entschärfung der Krise beizutragen. „Jetzt wäre es von Vorteil, wenn wir über eine Branchenorganisation verfügen würden, die für einen solidarischen Mengenausgleich zwischen den Molkereien sorgen würde“, erklärt er.


Diskussionen zum Artikel

von Gerd Uken

Gestern konnte man Frau Otte Kinast

auf NDR 1 zwei Std. lang hören. In Bezug auf Spargel ob der denn jetzt teurer werden würde wegen der höheren Hygiene Standards und weil die Gastronomie ja jetzt als Verbraucher weg gefallen wäre( vorerst) kam die Aussage: Man müsse das Angebot der Nachfrage anpassen! Zu dumm nur ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Der MIV und die Molkereien haben den Ernst der Lage nicht begriffen!

Nur gesunde Erzeugerbetriebe sorgen letztendlich für Andienungssicherheit! Ist diese Basis erst weg, wird es auch für die Meiereien schwieriger, die Syteme nachhaltig auszulasten!

von Peter Guhl

Niedlich!

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast Spaß daran haben, zu erfahren, welche Vielzahl von Gründen gegen eine Reduzierung der Anlieferungsmenge sprechen. Ich für meinen Fall brauche dazu keine Expertentipps. Weder von der DLG noch von anderen Dampfplauderern. Ich hatte eine ... mehr anzeigen

von Hans Nagl

Herr Cord Lilie

Bitte auch mal lesen Göttinger Erklärung der Tierarzte.

von Rudolf Rößle

Frei

Rampe für 21 Cent Milch ins Haus für freie Verarbeitungskapazitäten. Der Himmel für Geschäftsinhaber.

von Martin Siekerkotte

Warum

sollte zb das DMK Interesse daran haben Milchmenge zu reduzieren gerade das DMK profitiert von der jetzigen Marktlage sie können ihre freien Kapazitäten mit günstigere Rohmilch auslasten und dann ins lager schieben Heinz u Ingo verdienen gerade richtig Geld aber keine angst die bauern ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Genau so ist es

Die Molkereien lachen sich jetzt eins- Pulvertürme ausgelastet und der Milchpreis wird mind bis zum 1 Quartal 2021 so niedrig bleiben...

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