Prof. Thiele: Ab Sommer wieder deutlich über 30 Cent

Professor Holger D. Thiele vom ife Institut in Kiel ist der Meinung, dass die Branche ein Milchbarometer benötigt. Dadurch könnten alle Beteiligten schnelle und frühzeitige Signale zur möglichen Entwicklung des Milchmarkts erhalten, sagte der Fachmann im Interview mit der DMK-Mitgliederzeitschrift „Milchwelt“.

Professor Dr. Holger D. Thiele ist Direktor des ife Institut für Ernährungswirtschaft in Kiel (Bildquelle: DMK-Zeitschrift MILCHWELT)

Professor Holger D. Thiele vom ife Institut in Kiel ist der Meinung, dass die Branche ein Milchbarometer benötigt. Dadurch könnten alle Beteiligten schnelle und frühzeitige Signale zur möglichen Entwicklung des Milchmarkts erhalten, sagte der Fachmann im Interview mit der DMK-Mitgliederzeitschrift „Milchwelt“.
 
Dieser Ausblick würde dann seiner Meinung nach zu einer höheren Markttransparenz beitragen. Die Milcherzeuger würden bei ihrer eigenen Einschätzung der zukünftigen Marktsituation für die nächsten Monate und in ihrer daraus resultierenden Milchmengenplanung wirksam unterstützt.

Thiele gesteht aber ein, dass verlässliche Vorhersagen im Milchmarkt für alle Beteiligte grundsätzlich sehr schwer seien. „Das IGMilchbarometer gibt zu einem bestimmten Termin – Monatsende – einen Ausblick auf die Milchwerte der nächsten zwölf Monate. Zu dem jeweiligen Zeitpunkt ergibt das ein gutes Bild über die Markteinschätzungen. Dahinter stehen ja wirklich gehandelte Mengen und Preise an Butter und Magermilchpulver für die nächsten zwölf Monate. Aber es ist immer nur eine Momentaufnahme der Markterwartungen.“
 
Vor dem Hintergrund der jetzigen internationalen und nationalen Marktdaten geht das ife Institut laut dem Professor davon aus, dass wir uns dieses Jahr bei den Milchpreisen deutschlandweit oberhalb der 30-Cent-Marke bewegen werden und in der zweiten Jahreshälfte deutlicher darüber. „Unsere Milchpreise weisen statistisch einen sehr hohen Preiszusammenhang zu den Milchpreisen der anderen EU-Länder und auch des Weltmarktes auf. Deutlich zugenommen hat der Einfluss der weltweiten Energiepreise mit Schwankungen der internationalen Nachfrage durch energieexportierende Länder.“
 
Als Konzepte gegen diese Volatilität rät Thiele zu mehr Risikomanagement. Innerbetrieblich gelte es, sich auf die Preisschwankungen einzustellen, zum Beispiel durch bessere und häufigere Liquiditätsplanungen. Auch Rücklagen gehören seiner Meinung nach dazu. Zusätzlich seien Konzepte zur Sicherung von zukünftigen Preisen hilfreich. „Mittlerweile bietet die EEX in Leipzig seit Mitte 2010 Terminkontrakte auf Butter und Magermilch- und Molkenpulver an. In diesem Jahr kommt ein Flüssigmilch- Futurekontrakt neu hinzu.“
 
Von der Politik erwartet Thiele jedenfalls keine Hilfe. „Ich sehe nicht, dass die Politik die Preisschwankungen reduzieren kann. Erst recht nicht mehr seit der Absenkung der Interventionspreise für Magermilchpulver und Butter ab 2004. Aus meiner Sicht sollte die Politik Risikomanagement- Maßnahmen unterstützen, die den Milcherzeugern helfen, mit den Preisschwankungen umzugehen“, sagte er im Interview und fordert eine Verbesserung der Markttransparenz.
 
Als größte Gefahren fürchtet Thiele für den globalen Milchmarkt die Politikrisiken. Es seien wieder vermehrte Tendenzen zur Abschottung der heimischen Märkte zu beobachten. Es wäre viel leichter mit den Marktschwankungen umzugehen, wenn man weltweit integrierte Märkte hätte. Zu den Politikrisiken zähle er daher auch den Brexit mit den noch unbekannten Auswirkungen auf die Milchhandelsströme.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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