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Rindertransporte: BRS legt Tiertransportstandard vor

Rindertransporte stehen in der Kritik. Der Bundesverband Rind und Schwein (BRS) hat jetzt ein Positionspapier vorgelegt und spricht sich darin für einen einheitlichen Standard bei Tiertransporten aus.

Lesezeit: 4 Minuten

Rindertransporte über tausende Kilometer nach Russland oder Nordafrika stehen massiv in der Kritik. Immer wieder soll es Tierschutzverstöße geben, lautet der Vorwurf von Tierschützern. Der Bundesverband Rind und Schwein (BRS) spricht sich angesichts der anhaltenden Kritik dafür aus, die Bedingungen bei Rindertransporten aus Deutschland in andere EU-Länder sowie Drittstaaten nachhaltig zu verbessern.

Geschäftsführerin Dr. Bianca Lind hat dazu gemeinsam mit BRS-Mitgliedsunternehmen im Vorfeld der in dieser Woche stattfindenden Agrarministerkonferenz (AMK) ein Positionspapier vorgelegt, das über die Vorgaben der EU-Tiertransportverordnung 1/2005 hinausgeht (s.u.).

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Mit einem einheitlichen Standard für Tiertransporte sollen die Mitglieder des BRS künftig die tiergerechten Transportbedingungen nachweisen. Gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen und der AFC Consulting Group wird der BRS ein Pilotprojekt zur Erhebung von Kriterien zum Tierwohl durchführen. „Die Diskussion um Tiertransporte hat die Sachebene verlassen und wird zunehmend ideologisch und politisch motiviert geführt“, bemängelt Dr. Michael Lendle, Geschäftsführer der AFC Consulting Group. Die Erarbeitung des Tiertransportstandards erfolgte in enger Abstimmung mit verantwortlichen Tierärzten.

Die wichtigsten Punkte sind:

  • Der BRS spricht sich für die Entwicklung schärferer Kriterien zur Einhaltung des Tierwohls beim Tiertransport aus. Vor der Verladung von Transporttieren sollen u.a. die Anzahl, die Rasse, der Hornstatus, der Trächtigkeits- und Gesundheitsstatus erfasst werden. Auch die Zulassung des Unternehmens, den Befähigungsnachweis des Fahrers, den Zustand des LKW mit Raumangebot und Einrichtungszustand (Tränke, Wände, Ventilatoren, Temperatursensoren, GPS) will der Verband vor der Abfahrt stärker kontrollieren lassen.



    Während der Fahrt sollen der Gesundheitszustand, die Wasser- und Futterversorgung, die Einstreu und Entmistung, die uneingeschränkte Funktionsfähigkeit der Lkw-Einrichtung, die Beförderungsdauer und der Temperaturverlauf kontinuierlich erfasst werden müssen. Der Transporteur soll auch die Routenführung mit Ruhezeiten und Beförderungsdauer dokumentieren müssen.



    Am Bestimmungsort soll ein Monitoring des Gesundheitsstatus der Tiere stattfinden, gegebenenfalls bis in den Zielbetrieb hinein.

  • Zur Überprüfung der Standards sollen amtliche Behörden neben dem uneingeschränkten Zugang zu wichtigen Dokumenten wie dem Fahrtenbuch, den Navigationsdaten, der Temperaturführung während der Fahrt usw. anlassbezogen auch alle tierwohlbezogenen Daten in Echtzeit einsehen dürfen. Dem BRS schwebt vor, dass eine amtliche Behörde z.B. die Messdaten des Temperaturfühlers kontinuierlich erhält.

  • Für die Erfassung und Speicherung aller relevanten Daten will der BRS eine elektronische Datenbank erstellen. Durch die digitale Datenerfassung können die Daten fälschungssicher aufgezeichnet werden, argumentiert der Verband. Im Verdachtsfall sollen die Datensätze allen zuständigen Behörden zugänglich gemacht werden.

  • Der BRS-Tiertransportstandard sieht harte Strafen bei festgestellten Verstößen oder Fehlverhalten vor, die über ohnehin geltende gesetzliche Regelungen hinausgehen. Neben einer einfachen Ermahnung will der BRS Verstöße mit hohen Geldstrafen ahnden oder das BRS-Mitglied in schweren Fällen sogar aus dem Verband ausschließen.

  • Ganz nach dem Motto „Lebenslang lernen“ bringt der BRS gemeinsame Fortbildungsmaßnahmen ins Gespräch. Unternehmen, Behörden und Tierärzte sollen sich regelmäßig austauschen und das Thema Tierwohl beim Zuchttiertransport weiter voranbringen.

BRS-Geschäftsführerin Dr. Bianca Lind betont gegenüber top agrar, dass die Branche unter Beobachtung stehe und man sich keine Fehltritte erlauben dürfe, wenn man auch in Zukunft Zuchttiere in anderen Länder exportieren wolle. „Wir nehmen die Kritik ernst und rücken das Tierwohl in den Mittelpunkt des Transports, obwohl sich die Kritik bisher auf Masttiere bezieht und keine berechtigten Hinweise für Vorfälle bei Zuchtrindertransporten vorliegen“ so Lind.

„Mit dem BRS-Tiertransportstandard wollen wir die Dokumentation des Tierwohls bei Langstreckentransporten deutlich verbessern und sicherstellen, dass deutsche Zuchttiere auch in Zukunft im Ausland dazu beitragen, dass vor Ort die Nahrungsmittelversorgung gesichert ist.

Durch seinen Vorstoß will der BRS auch den für die Ausstellung der sogenannten Vorlaufatteste zuständigen Amtsveterinären mehr Sicherheit geben, insbesondere in Bezug auf moralisch-ethischen Bedenken. In jüngster Zeit haben sich immer mehr Amtsveterinäre der Landkreise verweigert die Atteste auszustellen, da sie Unregelmäßigkeiten auf den Langstreckentransporten befürchten. Gegen das Vorgehen hatten die Mitglieder des BRS erfolgreich vor verschiedenen Verwaltungsgerichten geklagt. Die Amtsveterinäre der Landkreise sind ausschließlich dafür zuständig, die Gesundheit und Transportfähigkeit der Exportiere im Lieferbetrieb zu bescheinigen, betont der BRS.

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