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Ödemkrankheit: „Die Impfung stabilisiert die Darmgesundheit“

Um weniger Antibiotika einsetzen zu müssen, entschied sich Jan-Hendrik Hohls im Kampf gegen die Ödemkrankheit für die Impfung. Positiver Nebeneffekt: Es traten auch weniger Beißereien auf.

Lesezeit: 6 Minuten

Seit fünf Jahren kupiert Ferkelerzeuger Jan-Hendrik Hohls keine Ferkelschwänze mehr. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei ein gesunder Darm, ist der Landwirt aus Becklingen (Landkreis Celle) überzeugt. Deshalb standen für ihn die Impfungen gegen die Ödemkrankheit und gegen die Ileitis eigentlich nie zur Diskussion, auch wenn sie mit deutlichen Mehrkosten verbunden sind.

Der 42-Jährige bewirtschaftet in der Nähe von Bergen einen teilgeschlossenen Betrieb mit 320 Sauen, 2.000 Ferkelaufzuchtplätzen und eigener Mast. Zwei Drittel seiner Ferkel mästet Hohls selbst aus, den Rest verkauft er bereits seit etlichen Jahren an einen festen Mäster.

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Bis zu 20% Aufzuchtverluste

„Die Ödemprobleme begannen vor zehn Jahren, damals noch im alten Sauen- und Ferkelaufzuchtstall an der Hofstelle“, erinnert sich Hohls. Die erkrankten Absetzferkel zeigten die klassischen Symptome. In der schlimmsten Phase betrugen die Verlustraten in der Aufzucht 20 %!

Die akut erkrankten Ferkel wurden mit einem Kombinationspräparat aus Colistinsulfat und Zinkoxid behandelt. „Mit Antibiotika macht man jedoch auf lange Sicht den Darm kaputt“, ist Jan-Hendrik Hohls überzeugt. Deshalb schaute er sich früh nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten um. Er war daher einer der ersten Betriebe, die damals den noch in der Zulassung befindlichen Shigatoxinimpfstoff per Ausnahmegenehmigung einsetzen durften.

„Die Impfung wirkte sofort“, erinnert sich der Landwirt. „Beim nächsten geimpften Durchgang wiesen einzelne Ferkel zwar noch leicht geschwollene Lider auf. Es trat aber keine Klinik mehr auf, und es gab auch keine Todesfälle mehr.“ Seitdem will Hohls auf die Shigatoxinimpfung nicht mehr verzichten, zumal er auch einen positiven Effekt auf das Schwanzbeißen feststellen konnte.

Weniger Beissereien

Zum Thema Ringelschwanz kam der Betriebsleiter eher zufällig, als er vor fünf Jahren einen neuen Stall für 320 Sauen inklusive Ferkelaufzucht baute. Um für künftige Vorgaben der Schweinehaltungsverordnung gewappnet zu sein, baute er vorausschauend und nahm am Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz teil. Im Abferkelbereich entschied er sich für 7,3 m² große Bewegungsbuchten.

Das trieb allerdings die Baukosten in die Höhe. „Bei der Kalkulation wurde mir schnell klar, dass ich den Stall auf Basis der durchschnittlichen Ferkelpreise der letzten Jahre nicht tilgen kann“, erinnert sich der 42-Jährige. Deshalb entschied er sich, am Ringelschwanzprogramm des Landes Niedersachsen teilzunehmen. Das Land zahlt 5 € je Ferkel und 16,50 € je Mastschwein, wenn jederzeit 80% der Aufzuchtferkel bzw. 70% der Mastschweine über einen intakten Ringelschwanz verfügen.

„Ob der Kupierverzicht funktioniert, hängt nach meiner Erfahrung zu einem Drittel von der Genetik und zu einem weiteren Drittel vom Futter ab. Das restliche Drittel teilen sich die Tiergesundheit und das Haltungsverfahren“, ist Jan-Hendrik Hohls überzeugt.

In puncto Tiergesundheit spielt seiner Meinung nach dabei die Darmgesundheit eine zentrale Rolle. „Wir stellten fest, dass die Shigatoxinimpfung nicht nur gegen Ödeme wirkt, sondern auch das Auftreten von Schwanzbeißen und Ohrrandnekrosen reduziert“, erinnert sich der Landwirt.

„Es könnte daran liegen, dass das von den Colikeimen gebildete Toxin die feinen Blutgefäße in den Schwanz- und Ohrspitzen verstopft. Das Gewebe wird dadurch schlechter durchblutet und fängt an zu jucken“, mutmaßt der betreuende Tierarzt Sönke Hartjen von der Vet-Team GmbH in Vechta. Um den Juckreiz zu stillen, lassen sich die betroffenen Tiere dann gern von ihren Buchtengenossen belecken oder beknabbern.

Weizen raus, Gerste rein

Neben der Impfung spielt nach Ansicht von Jan-Hendrik Hohls die Futterqualität eine sehr wichtige Rolle. Vor zwei Jahren hat er deshalb in eine computergesteuerte Mahl- und Mischanlage investiert. „So kann ich die Futterchargen je nach Qualität ganz gezielt einsetzen, die Rezepturen schneller anpassen und spontan neue Mischungen ausprobieren“, lobt Hohls die Vorteile.

„Den Weizenanteil habe ich in allen Rationen deutlich reduziert und durch Gerste ersetzt, denn Weizen fördert Allergien und bringt zu viel Eiweiß in die Ration“, berichtet Jan-Hendrik Hohls. Das Aufzuchtfutter besteht heute daher zu 50% aus Gerste, 20% Haferflocken, 20% Eiweißergänzer und nur noch zu 10% aus Weizen.

Zusätzlich zu diesem „Wachstumsfutter“, das über Trockenfutterautomaten verabreicht wird, bietet der Agraringenieur den Ferkeln in Fressschalen ein Beschäftigungsfutter an. Es besteht aus Kleie, dem abwechselnd Gesteins- und Fischmehl beigemischt werden, um es attraktiv zu machen.

„Wichtig ist zudem, wie das Futter verabreicht wird“, ist der Landwirt überzeugt. „Denn in der Natur verbringen Wildschweine den größten Teil damit, den Boden nach Nahrung abzusuchen. Deshalb reicht es nicht, dass zweimal am Tag das Futterventil zischt.“ Der Landwirt bietet seinen Schweinen das Trockenfutter daher bodennah an. Die Trogkanten der aus den Niederlanden stammenden Automaten befinden sich nur wenige Zentimeter über dem Boden. Kotschieber, die in allen Ställen unter den Spalten installiert sind, sorgen dafür, dass durch die Spalten fallende Faserkomponenten nicht den Gülleabfluss verstopfen.

Einfluss der Genetik

Großen Einfluss auf das Beißgeschehen hat nach Ansicht von Hohls zudem die Genetik. Auf der Sauenseite ist der Landwirt deshalb der bereits im alten Stall bewährten langlebigen und ruhigen Viktoria-Sau von BHZP treu geblieben. Angepaart hat er die Sauen im neuen Stall zunächst mit reinen Duroc-Ebern. Inzwischen ist Hohls auf den BHZP-Eber Carl umgestiegen, eine Kreuzung aus Duroc und Piétrain. Denn das Fleisch der Endprodukte kommt bei dem Schlachter, mit dem Hohls seit einem halben Jahr zusammenarbeitet und bei den verarbeitenden Metzgern allerbestens an.

„Natürlich spielt auch das Haltungsverfahren beim Verhindern von Beißereien eine wichtige Rolle“, ist Jan-Hendrik Hohls überzeugt. „Ideal ist, wenn die Schweine bei allem eine Wahlmöglichkeit haben.“ Beim Futter können die Flatdeckferkel z.B. zwischen dem Wachstums- und dem Beschäftigungsfutter wählen. Beim Saufen haben sie in jeder Bucht die Wahl zwischen Schalen- sowie Nippeltränken. Und je nach Wärmebedarf können die Tiere sich für die kühlenden Betonspalten oder die wärmeren Kunststoffroste entscheiden.

Im Flatdeck haben die Ferkel zudem die Wahl zwischen dem Parterre mit geschlossenen Trennwänden und dem erhöhten Balkon, auf dem es im Schnitt zwei bis drei Grad wärmer ist. Hier können sie darüber hinaus über offene Gitter Sozialkontakt zu den Tieren der Nachbarbucht aufnehmen.

„Und im neuen Maststall haben die Schweine später zusätzlich die Wahl, ob sie sich lieber im Innern des Stalles aufhalten oder die frische Luft im überdachten Auslauf genießen wollen“, erläutert Hohl die Vorteile des noch im Bau befindlichen Offenfrontstalles.

„Das alles kommt dem Tierwohl zugute. Und wenn sich die Schweine rundum wohl fühlen, gibt es am Ende auch weniger Beißereien“, ist der Landwirt überzeugt.

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