Afrikanische Schweinepest (ASP)

Bauern rechnen noch mehrere Jahre mit Belastungen der ASP

Ein Jahr nach dem erstmaligen Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland, sind die Schweinehalter ernüchtert. Von der Agrarministerkonferenz fordern sie mehr Bekämpfungsmaßnahmen.

Schweinehalter blicken ernüchtert und ermattet auf das erste Jahr seit der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest bei Wildscheinen in Deutschland zurück. Am morgigen Mittwoch, den 01.09.2021 trifft sich die Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern zu einer Sondersitzung. Im Mittelpunkt sollen dort die künftigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) stehen.

Vorbeugung ernster nehmen

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) appellierte an seine Amtskollegen vorbeugende Maßnahmen in Bezug auf die weitere Verbreitung der Tierseuche ernster zu nehmen und die betroffenen Bundesländer bei der Umsetzung dieser Maßnahmen besser finanziell zu unterstützen. „Wenn wir die ASP nicht in den Griff bekommen, wird es über kurz oder lang kaum noch Schweinehaltung in Deutschland geben“, sagte Backhaus.

Finanzielle Hilfen vom Bund

Auch Brandenburgs Agrarminister Axel Vogel (Grüne) fordert mehr Unterstützung vom Bund bei der ASP-Bekämpfung. Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern bringt Brandenburg bei der AMK eine Beschlussvorlage dazu ein. „Der Bund wälzt die Last auf die Anrainerländer der polnischen Grenze ab“, sagte Vogel im Vorfeld der Sonder-AMK. Er erwarte von der Bundesregierung, ein umfassendes Förderprogramm für die schweinehaltenden Betriebe in den von ASP betroffenen Regionen, um die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen der Betriebe bei der Vermarktung ihrer Schweine auszugleichen. Zudem soll er den Betrieben bei einem seuchenbedingten temporären Ausstieg oder Teilausstieg aus der Erzeugung finanzielle Unterstützung leisten. „Der Aufbau regionaler Schlachtmöglichkeiten und Wertschöpfungsketten muss ebenfalls Bestandteil eines Förderprogramms sein“, sagte Vogel.

Mehr als 2000 Fälle bestätigt

Der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert im Vorfeld gemeinsam mit den von der ASP betroffenen Landesbauernverbänden eine noch stärkere Bekämpfung der Seuche in Deutschland. Trotz Monitoring und Eindämmungsmaßnahmen sei der Seuchendruck durch ständige Wildschweinwanderungen aus Polen in Deutschland weiterhin hoch, teilt der DBV mit. Die ASP breite sich entlang der Grenze nach Norden und Süden aus. Mehr als 2000 Fälle wurden inzwischen vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt.

Wildschweinwanderung aus Polen besser begrenzen

Der DBV-Veredlungspräsident und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschafts-verbandes, Hubertus Beringmeier, fordert, die Wildschweinwanderung aus Polen zukünftig noch wirkungsvoller zu unterbinden: „Die Bekämpfung dieser Tierseuche ist eine überregionale Aufgabe, die aktuell bereits rund 10 Landkreise und kreisfreie Städte in zwei Bundesländern betrifft. Um der für die Schweine tödlichen Tierseuche endlich Herr zu werden, bedarf es der Umsetzung eines regionenübergreifenden, gut koordinierten Schutz- und Bekämpfungskonzeptes entlang des gesamten Grenzverlaufs zu Polen“, sagte er.

Landesbauernverbände fordern wildschweinfreie Zonen

Die Präsidenten der betroffenen Landesbauernverbände machen sich indes große Sorgen um die Schweinehalter in den östlichen Bundesländern: „Die Einrichtung einer Wildschweinebarriere durch den Bau des zweiten festen Zauns in ca. 1 km Abstand ergänzend zu dem bereits errichteten durchgängigen Wildschweinezaun entlang der gesamten deutsch-polnischen Grenze, muss vorangetrieben und schnellstmöglich abgeschlossen werden“, fordert der DBV-Vizepräsident und Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Detlef Kurreck. Nach Fertigstellung dieses Korridors müsse dieser durch Umsetzung eines wirksamen Entnahmekonzeptes eine wildschweinfreie Zone werden und bleiben.

„Mit Beginn des Herbstes muss die Entnahme des Schwarzwildes auch in den bestehenden Restriktionszonen mit allen geeigneten Maßnahmen verstärkt vorgenommen werden. Das Virus darf sich in den bereits betroffenen Gebieten nicht weiter ausbreiten. Vielmehr muss alles daran gesetzt werden, die Seuche im Land zu tilgen“, sagt Torsten Krawczyk, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes.

Dauerhafte Entschädigung für Schweinehalter in Restriktionszonen

Unter der derzeitigen Seuchensituation leiden am meisten die Schweinehaltungsbetriebe in den Restriktionszonen. Trotz Ertragsschadensversicherung, die Nachteile nur über einen begrenzten Zeitraum ausgleicht, kommen auf die Tierhalter Kosten für zusätzliche Beprobungen der Schweine, für erheblich weitere Transportwege zu einem Schlachthof sowie erhebliche Preisabschläge bei der Vermarktung zu. „Die aktuellen Restriktionszonen werden uns nach derzeitigem Stand noch mehrere Jahre erhalten bleiben. Es muss daher dringend ein Weg gefunden werden, dass wir Schweinehalter in den von ASP betroffenen Gebieten eine dauerhafte, angemessene finanzielle Entschädigung für diese erheblichen Nachteile bekommen“, fordert der Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Henrik Wendorff. Andernfalls sehen sich noch mehr Landwirte gezwungen, mit der Tierhaltung aufzuhören.


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