Marktchancen

Biofleisch – Nische mit Potenzial

Bioschweine sind weiterhin gefragt und erzielen derzeit Spitzenpreise. Einige konventionelle Schweinehalter überlegen deshalb umzustellen. Welche Perspektiven bietet der Bioschweinemarkt langfristig?

Viele Schweinehalter stehen derzeit mit dem Rücken zur Wand. Die anhaltende Preiskrise, die neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sowie die steigenden gesellschaftlichen Anforderungen stellen konventionelle Schweinehalter vor immer größere Herausforderungen.

Für Bioschweinehalter läuft es hingegen rund. Ferkelerzeuger freuen sich über Preise von 150 bis 160 € für ein 28 kg-Bioferkel. Biomäster erzielen derzeit Preise von rund 4,03 €/kg SG (Handelsklasse E, Stand September 2021).

„Diese Preise sind nach Berechnungen jedoch auch erforderlich, um die hohen Futter- und Arbeitskosten zu decken und wirtschaftlich zu arbeiten“, betont Bioberater Christian Wucherpfennig von der Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen. Nach wie vor übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Bioschweinen.

Der Selbstversorgungsgrad beläuft sich beim Bioschweinefleisch nach Informationen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) auf ca. 75 %. „Rund ein Viertel des Bioschweinefleischs wird nach wie vor importiert, vor allem aus den Niederlanden und Dänemark“, erklärt Diana Schaack, AMI-Marktanalystin für Ökolandbau. Einige Tierhalter überlegen deshalb, sich neu zu orientieren und auf Biohaltung umzustellen.

Doch welche Perspektiven bietet der Bioschweinemarkt überhaupt? Im ersten Teil unserer top agrar-Serie „Bioschweine“ geben wir einen Überblick über die aktuelle Marktsituation und lassen Experten die Zukunftschancen für den Markt einschätzen.

Bioschweine bleiben Nische

„Im vergangenen Jahr lag das Wachstum bei rund 50 % auf der Verbraucherseite“, berichtet Diana Schaack. Während die Nachfrage weiter anzieht, spiegelt sich der Bioboom auf der Erzeugerseite nur geringfügig wider.

„Im Jahr 2019 wurden rund 162.000 Bioschweine in Deutschland gehalten, im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 1.000 Tiere mehr“, beziffert Marktanalystin Schaack. Damit kamen im letzten Jahr deutschlandweit rund 350.000 Bioschweine an den Haken.

„Mit einem Marktanteil von 0,6 bis 0,7 % bleibt Bioschweinefleisch auch weiterhin eine Nische“, erklärt Bioberater Christian Wucherpfennig. In den letzten Jahren habe es zwar immer wieder Phasen mit Preisdruck gegeben, generell verzeichne der Bioschweinemarkt jedoch ein stetiges Wachstum. „Um die erwartete Nachfrage in den nächsten Jahren bedienen zu können, sind jährliche Wachstumsraten von 5 bis 10 % in der Bioschweinefleischproduktion nötig“, prognostiziert Christian Wucherpfennig.

LEH fragt stärker nach

Wachstumstreiber ist vor allem der...


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