Afrikanische Schweinepest

Britischer Schweinesektor warnt vor ASP-Einschleppung​ ​

Der NPA befürchtet eine Abkehr von den geplanten vollständigen Grenzkontrollen für Importwaren aus der EU. Damit könnten auch Importbeschränkungen für gekühltes Fleisch verschoben werden.

Vor einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in das Vereinigte Königreich hat jetzt der britische Schweineerzeugerverband (NPA) gewarnt. Anlass ist die Ankündigung der Regierung in London, die vollständige Einführung der Importkontrollen für Waren aus der Europäischen Union bis Ende 2023 zu verschieben. Der NPA befürchtet, dass die physischen Grenzkontrollen, die bereits dreimal zurückgestellt wurden, überhaupt nicht eingeführt werden sollen. Mit der Entscheidung seien auch die Dokumentationspflicht für EU-Einfuhren, etwa Gesundheitsbescheinigungen, und die Beschränkungen für Importe von gekühltem Fleisch verschoben worden, kritisierte der Verband.

"Unfaire Handelsbedingungen"

Er wies darauf hin, dass die britischen Lebensmittelexporteure seit Januar 2021 mit zusätzlichen Kosten, Störungen und Verzögerungen infolge der neuen EU-Kontrollen und -Anforderungen einschließlich der Dokumentation konfrontiert seien, was zu einem „erheblichen Rückgang“ des EU-Handels geführt habe. Die Regierung hatte den Aufschub unter anderem mit Kosteneinsparungen für die Unternehmen begründet. Für NPA-Geschäftsführerin Zoe Davies bedeutet dies nicht nur eine Ausweitung dieser grob unfairen Handelsbedingungen zu einer Zeit, in der der Schweinesektor dringend Fairness und gleiche Wettbewerbsbedingungen brauche. Vielmehr werde die Landwirtschaft auch potentiell verheerenden Krankheiten wie der ASP ausgesetzt.

„Erheblicher Schaden“ für Lebensmittel- und Agrarindustrie

Der Vorsitzende des britischen Tierärzteverbandes (BVA), James Russell, verwies ebenfalls auf die Gefahr der ASP-Ausbreitung und bekräftigte, dass der „zutiefst fehlgeleitete“ Schritt der Regierung dem gesunden Menschenverstand widerspreche. Russel forderte die Regierung auf, den Plan aufzugeben und den drohenden „erheblichen Schaden“ für die Lebensmittel- und Agrarindustrie abzuwenden. Andernfalls müsse sie schnellstens darlegen, wie sie in den nächsten Monaten die Tiergesundheit und den -schutz sicherstellen wolle.

Ansatz der Regierung "inakzeptabel"

Die Vorsitzende des englischen Bauernverbandes (NFU), Minette Batters, bezeichnete den Ansatz der Regierung erneut als „inakzeptabel“. So würden die britischen Landwirte weiterhin einem unfairen Wettbewerb mit ihren Konkurrenten in der EU ausgesetzt. Die nordirische Ulster Farmers‘ Union (UFU) wertete die Entscheidung als Rückschritt und forderte, diese „unverzüglich“ zu überdenken. Der scheidende UFU-Präsident Victor Chestnutt sprach ebenfalls von einem „völlig inakzeptablen und äußerst unfairen“ Schritt gegenüber den lokalen Erzeugern. Der Vorsitzende der Vereinigung Britischer Fleischverarbeiter (BMPA), Nick Allen, sieht in der Entscheidung der Regierung ein „zweischneidiges Schwert“ für viele Mitgliedsunternehmen. Zwar würden Importe billiger und einfacher, die Entscheidung berge aber auch ernste Risiken wie Lebensmittelbetrug, unlauteren Wettbewerb und die Gefährdung der Tiergesundheit.


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