Hohenloher Schweinetag

Die ASP-Statusuntersuchungen gehen weiter

Die aktuelle ASP-Situation, technische Hilfsmittel zur Früherkennung von Infektionen und die Chancen von Schweinefleisch-Qualtiätsprogrammen standen auf dem Programm des 7. Hohenloher Schweinetages.

„Der Erwerb des ASP-Status wird für Schweine haltendende Betriebe voraussichtlich auch nach Inkrafttreten des neuen EU-Tiergesundheitsrechts im nächsten Jahr möglich sein“, lautete die Kernbotschaft von Tierarzt Dr. Andreas Palzer aus Scheidegg während des 7. Hohenloher Schweinetages. Mehr als 200 Teilnehmer waren der Einladung der beiden Tierarztpraxen „Tierärzte Hohenlohe“ und „Tierärzteteam Tiefenbach GmbH“ zu der Infoveranstaltung gefolgt, die Corona-bedingt in diesem Jahr erstmals digital stattfand.

Dr. Palzer, Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt), berichtete zunächst über die aktuelle Situation bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Brandenburg und Sachsen. Dabei machte er noch einmal deutlich, wie wichtig es für den Bekämpfungserfolg ist, den Erregereintrag möglichst früh zu entdecken und die Seuche dann so konsequent wie möglich zu bekämpfen.

Als ASP-Statusbetrieb lieferfähig bleiben

Der Tierarzt betonte, wie entscheidend es auch für Schweinehalter außerhalb der derzeitigen Restriktionsgebiete sei, über rechtzeitige Statusuntersuchungen ihre Vermarktungsfähigkeit zu sichern. Denn wenn der Betrieb durch eine Verschleppung des Virus in ein Gefährdetes Gebiet rutsche, müsste aufgrund der dann erforderlichen Untersuchungen mit erheblichen Verzögerungen bei der Vermarktung gerechnet werden, da im Krisenfall mit einer deutlichen Überlastung sowohl der Veterinärämter als auch der Untersuchungslabors zu rechnen ist.

Das Erlangen des ASP-Status sei daher sowohl für Mäster als auch für Ferkelerzeuger zu empfehlen, die regelmäßig an Schlachthöfe bzw. Ferkelabnehmer außerhalb des dann zu erwartenden Gefährdeten Gebietes liefern. top agrar hat darüber in der Dezemberausgabe 2020 ausführlich berichtet.

Anpassungen gebe es bei den ASP-Statusuntersuchungen nach Inkrafttreten der neuen EU-Vorgaben aber voraussichtlich bei der Häufigkeit der Bestandsbesuche durch den amtlich bestellten Hoftierarzt. Im inneren Restriktionsgebiet (Risikozone III) werden künftig nicht nur zwei sondern vier Besuche pro Jahr fällig. Darüber hinaus sind Anpassungen bei den laufenden virologischen Untersuchungen zu erwarten. Fallen in einer Woche keine verendeten Tiere an, die älter als 60 Tage sind, die man bluten könne, müssen alternativ Ferkel beprobt werden, die nach dem Absetzen im Zeitraum der letzten 15 Tag vor dem Transport verendet sind.

Hilfsmittel zur Früherkennung von Infektionen

Um Zukunftstrends im Bereich Tiergesundheit ging es im Vortrag von Dr. Jochen Beckjunker. Der Mitarbeiter der Firma Boehringer Ingelheim Vetmedica stellte unter anderem das nadellose, intramuskuläre Impfsystem „FreVAX“ vor. „Das Verfahren ist deutlich tierschonender als das Impfen mit der Nadel und reduziert zudem die Gefahr der Erregerübertragung über infizierte Impfkanülen“, betonte Dr. Beckjunker.

Um Erkrankungen im Schweinebestand rechtzeitiger erkennen und dadurch früher behandeln zu können, entwickelt Boehringer zudem das Husten-Erkennungssystem „Sound Talks“ weiter. Mithilfe von Geräuschsensoren, die im Abteil aufgehängt werden, können Hustenprobleme künftig bereits im Frühstadium erkannt werden – auch nachts, wenn sich kein Betreuungspersonal im Stall befindet. Die Auswertungen können dann im Webportal oder in der dazugehörigen Smartphone-App betrachtet werden.

Zur frühen Diagnose dient auch das „Mobinostics“-Gerät, ein mobiles Labor in der Größe eines Schuhkartons, dass der Tierarzt künftig in seinem Auto mitnehmen kann. Das Analysegeräte kann mit einer Probe bis zu acht PCR- und Antikörperuntersuchungen für verschiedene Erreger durchführen. Die Ergebnisse liegen innerhalb von einer Stunde vor, sodass sich der Tierarzt noch vor Ort für ein geeignetes Antibiotikum bzw. den passenden Impfstoff entscheiden kann.

Chancen von Qualitätsprogrammen für Schweinefleisch

Im dritten Vortrag beleuchtete Klaus Dorsch die Chancen von Schweinefleisch-Qualitätsprogrammen in Süddeutschland. Der Redaktionsleiter von top agrar Südplus berichtete darüber, dass sich der Markt für Schweinefleisch in Süddeutschland angesichts der insgesamt rückläufigen Schweineproduktion in Bayern und Baden-Württemberg sowie eines rückläufigen Verzehrs von Schweinefleisch immer stärker aufsplittet. Die regionale Herkunft der Tiere gewinne bei den Qualitätsprogrammen, die die Schlachtunternehmen und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) anbieten, zunehmend an Bedeutung. Und immer häufiger werde die regionale Herkunft mit den Vorgaben der Initiative Tierwohl kombiniert.

Ausführlich stellte der top agrar-Redakteur den Umfang, die Teilnahmekriterien, die gezahlten Zuschläge sowie die Perspektiven der wichtigsten Qualitätsfleischprogramme vor. Dazu gehörten u.a. die Programme „Geprüfte Qualität Bayern“, „Gesicherte Qualität Baden-Württemberg“, das „Süddeutsche Schweinefleisch“ (Müller-Gruppe) , „VZ Regio“, das Gutfleisch-Programm der Edeka-Südwest, das Programm der Edeka-Südbayern und die ITW-Varianten von Schiller Fleisch. Aber auch Premium-Programme wie das „Strohschwein“ oder die Strohvarianten von Edeka-Südwest und Schiller Fleisch sowie das Wertschätze-Programm von Kaufland wurden beleuchtet.

Abschließend analysierte Dorsch die Mehrkosten durch die zusätzlichen Haltungsauflagen und gab klare Empfehlungen, ob und wann sich die Tierwohlprogramme für die Schweinehalter rechnen. Sein Tipp: Die Erzeuger sollten die Programme genau auf ihre Wirtschaftlichkeit inklusive des Arbeitsaufwands prüfen und gegenüber dem Vermarkter auch ganz klar „Nein“ sagen, wenn sich die zusätzlichen Auflagen nicht rechnen. Etliche Qualitätsfleischprogramme würden sich erst dann lohnen, wenn man die Bonuszahlungen des Vermarkters, der Initiative Tierwohl und spezieller Länder-Förderprogramme miteinander kombinieren kann.


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