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Schweinepest: Als „ASP Status-Betrieb“ lieferfähig bleiben

Um im Fall einer ASP-Sperre vermarktungsfähig zu bleiben, können sich Schweinehalter als ASP-Statusbetrieb anerkennen lassen. Doch bislang ist das Interesse daran gering. Woran liegt das?

Die Schweinehalter in Deutschland durchleben zurzeit eine ihrer schwersten Krisen. Bundesweit leiden Sie unter dem durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen ausgelösten Preisverfall. Und die coronabedingt heruntergefahrenen Schlachtkapazitäten hatten den Schweinestau im November immer weiter anwachsen lassen.

Auflagen zur Vermarktung

Von Handels- und Transportbeschränkungen waren bislang aber gottlob nur die Ferkelerzeuger und Mäster in den ASP-Restriktionszonen in Brandenburg und Sachsen betroffen.

Das kann sich jedoch schnell ändern, wie das Infektionsgeschehen in Belgien und unzählige Beispiele aus Osteuropa und Asien gezeigt haben. Denn das ASP-Virus kann durch menschliches Fehlverhalten, Fahrzeug- und Personenkontakte sowie mangelnde Jagdhygiene in kürzester Zeit über hunderte von Kilometern verschleppt werden.

Daher können auch Schweinehalter in Mecklenburg-Vorpommern, im Rheinland, in Baden-Württemberg oder Thüringen jederzeit unverschuldet in ein gefährdetes Gebiet rutschen. Von heute auf morgen wären sie dann von massiven Vermarktungsbeschränkungen für ihre Schweine betroffen.

Denn nach Tierseuchenrecht dürfen Hausschweine bei einem ASP-Ausbruch bei Wildschweinen aus dem gefährdeten Gebiet bzw. der Pufferzone nur mit behördlicher Genehmigung und unter strengen Auflagen zum Schlachthof bzw. in einen anderen Betrieb außerhalb des gefährdeten Gebietes verbracht werden. Zuvor müssen alle Tiere der jeweiligen Lieferpartie virologisch und klinisch auf ASP-Anzeichen untersucht werden – entweder komplett oder nach einem festgelegten Stichprobenschlüssel.

Es droht ein Kollaps

„In viehintensiven Regionen wie Südoldenburg, dem Münsterland oder Niederbayern würde der hohe Proben- und Untersuchungsaufwand für diese Freigabeuntersuchungen schnell zu einem Kollaps bei der Schweinevermarktung führen“, ist Tierarzt Torsten Pabst aus Dülmen im Münsterland überzeugt. Sowohl die Tierärzte als auch die Untersuchungslabore wären schnell am Limit. So sehen das auch der Bauernverband und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Deshalb raten sie den Landwirten, rechtzeitig vorzusorgen.

Eine entscheidende Rolle spielen dabei die sogenannten Status-Untersuchungen, auf die sich das Bundeslandwirtschaftsministerium und die EU-Kommission bereits im Frühjahr 2020 verständigt haben. Danach können sich Schweinehalter durch die freiwillige Teilnahme an einem Monitoring schon in „Friedenszeiten“ als „ASP-Statusbetrieb“ anerkennen lassen.

Die freiwilligen Status-Untersuchungen würden den Schweinehaltern in den gefährdeten Gebieten nicht nur eine schnellere Vermarktung ihrer Ferkel-, Jungsauen und Schlachtschweine ermöglichen, ohne dass tierschutzrelevante Verzögerungen drohen. Sie würden darüber hinaus auch die Tierarztpraxen, Untersuchungslabore und Behörden im Krisenfall entlasten. „Deren Ressourcen könnten dann für die eigentliche Krisenbewältigung genutzt werden, und das käme der ASP-Bekämpfung zugute“, ist Dr. Ursula Gerdes, Geschäftsführerin der niedersächsischen Tierseuchenkasse, überzeugt.

Tierarzt Dr. Torsten Pabst sieht darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil: „Wenn sich möglichst viele Schweinehalter an der freiwilligen Status-Erhebung beteiligen, erhalten wir dadurch ein flächendeckendes ASP-Monitoring für die Hausschweinebestände in Deutschland. Das könnte uns bei den Verhandlungen mit China, Japan und Korea zur Öffnung der Drittlandmärkte ungemein helfen.“

Regelmäßiges Monitoring

Um als ASP-Statusbetrieb anerkannt zu werden, sind folgende Voraussetzungen erforderlich:

  • Der Schweinehalter muss die Anerkennung als „ASP-Statusbetrieb“ beim zuständigen Veterinäramt beantragen.

  • Das Veterinäramt oder ein amtlicher Tierarzt kontrollieren daraufhin vor Ort, ob der Schweinehalter alle Vorgaben der Schweinehaltungs-Hygieneverordnung sowie die Kennzeichen- und Dokumentationspflichten nach Viehverkehrsverordnung einhält. Die Kosten für diese Kontrolle, etwa 150 €, trägt der Landwirt.

  • Zusätzlich müssen die im Betrieb verendeten Schweine regelmäßig virologisch auf den ASP-Erreger untersucht werden. Dafür entnimmt der Hoftierarzt wöchentlich von den jeweils ersten beiden Falltieren, die älter als 60 Tage sind, eine Blutprobe und schickt sie zur Untersuchung ein. Die PCR-Untersuchungen müssen auch nach der Anerkennung als Statusbetrieb fortgeführt...

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