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Hohe CCM-Anteile im Schweinefutter: Achten Sie auf die Rohfaser!

Hohe Getreidepreise und die gute Maisernte verleiten dazu, den CCM-Anteil in der Ration hochzufahren. Dabei sollten Schweinemäster die Rohfaser-Versorgung im Blick behalten.

Lesezeit: 8 Minuten

Getreidepreise von über 25 € pro dt oder sogar noch höher treiben Schweinehaltern derzeit Sorgenfalten auf die Stirn. Angesichts der schlechten Marktlage bei Ferkeln und Mastschweinen zählt bei den Futterkosten momentan jeder Euro.

Landwirte, die Mais als Corn-Cob-Mix (CCM) verfüttern, treffen die ­hohen Futterkosten hingegen weniger hart: Laut Auswertungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen fielen die Körnermaiserträge in 2021 etwa 6,5 % höher aus als im Vorjahr. Auch bundesweit gesehen waren die Erträge im Vergleich der letzten fünf Jahre überdurchschnittlich hoch. Selbst auf leichten Sandstandorten fuhren die Landwirte hohe Erntemengen ein.

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Da liegt für manchen Schweinehalter die Überlegung nahe, den Getreideanteil in der Futterration großteils oder sogar vollständig durch günstiges CCM zu ersetzen. Neben Weizen wird dabei auch Gerste eingespart. Doch CCM hat ein Manko: Es ist relativ rohfaserarm!

Eine optimale Rohfaserversorgung von Schweinen ist für die Tiergesundheit und hohe Leistungen aber sehr wichtig. Das weiß auch Josef Raming, Berater für Schweinemast beim Erzeugerring Westfalen. „Eine Unterversorgung mit Rohfaser kann bei den Schweinen Durchfall und Magengeschwüre auslösen. Außerdem sind die Tiere weniger gesättigt, was wiederum zu Unruhe und Aggressionen führen kann“, erklärt Raming. Daher gilt es bei der Rationsgestaltung mit CCM einiges zu beachten.

Inhaltsstoffe untersuchen!

Grundsätzlich ist CCM ein wertvolles Futtermittel für Schweine. „Durch die im CCM enthaltende Milchsäure sinkt der pH-Wert im Schweinemagen. Dadurch können sich schädliche Keime schlechter ansiedeln und vermehren“, erklärt der Berater. Darüber hinaus ist der gemahlene Mais sehr schmackhaft und hat einen hohen Energiegehalt. Nicht zuletzt sorgt er auch für eine homogene Futtersuppe, in der sich die Trockenmasse nicht im Trog absetzt.

Auf dem Betrieb von Alexander Kleuter in Lüdinghausen im Münsterland werden die Schweine bereits seit mehr als 30 Jahren über eine Flüssigfütterung mit CCM gefüttert. Neben den 2 400 Schweinemastplätzen gehören Bullenmast, Ackerbau und eine Biogasanlage zum Betrieb. Josef Raming berät Familie Kleuter schon seit 22 Jahren, u. a. im Bereich Fütterung.

Alexander Kleuter war in diesem Jahr sehr zufrieden mit der CCM- Ernte. Im Schnitt hat der 31-Jährige knapp 150 dt/ha bei einem Trockensubstanz (TS)-Gehalt von ca. 62 % geerntet.

Damit Schweinehalter das CCM gezielt in der Ration einsetzen können, sollten sie nach der Ernte die Inhaltsstoffe untersuchen lassen, rät Josef Raming. Kauft der Tierhalter den Mais von anderen Landwirten zu, ist ohnehin eine Probe zur Bestimmung der Abrechnungsgrundlage erforderlich. Raming empfiehlt eine Mischprobe, in der die Flächengrößen der Maisschläge anteilsmäßig berücksichtigt werden.

„Auf keinen Fall sollten Landwirte mit Standardwerten rechnen. Die TS-Gehalte können stark schwanken und damit die Inhaltsstoffe beeinflussen“, erklärt der Berater. Außerdem können Landwirte den Mais gleichzeitig auf Mykotoxinbelastungen analysieren lassen. Das empfiehlt er insbesondere, wenn es zuvor Probleme mit belastetem Getreide im Betrieb gab oder die Ernte wie in 2021 besonders spät stattge­funden hat. Untersuchungen führt z. B. die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) durch. Die Analyse einer Probe kostet dort knapp 50 € netto.

Alexander Kleuter hat sein CCM wie jedes Jahr untersuchen lassen. Die Inhaltsstoffe entsprechen in etwa den Durchschnittswerten, zu denen auch die LUFA Nord-West in ihren Untersuchungen kommt. Probleme mit Mykotoxinen hatte der Landwirt nicht.

Qualität beginnt beim Silieren

Den Grundstein für eine gute CCM- Qualität legt Kleuter schon beim Einsilieren. Normalerweise lagert der Landwirt das CCM ausschließlich in einem Silo in der Maschinenhalle – gut geschützt vor Regen, Sonne und Wind. Weil die Ernte in diesem Oktober so üppig ausfiel, musste er ein zweites Fahrsilo auf dem Hof anlegen. Da er für seine Bullen und die Biogasanlage auch Maissilage vorrätig hat, nutzt er diese, um den Rohfasergehalt des CCM aufzuwerten. Dabei geht er wie folgt vor:

Die Abfahrgespanne schütten das CCM ins Fahrsilo. Nachdem er die Masse gut verdichtet hat, kippt Kleuter mit dem Frontlader zwei Schaufeln Maissilage vom letzten Jahr aus dem Silo nebenan darüber. „Diese ist bereits durchsiliert und lässt sich besser verdichten“, beschreibt er die Vorteile gegenüber frischer Maissilage.

Für eine optimale Silierqualität achtet der Landwirt außerdem auf eine kurze Häcksellänge des Silomaises. Die Silage verteilt er über die gesamte CCM-Fläche und fährt sie danach ebenfalls gut fest. So entstehen im Silo mehrere Schichten aus CCM und Maissilage.

Gerste und Maissilage sind günstige Rohfaserträger - Alexander Kleuter

Durch das Vermischen der Maisfuttermittel garantiert Kleuter eine homogene Futtermischung. „Würde ich den Silomais nur unten im Silo verteilen, hätte ich an manchen Tagen keine Silage in der Ration. Je nachdem, wo sich die Entnahmestelle für die Radladerschaufel gerade befindet“, erklärt der Landwirt. Außerdem ist das Silo insgesamt gleichmäßiger verdichtet und es entstehen keine faulen Stellen. Um den Silierprozess zu beschleunigen, mischt er beim Mahlen des Körnermaises außerdem eine Bakterienkultur ein.

Damit das CCM an der Anschnittkante nicht verfault, versucht Kleuter einen Vorschub von etwa einem Meter pro Woche im Silo zu gewährleisten. „Treten dennoch Schimmelstellen auf, sollte man diese mit der Schaufel großflächig entfernen“, mahnt Berater Raming. Faules CCM kann die Schweine ansonsten krank machen.

Stetige Rationsanpassung

Kleuter füttert seine Schweine mithilfe einer klassischen Flüssigfütterung am Sensortrog. Das Futter hat dabei einen TS-Gehalt von etwa 28 %. Er setzt dabei auf eine vier- bis fünfphasige Fütterung, die er laufend verschneidet.

Die Rationsgestaltung übernimmt der Landwirt selbst. „Ich kann dadurch jederzeit schnell und flexibel reagieren, weil ich unabhängig von Firmen und Beratern bin. Außerdem macht mir das Rechnen Spaß“, beschreibt Kleuter seine Beweggründe. Die Zusammensetzung der Ration ändert er dabei auch je nach Verfügbarkeit und Haltbarkeit der einzelnen Komponenten.

Neben Mais setzt der Landwirt mehrere Flüssigkomponenten, wie z. B. Kartoffelbrei und Weizenschlempe, in seiner Ration ein. Für die sehr stark N- /P- reduzierte Fütterung kauft er außerdem mehrere spezielle Ergänzer zu.

Als Rohfaserträger dient neben dem Silomais vor allem Gerste. „Diese beiden Futtermittel baue ich selbst im Betrieb an und habe sie normalerweise das ganze Jahr vorrätig. Außerdem sind sie im Vergleich zu Rohfaserträgern im Ergänzer günstig“, beschreibt Alexander Kleuter. Den für Mastschweine empfohlenen Rohfasergehalt von 4 % kann er so in allen Rationen einhalten. „Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bei Problemen auch andere Rohfaserträger wie Trockenschnitzel oder Haferschälkleie über die CCM-Annahme zu füttern“, ergänzt Josef Raming.

Der CCM-Anteil in Kleuters Ration startet umgerechnet auf 88 % TS bei 25 % in der Anfangsmast und beträgt in der Endmast maximal 35 %, worin wiederum ca. 3 % Maissilage enthalten sind. Bei seinen aktuell etwa 90 kg schweren Mastschweinen verbraucht er so täglich etwa 3,5 t des CCM-Maissilage-Gemisches. Das entspricht knapp 1,4 kg pro Mastschwein und Tag. Derzeit erreichen seine Schweine so im Schnitt Tageszunahmen von 850 g bei einer Futterverwertung von 1: 2,7.

CCM bis zum Frühsommer

Kleuter verfüttert das CCM ab Mitte November. So reicht der Vorrat meist bis zum Frühsommer. Ist das CCM im Sommer aufgebraucht, füttert der Landwirt weiterhin 2 bis 3 % Maissilage über den Mais-Annahmebehälter der Flüssigfütterung. Probleme mit verstopften Leitungen oder Ventilen gab es aufgrund der feinen Häckselqualität des Silomaises bislang nicht.

„Wir haben auch schon Anteile von 4 – 5 % Maissilage ausprobiert. Als Folge gingen jedoch die Tageszunahmen der Schweine zurück und die Futterverwertung verschlechterte sich“, erklärt Kleuter die Folgen der Überversorgung an Rohfaser.

Den Maisverbrauch hat der Schweinemäster generell gut im Blick. Denn das Fahrsilo in der Halle nutzt der Landwirt im Sommer auch zum Einlagern von Getreide. Daher muss es bis Juni leer sein. Bei Bedarf erhöht Kleuter deshalb im Frühjahr den CCM-Anteil in der Futterration.

Für gute Leistungen sollten Mäster nicht bei der Fütterung sparen - Josef Raming

Auch andere Mäster kennen dieses Problem und schrauben die CCM Menge im Frühjahr hoch. 45 % CCM-Anteil ist dabei meist die Obergrenze, die Berater Raming noch mit gutem Gewissen empfehlen kann.

Er mahnt zur Vorsicht: „Grundsätzlich ist auch ein höherer Anteil von 75 % ausschließlich kombiniert mit Ergänzer möglich. Allerdings sollten die Mastschweine dann mindestens 50 kg schwer und absolut gesund sein.“ Bei Ferkeln rät der Berater aber, auf derart hohe CCM-Mengen im Futter zu verzichten.

Rohfaser hat Priorität

Trotz der derzeit hohen Futterpreise denkt Alexander Kleuter nicht daran, den Einsatz von Rohfaserträgern herunterzuschrauben. „Damit die Schweine gut wachsen, muss ich sie optimal versorgen. Spare ich jetzt beim Futter, brechen die Leistungen womöglich ein oder die Tiere werden krank. Dann verschlechtert sich mein Erlös noch mehr“, ist er überzeugt.

Auch Josef Raming appeliert, die Fütterung trotz wirtschaftlich angespannter Situation auf den Betrieben nicht zu vernachlässigen: „Schweinemäster sollten regelmäßig Auswertungen durchführen und bei Fehlern in der Fütterung die Ration optimieren.“ Um Kosten zu sparen, rät er Landwirten, den Zukauf von Futtermitteln gut zu planen. Oft sind die Preise von Getreide und Co. während der Ernte günstiger als im darauffolgenden Winter. „Schweinehalter sollten den Bedarf frühzeitig decken. So können sie Futterkosten einsparen“, lautet Ramings Tipp.

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