Schweinehaltung

Kritik an ZDF-Doku: Jaenicke im Einsatz für das Schwein

Schauspieler Hannes Jaenicke berichtet in einer Dokumentation über den, seiner Meinung nach “katastrophalen Zustand” der Schweinehaltung. Bauernverbände äußern scharfe Kritik an der ZDF-Produktion.

Im Rahmen seiner ZDF-Doku kritisiert Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke die deutsche Schweinehaltung massiv. Aussagen wie „hochgiftige Produkte in der Verkaufstheke“ und „gesetzeswidrige Tierhaltung“ waren nur einige von vielen Anschuldigungen gegen deutsche Schweinehalter.

WLV und Bauern.SH äußern sich entrüstet

Bereits vor Ausstrahlung der Dokumentation im ZDF äußerten sich Verbände zu den Aussagen Jaenickes – und zeigen dabei klar ihre Entrüstung. „Wer allen Ernstes behauptet, dass es sich bei dem Fleisch, das an den Verkaufstheken deutscher Discounter verkauft wird, um ein „hochgiftiges Produkt“ handelt und von gesetzeswidriger Tierhaltung schwadroniert, verbreitet vorsätzlich Lügen“, schreibt der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband e.V. (WLV) in einem Facebook-Beitrag.

Jaenicke hatte sowohl in der Dokumentation als auch in einem Interview mit dem ZDF von Nutztieren gesprochen, „die zur Befriedigung unseres Appetits am grausamsten gequält“, gesetzeswidrig gehalten und mit übermäßig viel Antibiotika behandelt werden.

Auch der Bauernverband Schleswig-Holstein machte seinen Unmut über den Beitrag Luft: „Nicht das erste Mal verbreitet er Unwahrheiten über unsere Landwirtschaft.“ Es sei geradezu beschämend, solche Anschuldigungen als Dokumentation zu verkaufen, heißt es auf Twitter.

"Billigprodukte aus Qualzucht"

Für Jaenicke, der sich nach eigenen Angaben seit 40 Jahren vegetarisch ernährt, seien Schweine hochintelligente Tiere, die er nicht als Billigprodukt aus Qualzucht an einer Fleischtheke sehe. Gegenüber ZDF spricht er von Schweinen und Milchkühen als Nutztiere, die zur Befriedigung des Appetits am grausamsten gequält und dann als billiges Nahrungsmittel verkauft werden.

Neben dem Besuch eines Gnadenhofes, war der Schauspieler für die Dokumentation auch mit Mitgliedern der SOKO Tierschutz e.V. unterwegs. „Die meisten Betriebe missachten selbst die lächerlich niedrigen Mindestanforderungen in Sachen Tierschutz, fast immer ohne Konsequenzen“, heißt es im Gespräch zwischen Jaenicke und SOKO Tierschutz. Die Gruppe gehe ausschließlich Informationen nach, erklärt Mitglied Friederich Mülln. Natürlich dürfe man ein fremdes Grundstück nicht unbedingt betreten, er sehe dort aber einen rechtfertigenden Notstand, so der Tierschützer, bevor er einen Schweinebetrieb mit Kamerabegleitung betritt.

Auch die Medien hatten vorab bereits für das ZDF-Format geworben. So sprachen beispielsweise die Westfälischen Nachrichten von einer sehenswerten Sendung am Dienstag in der die Produzentinnen zeigen, welche Qualen die Intensiv-Masthaltung für die Tiere bedeuten kann.

Auch darüber äußert der WLV seinen Unmut: „Vielen Schweinehaltern (…) dürfte bei diesen Zeilen (…) die Kinnlade heruntergefallen sein.“

Kurz kommentiert

Eine Flut an Auflagen, eine desaströse Marktlage, fehlende Planungssicherheit und ein mangelnder politischer Rückhalt. Und wieder einmal wird die deutsche Schweinehaltung in einem Fernsehbeitrag durch den Dreck gezogen - wieder einmal die gleichen Anschuldigungen und Unwahrheiten, wie wir sie schon so oft hören mussten. Dass sich da so mancher Schweinehalter fragt, wofür er überhaupt noch weitermacht und nicht schon längst alles an den Nagel hängt, ist ihm nicht zu verdenken. Dieses gegenseitige Bashing muss aufhören, ansonsten werden wir bald keine engagierten Schweinehalter mehr in Deutschland haben.


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