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Neue Haltungs-VO: Maximales Tierwohl im neuen Sauenstall

Viel Auslauf für die Sauen und freies Abferkeln: Mit seinem neuen Sauenstall beweist Junglandwirt Tobias Urban Mut. top agrar hat ihn zu seinen bisherigen Erfahrungen befragt.

Lesezeit: 8 Minuten

Am Thema Tierwohl führt kein Weg mehr vorbei“, ist Landwirt Tobias Urban überzeugt. Nach dem Abschluss der Technikerschule ist er 2015 in den elterlichen Kombibetrieb in Eglingen im Landkreis Heidenheim (Baden-Württemberg) eingestiegen. Die Ferkelaufzucht und den Maststall mit 1.200 Plätzen lagerte sein Vater bereits vor 20 Jahren aus. Für den Junglandwirt stand fest, dass er auch die Sauenhaltung aussiedeln musste. Denn am Standort im Dorf gab es keine Wachstumsmöglichkeiten. „Bereits damals war eine neue Haltungsverordnung im Gespräch. Durch einen Neubau wollte ich den Betrieb für die Zukunft absichern“, berichtet er.

AFP- und EIP-Förderung

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Im Jahr 2019 investierte er gemeinsam mit seinem Vater Georg in einen neuen Sauenstall für rund 270 Sauen. Dabei erhielt die Familie 40 % Förderung über das Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) und zusätzliche 20 % über die Europäische Innovationspartnerschaft (EIP). „Dadurch blieb das Investitionsrisiko für uns kalkulierbar“, sagt der 29-Jährige. Der neue Stall zeichnet sich nicht nur durch großflächige Auslaufmöglichkeiten im Deck- und Wartestall sowie die Haltung auf Stroh aus. Im Abferkelbereich verzichtete Urban kom­­plett auf Ferkelschutzbügel. Die Sauen können sich in der Bucht frei bewegen. Einen Teil der Ferkel ziehen Urbans direkt in der Abferkelbucht auf. Die entsprechend der neuen Haltungsverordnung künftig geltenden Auflagen können sie in allen Stallbereichen erfüllen – mit Ausnahme des Deckzentrums.

Arena tiefer gesetzt

Im April 2020 haben Urbans zunächst den Deck- und Wartebereich in Betrieb genommen. Dieser befindet sich in einem Einraumstall ohne Abteiltrennungen. Das Dach dient gleichzeitig als Decke. Das Deckzentrum umfasst insgesamt 45 Kastenstände in zweireihiger Aufstallung. Bei der Planung hat Tobias Urban von Anfang an den Einsatz von Stroh im Stall berücksichtigt. Der Gang zwischen den Reihen ist tiefer gesetzt, wird eingestreut und dient gleichzeitig als Arena. „Das funktioniert prima. Das Stroh federt Rangkämpfe ab, und es gibt keine Verletzungen“, berichtet Urban von seinen Erfahrungen.

Der Landwirt ist überzeugt, dass mehr Tierwohl nur in Verbindung mit Stroh gelingt. „Aber es muss auch arbeitswirtschaftlich machbar sein“, weiß er. Durch ein Tor an der Giebelseite kann Urban einfach mit dem Schlepper in die Arena fahren und den Mist abschieben. Dafür benötigt der Landwirt etwa eine Viertelstunde Zeit. Weil der Aufenthalt der Sauen im Deckzentrum mit einer Woche kurz ist, fällt auch nur wenig Mist an. Den Bereich mistet er deshalb nur nach jeder zweiten Belegung des Deckzentrums komplett aus.

Tobias Urban legt Wert darauf, die Sauen so kurz wie möglich zu fixieren. An die Arena ist eine Eberbucht mit breitem Kontaktgitter angegliedert. Dort haben die freilaufenden Sauen vom Absetzen, das donnerstags erfolgt, bis zur Fixierung am darauffolgenden Sonntag permanenten Eberkontakt.

Die Eberbucht will der Landwirt nicht mehr missen. „Durch den intensiven Eberkontakt rauschen alle Sauen nahezu gleichzeitig und es treten so gut wie keine Früh- oder Spätrauscher mehr auf“, berichtet er. Die gesamte Sauengruppe kann in einem Rutsch besamt werden - das erste Mal am Montagabend und die Wiederholungsbesamung erfolgt dann am Dienstagmittag. „Das ist für mich eine enorme Arbeitserleichterung“, betont Urban. Bereits einen Tag danach, ab mittwochs, lässt er die Sauen wieder frei laufen.

Von neuen Vorgaben überholt

Mit der Gruppenhaltung der Sauen im neuen Deckzentrum macht Urban gute Erfahrungen. Als Fehlentscheidung erweisen sich dagegen die 72 cm breiten Kastenstände. Gerade für Jungsauen sind sie zu breit. „Zu Baubeginn war damals unsicher, ob es Vorgaben zur Kastenstandbreite geben würde“, blickt er zurück.

Problematisch sind auch die von der neuen Haltungs-VO geforderten Platzvorgaben von 5 m² pro Sau vom Absetzen bis zur Besamung. Denn Urban hat ursprünglich für die 45 Plätze im Deckzentrum nur mit 4 m² pro Tier geplant. „Als wir mit dem Bau fertig waren, wurden wir von den neuen Vorgaben der Politik überholt“, ärgert er sich.

Die zukünftigen Platzvorgaben erreicht der Landwirt nur, wenn er statt 45 nur 36 Sauen ins Deckzentrum einstallt. Alternativ überlegt er, die 45 Plätze beizubehalten und einen Auslauf anzubauen.

Bodenfütterung überzeugt

Drei Tage nach der Besamung teilt der Landwirt die Sauengruppe in je zwei Konditionsgruppen à 19 Tiere auf und stallt die Tiere in den Wartebereich um. Pro Tier stehen dort 3 m² Stallfläche sowie 1,5 m² in einem eingestreuten und planbefestigten Auslauf zur Verfügung. Im Inneren des Stalls befinden sich ein breiter Laufgang sowie die Liegekessel. Über den Liegeflächen befinden sich Volumendosierer für eine Bodenfütterung, von der Tobias Urban überzeugt ist.

„Der Vorteil ist, dass alle Sauen gleichzeitig fressen können und es keine Verdrängungskämpfe gibt“, lautet seine Erfahrung. Weiterer Pluspunkt: die Sauen halten die Liegekessel stets sauber – auch im Sommer. Von Nachteil ist jedoch, dass die Dosierer nicht hoch genug angebracht sind, sodass sie von den Sauen teilweise bereits beschädigt wurden. „Hier sind wir noch auf der Suche nach einer Lösung“, berichtet Urban.

Freies Abferkeln

Im September 2020 hat Tobias Urban dann auch den neuen Abferkelstall in Betrieb genommen. Dieser besteht aus drei Abteilen mit jeweils 36 Abferkelbuchten. Dabei hat sich der Junglandwirt bewusst gegen den Einbau eines Ferkelschutzkorbs entschieden: „Wenn in der Abferkelbucht Tiere bis 30 kg aufgezogen werden, wird es eng mit einem Ferkelschutzkorb“.

Deshalb hat er direkt den Schritt zu einer 7,5 m² großen Freilaufbucht gewagt. Auf der Suche nach einer geeigneten Freilaufbucht hat er Betriebe in Deutschland, Dänemark und in der Schweiz besucht. Gemeinsam mit einem Schlosser entwickelte Urban die Abferkelbucht anhand seiner Vorstellungen. Sie sind klar strukturiert.

Rund 60 % der Buchtenfläche sind planbefestigt. In der einen Ecke am Gang hat Tobias Urban einen Trockenfutterautomaten angebracht, den Sau und Ferkel gleichzeitig bedienen können. In der anderen Ecke befindet sich ein 1,5 m² großes, überdachtes Ferkelnest, dass vom Gang aus mit einem Schieber verschließbar ist. Dort befindet sich auch ein schwenkbarer Schutzbügel, den Urban nutzen kann, wenn er die Bucht betritt. „Der Schutzbügel ist so konstruiert, dass auch ältere Ferkel problemlos hindurch können“, erklärt der Landwirt. Die übrigen 40 % der Buchtenfläche sind mit Gussspalten ausgelegt. Im hinteren Spaltenbereich befinden sich eine Mutter-Kind-Tränke sowie eine Nippeltränke.

Ruhe ist das A und O

Kurz vor der Geburt streut Urban die Bucht und das Ferkelnest leicht mit Stroh ein. Während der freien Abferkelung sei absolute Ruhe das Wichtigste – gerade bei aufgeregten Sauen. „Deshalb überwachen wir die Geburten auch nicht kontinuierlich und schauen nur morgens und abends nach den Sauen, um sie möglichst wenig zu stören“, berichtet Urban.

Er ist froh, den Sauen so viel Platz bieten zu können, doch die Eingewöhnung an die Freilaufbuchten war nicht einfach. Am Anfang hatte er mit Saug­ferkelverlusten bis 30 % zu kämpfen.

"Während der freien Abferkelung ist absolute Ruhe das Wichtigste – gerade bei aufgeregten Sauen" - Tobias Urban

„Mittlerweile haben sich die Verluste bei 15 % eingependelt, bei guten Abferkelgruppen liegen sie bei 13 %“, berichtet Urban. Im Schnitt setzt er 12,8 Ferkel pro Sau und Wurf ab. Entscheidend sind für den Landwirt homogene Würfe und vitale Ferkel. Damit die Sauen ihre Stoffwechselwärme loswerden können und die Ferkel das wärmende Ferkelnest aufsuchen, hält er die Temperatur im Abferkelabteil möglichst kühl. Beim Abferkeln beträgt die Temperatur 22 °C, dann senkt er auf 20 °C ab. Dafür hat der Landwirt ein Coolpad an die Giebelseite des Stalls eingebaut.

Auch der Arbeitsschutz ist Urban wichtig. Das Schutzgitter in der Bucht nutzt der Landwirt jedoch selten. Beim Kastrieren und Impfen hält er die Sau meist mit einem Treibbrett fern und sperrt die Ferkel kurz ins Ferkelnest.

Aufzucht in Abferkelbucht

Zum Anfüttern während der Säugezeit erhalten die Ferkel zusätzlich CCM und später Prestarter auf die Festfläche. „Dadurch können alle Ferkel gleichzeitig fressen und halten die Festfläche sauber“, berichtet der Landwirt. Nach 28 Tagen setzt er die Ferkel ab. Eine Absetzgruppe stallt er in den alten Aufzuchtstall, die andere bleibt in während der achtwöchigen Aufzuchtphase in den Abferkelbuchten. Durch Schwenkgitter zwischen den Buchten können zwei bis drei Würfe zusammen laufen.

„Die Aufzucht in der Abferkelbucht sorgt dafür, dass es weniger Rangkämpfe gibt", berichtet Urban. Einziges Manko ist, dass das Tier-/Fressplatzverhältnis gerade zum Ende der Aufzucht nicht mehr optimal ist. Urban streut dann zusätzlich Futter auf die Festfläche.

Vermarktung optimieren

Parallel zum Bau des neuen Sauenstalls hat der Landwirt auch die Ferkelvermarktung auf den Prüfstand gestellt. „Es gibt jedoch kaum ein Tierwohl-Vermarktungsprogramm, das auch die Ferkelerzeuger einbezieht“, bemängelt der Tobias Urban. „Ich biete den Tieren einen hohen Haltungsstandard, bekomme die Mehrkosten aber bisher nicht erstattet“, ärgert er sich.

Aktuell mästet Urban die Hälfte seiner Ferkel selbst. Die andere Hälfte geht an einen festen Mäster. Bislang nimmt Urban an der Initiative Tierwohl teil und vermarktet eine Hälfte seiner Mastschweine über das Gutfleisch-Programm von Edeka-Südwest, die andere Hälfte vermarktet er an Metzger aus der Region.

Für die Zukunft wünscht sich Tobias Urban, dass sich das Konzept Tierwohl durch den gesamten Betrieb zieht. An den Maststall will er dazu noch einen Auslauf anbauen. „Aber auch in der Ferkelerzeugung muss mehr Tierwohl entsprechend honoriert werden“, so Tobias Urban.

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