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topplus Einsatz von Antibiotika reduzieren

MMA bei Sauen homöopathisch in den Griff bekommen

Ferkelerzeuger Michael Schnier hat die Zahl der MMA-Fälle in seiner Sauenherde durch den Einsatz eines Homöopathikums halbiert und die Tiergesundheitskosten um 80 % reduziert.

Lesezeit: 6 Minuten

In den letzten Jahren konnten wir die Leistungen unserer Sauen kontinuierlich steigern. Inzwischen setzen wir mit unseren Danic-Sauen dänischer Herkunft, die mit dem 408er Endstufeneber von PIC angepaart werden, 34 Ferkel pro Sau und Jahr ab“, berichtet Michael Schnier, Ferkelerzeuger aus dem Emsland. Der 27-Jährige bewirtschaftet dort gemeinsam mit seinem Vater einen Kombibetrieb mit 300 Sauen und 100 ha Ackerland. Den überwiegenden Teil der Ferkel mästen sie in zwei Pachtställen mit zusammen 2.000 Mastplätzen selbst aus.

Mit zunehmender Wurfgröße verlängerte sich bei vielen Sauen jedoch auch die Geburtsdauer. Als Folge der schleppenden Geburten nahmen die Mastitis-Metritis-Agalaktie-Komplex (MMA)-Probleme zu, und die Nachgeburten lösten sich bei einigen Tieren nur sehr zögerlich.

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Milchfieber bei 30 % der Sauen

„In einigen Abferkelgruppen bekamen 30 % der Sauen Milchfieber und mussten antibiotisch behandelt werden, um die Versorgung der Ferkel nicht zu ­gefährden“, schildert Michael Schnier. Das ist nicht nur teuer, es treibt auch die einzelbetriebliche Therapiehäufigkeit in die Höhe. Denn seit Januar 2023 müssen auch Sauenhalter bzw. ihre Tierärzte alle antibiotischen Behandlungen erfassen.

Deshalb suchte Familie Schnier nach einer Möglichkeit, den MMA-Problemen noch effektiver vorzubeugen als bisher. Da kam der Vorschlag von Dr. Sandra Schnier, Michaels Schwester, gerade recht. Sie arbeitet als Fachtierärztin für Schweine in der Praxis Dümmerland, die dem Kompetenzverbund Vetxperts angehört. Angeregt durch die guten Erfah­rungen eines Praxiskollegen schlug sie vor, die Sauen vorbeugend mit dem homöopathischen Komplexmittel Caulophyllum-logoplex zu behandeln (siehe Kasten).

Um den Behandlungseffekt objektiv bewerten zu können, machte der Hofnachfolger, der damals noch an der Fachhochschule Osnabrück studierte, das Projekt zum Thema seiner Bachelor­arbeit. Er wollte untersuchen, ob sich der Geburtsverlauf und das Nachgeburtsverhalten durch den Einsatz von Caulophyllum-logoplex kurz vor der Geburt positiv beeinflussen lassen.

Sechs Durchgänge ­bewertet

Michael Schnier arbeitet im ver­setzten Zwei-Wochen-Rhythmus. Die Herde ist in zehn Gruppen mit jeweils 30 Sauen unterteilt. Die Säugedauer beträgt knapp 23 Tage. Die Untersuchungen zum Einsatz des homöopathischen Mittels erfolgten von Oktober 2021 bis April 2022.

Aus insgesamt sechs Abferkeldurchgängen wählte er ausschließlich Sauen aus, die bereits zum zweiten bis siebten Mal trächtig waren. Bei den ersten drei Durchgängen verabreichte er den Sauen zwei Tage vor dem errechneten Abferkeltermin – also kurz nach dem Umstallen in den Abferkelstall – einmalig 5 ml Caulophyllum-logoplex mit der Spritze unter die Haut (subkutan). Die Sauen der darauffolgenden Abferkeldurchgänge vier bis sechs dienten als Kon-trollgruppe. Sie wurden nicht homöopathisch behandelt. Von allen Sauen dokumentierte der Landwirt die Wurfnummer sowie die Zahl der lebend und tot geborenen Ferkel. Zudem hat er am Tag der Geburt sowie an den beiden Tagen danach die Körpertemperatur der Sauen gemessen und dokumentiert.

Die Geburtsdauer erfasste der Landwirt in Minuten. Ebenso die Zeit zwischen der Geburt des letzten Ferkels und dem vollständigen Abgang der Nachgeburt.

Bei allen Tieren, die bis zum 115. Tag noch nicht geferkelt hatten, leitete er die Geburten hormonell ein (hormonelle Geburtshilfe), um eine Säugedauer von mindestens 21 Tagen zu gewährleisten.

„Tagsüber haben wir zudem manuelle Geburtshilfe geleistet, wenn der Geburtsverlauf stockte und nach dem Massieren der Gesäugeleiste bzw. der Flanke der Sau nach 30 bis 45 Minuten noch immer kein weiteres Ferkel geboren wurde“, berichtet Michael Schnier. Nur bei Sauen, die nachts abferkelten, erfasste er die Geburtsdauer nicht, da keine Nachtwache erfolgte. In den Versuchsgruppen wertete er die Daten von 54 Sauen aus und in den Kontroll­gruppen die von 65 Sauen.

MMA-Probleme halbiert

Der Effekt war eindeutig: „Durch die Gabe von Caulophyllum-logoplex vor der Geburt konnten wir die MMA-Fälle halbieren“, zieht Michael Schnier zufrieden Bilanz. Während in der un­behandelten Kontrollgruppe in den ersten drei Tagen nach der Geburt 32,3 % aller Sauen Milchfieber bekamen, waren es in der Versuchsgruppe nur 14,8 % (siehe Übersicht).

„Dadurch mussten wir auch deutlich weniger Sauen antibiotisch behandeln. Unter dem Strich ergab sich so eine Kosten­ersparnis von 4 bis 5 € pro Sau“, erläutert der 27-Jährige.

Die Geburtsdauer verkürzte sich durch die Behandlung um rund eine halbe Stunde. In der Kontrollgruppe kam das letzte Ferkel nach durchschnittlich 313 Minuten zur Welt, in der Versuchsgruppe nach 284 Minuten. Der Unterschied ließ sich statistisch allerdings nicht absichern. Die manuelle Geburtshilfe konnte er jedoch – statistisch abgesichert – von 23 % in der Kontrollgruppe auf 9,26 % senken.

Auch die Nachgeburt löste sich bei den Sauen der Versuchsgruppe signifikant schneller. Ohne homöopathische Vorbehandlung dauerte die Nachgeburtsphase im Schnitt 157 Minuten, bei den Sauen, die Caulophyllum erhalten hatten, dagegen nur 117 Minuten. Auf die Wurfleistung hatte die Behandlung dagegen keinen signifikanten Einfluss. In der Kontrollgruppe wurden pro Wurf 16,6 Ferkel lebend geboren und in der Versuchsgruppe 15,89.

Das Beispiel macht Schule

„Aufgrund der guten Erfahrungen habe ich den Einsatz von Caulophyllum inzwischen auch anderen Ferkelerzeugern empfohlen, die von uns tiermedizinisch betreut werden“, berichtet Dr. Schnier.

Zu denen, die nicht mehr auf den Caulophyllumeinsatz verzichten wollen, gehört auch Moritz Fangmann. Der 33-jährige bewirtschaftet im Landkreis Vechta einen Betrieb mit 1.000 Sauen.

„Früher hatten wir häufiger MMA-Probleme, einige Sauen fieberten nach der Geburt. Seitdem wir ihnen zwei Tage vor dem Geburtstermin Caulophyllum verabreichen, ist der Anteil deutlich zurückgegangen. Die Geburten gehen zügiger über die Bühne, und auch die Nachgeburten lösen sich schneller. Die Sauen sind gesünder und die Ferkel fitter“, so Moritz Fangmann.

Wurfleistung gestiegen

Das spiegelt sich auch in den Leistungen wider. Vor dem Einsatz von Caulophyllum setzte er 32,1 Ferkel pro Sau und Jahr ab, inzwischen sind es 34,5. Zudem spart er bei den antibiotischen Behandlungen. „Eine MMA-Antibiose kostet etwa 5 € pro Sau, das Homöopathikum nur etwa 1 €“, so Fangmann.

In Herden mit MMA-Problemen ist es allemal einen Versuch wert“-Moritz Fangmann

„Man kann mit Caulophyllum im Prinzip nichts falsch machen, und es müssen auch keine Wartezeiten eingehalten werden. Deshalb ist es allemal einen Versuch wert, wenn man im Bestand häufiger MMA-Probleme hat“, ist Moritz Fangmann überzeugt.

„Die homöopathische Behandlung kann jedoch keine Fehler im Management oder bei der Fütterung ausgleichen. Und wenn eine Sau nach der Geburt trotz der Vorbehandlung hohes Fieber bekommt, muss sie in jedem Fall konventionell behandelt werden“, stellt Tierärztin Dr. Sandra Schnier klar.

Einzel- oder Komplexmittel? Die klassische Homöopathie arbeitet mit Einzelmitteln, die jeweils zur Behandlung einzelner Krankheitsbilder bzw. Störungen verwendet werden. Rund um die Geburt gibt es verschiedene Homöopathika, die zur Geburtsvorbereitung, -begleitung oder zur Nachsorge verwendet werden. In der Praxis – vor allem in der ­Veterinärtherapie – werden hingegen häufig Kombinations- bzw. Komplexpräparate eingesetzt. Dabei handelt es sich um Fertigpräparate, in denen verschiedene Einzelmittel vermischt wurden. Das bietet sich vor allem bei komplexen Krankheitsbildern wie dem MMA-Komplex an. Ein typisches Komplexmittel ist Caulophyllum-logoplex. Es beinhaltet folgende Einzelkomponenten: Caulophyllum (Blauer Hahnenfuß) soll den Verlauf der Geburt beschleunigen; Pulsatilla (Wiesen-Küchenschelle) unterstützt die Wehentätigkeit und beugt Milchfieber beziehungsweise Milchmangel vor; Secale cornutum (Mutterkorn) kommt ebenfalls bei Wehenschwäche zum Einsatz und soll Milch­mangel vorbeugen; Sabel serrulatum (Sägepalme) regt die Milchproduktion an und beugt Harnwegsinfekten vor; Sabina (Sadebaum) wird bei Kontraktionsschwäche der Gebärmutter eingesetzt. Es soll den Abgang der Nachgeburt beschleunigen.

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