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Neue Haltungsverordnung für Schweine: So bauen Sie Ihr Deckzentrum um

Durch die neue Haltungs-VO wird die Arbeit im Deckzentrum auf den Kopf gestellt. Bereits in der Übergangszeit sollten Ferkelerzeuger überlegen, wie sie die Besamung durchführen können.

Lesezeit: 8 Minuten

Unser Experte: Gerd Vahrenhorst, GFS Ascheberg, Nordrhein-Westfalen

Für Sauenhalter wird sich die Arbeit im Deckzentrum durch die neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung künftig grundlegend ver­ändern. Denn die abgesetzten Sauen sollen im Deckzentrum mehr Bewegungsfreiheit bekommen.

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Für das Zeitfenster vom Absetzen bis zur ersten Besamung schreibt die neue Haltungs-VO eine uneingeschränkt nutzbare Bodenfläche von 5 m² pro Sau vor. Nach dem Ablauf der achtjährigen Übergangsfrist am 9. Februar 2029 dürfen die Sauen nur noch kurzfristig für die Rauschekontrolle, den Besamungsvorgang oder für medizinische Behandlungen fixiert werden – ansonsten wird die Gruppenhaltung direkt nach dem Absetzen zur Pflicht.

Das führt dazu, dass die Arbeit im Deckzentrum völlig neu organisiert werden muss. Sauenhalter sollten deshalb bereits in der Übergangszeit überlegen, wie sie die Besamung auch unter diesen Umständen sicher und erfolgreich durchführen können. Gleichzeitig muss der Arbeitsschutz für die Tierbetreuer gegeben sein und die Sauen vor Verletzungen geschützt werden.

Hier kommen einige Tipps, was Sie rund ums Besamen künftig bedenken sollten.

Klauenfreundlicher ­Boden wichtig

Jede Gruppenhaltung beginnt mit der Gruppenbildung. Direkt nach dem Absetzen ist der beste Zeitpunkt, um die Sauen zu gruppieren. So werden die mitunter ruppig verlaufenden Rangordnungskämpfe auf eine Zeit gelenkt, in der es noch keine Fruchtverluste geben kann. Bei einer erneuten Gruppierung fallen die Rangkämpfe zudem weniger intensiv aus.

Unabhängig von der Gruppengröße und dem Alter der Sauen gelten vom Absetzen bis zur Besamung künftig 5 m² pro Tier. Wichtig: Nach der ersten Besamung gilt die Sau als tragend. Für eine Gruppengröße von sechs bis 39 Tiere gelten ab diesem Zeitpunkt dann 2,25 m² Platz pro Sau bzw. 1,65 m² pro Jungsau.

Eine Möglichkeit, die 5 m²-Platzvorgabe zu realisieren, ist beispielsweise die Nutzung einer eingestreuten Arena oder die Anschleppung an ein Gebäude. Die heutigen hochfruchtbaren Sauen rauschen oft schon ab dem dritten Tag nach dem Absetzen, manchmal noch früher. Die Arena kann deshalb ganz einfach gestaltet sein, weil der Aufenthalt dementsprechend kurz ist.

Auch eine Arena in Kombination mit Fressliegebuchten kann eine Alternative sein. Hier haben Sauenhalter die Möglichkeit, bereits duldende Sauen kurzfristig zu belegen. Denn unter Umständen können Sauen auch bereits ab dem ­Absetztag rauschen. Dies ist bedingt durch künftig mehr Bewegungsfreiheit im Abferkelstall. Die Sauen können in den Fressliegebuchten zudem Zuflucht und Ruhe finden.

Die größte Herausforderung im Bereich der Gruppenbildung wird jedoch sein, den Boden möglichst klauenfreundlich, trocken und trittsicher zu gestalten, um Fundamentschäden bei den Sauen vorzubeugen. Ein weiches Einstreubett lässt sich aktuell nur mit Stroh bzw. Sägespänen realisieren.

Struktur in Bucht bringen

Im Deckzentrum werden künftig Fress-, Liege- und Aktivitätsbereiche gefordert. Deshalb ist es wichtig, den Raum ausreichend zu strukturieren, damit sich die Sauen aus dem Weg gehen können. Welche Möglichkeiten der Buchtenstrukturierung für Ihren Betrieb infrage kommen, sollten Sie individuell prüfen.

Eine Möglichkeit ist beispielsweise, den Liege- und Aktivitätsbereich in Form einer Arena mit vorgeschalteten Fressplätzen zusammenzufassen. Auch ein zusammengefasster Fress- und Liegebereich in Fressliegebuchten mit dahinter befindlichem Aktivitätsbereich ist möglich. Eine weitere Alternative sind getrennte Funktionsbereiche, in denen sich z. B. hinter den Fressplätzen der Aktivitätsbereich anschließt und in den Liegebereich übergeht.

Gefordert werden auch Rückzugsmöglichkeiten, damit sich die Sauen aus dem Weg gehen können. Hier bietet sich der Einbau von Sichtblenden oder Buchtentrennwänden an, um den Aktivitätsbereich zu strukturieren. Ideal sind z. B. kurze, kleinere Liegebuchten für vier bis sechs Sauen. Liegeflächen können auch in der Mitte des Raums angeordnet werden. So können die Sauen zum einen um die Liegefläche herum laufen. Zum anderen können an den Trennwänden Gitter montiert werden. Dadurch können die Tiere bei Unruhe schnell in kleinere Gruppen unterteilt beziehungsweise kurzfristig separiert werden.

Sauen sicher belegen

Ein Knackpunkt im Deckzentrum ist, dass die Sauen nur noch für den Besamungsvorgang fixiert werden dürfen. Nach der Erstbesamung müssen die Sauen direkt wieder in die Gruppenhaltung gebracht werden und können erst wieder zur Nachbesamung fixiert werden. Das führt dazu, dass die Vorzüge des bisherigen Belegungsmanagements, effektiv, sauber und sicher zu arbeiten, entfallen und neu organisiert werden müssen. Wichtig ist, dass die Besamungsstände so beschaffen sein müssen, dass die Sauen ihre Gliedmaßen in Seitenlage uneingeschränkt ausstrecken können.

Für die Fixierung stehen den Sauenhaltern unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. In den Fokus können z. B. Selbstfangbuchten rücken. Sie bieten einen guten Schutzraum, sodass die Sau selbst entscheiden kann, ob sie sich der Gruppe anschließen will oder nicht. Zudem ist eine automatische Gruppen­verriegelung möglich. Der Nachteil ist jedoch, dass die Standlängen sowie die Zwischenraumlängen im Deckzentrum zu Raumkonflikten führen können.

Eine weitere Wahl können Korbbuchten sein. Hier ist der Vorteil, dass nur die Fressplatzteiler im Raum stehen. Somit ist auch in engeren Deckzentren ein großzügiger Platz zwischen den Fressreihen möglich. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Korbbuchten zur Besamung nur manuell verschlossen werden können.

Auch Fressstände, in denen die Besamung durchgeführt wird, könnten eine weitere Möglichkeit sein. Dies ist mit geringem Umbau im Abteil verbunden. Nachteil ist jedoch, dass der Stand nur von Hand geschlossen werden kann. In engen Deckzentren können die Vorgaben der Gangbreiten (160 cm bei einreihiger Aufstallung, 200 cm bei beidseitiger Buchtenanordnung) zudem an ihre Grenzen stoßen.

Eine Fixierung der Sau bietet auch in puncto Hygiene Vorteile. Die Besamungsutensilien können hygienisch im Besamungswagen gelagert werden und der Tierbetreuer kann die Besamung in Ruhe durchführen. Wenn die Stimulation abgeklungen ist, kann der Tierbetreuer die Pipette abnehmen und eine gute Pipettenendkontrolle durchführen, ohne Gefahr zu laufen, von anderen Sauen umgestoßen zu werden.

Eine Alternative zum klassischen Besamungswagen ist ein unter der Decke hängender Besamungswagen auf Rollen. Dafür werden Seile unter der Decke gespannt. Der Wagen mit den Besamungsutensilien wird dann so aufgehängt, dass alles hygienisch gelagert und griffbereit, aber für die Sauen nicht zugänglich ist. So kann der hängende Besamungswagen immer mitgezogen werden.

Dokumentation auf der Sau

Damit die Sauen ausreichend stimuliert werden, muss auch im Deckzentrum der Zukunft ein intensiver Eberkontakt sichergestellt werden. Am besten ist ein Ebermix aus einem Jung- und einem Alteber, die hintereinander geschaltet vor einer Gruppe von vier bis sechs Sauen mit schwenkbaren Türen fixiert werden.

Um die Rauscheintensität und Rauscheerkennung zu erleichtern, ist es ­zudem wichtig, das gleiche Lichtprogramm zu fahren, wie sonst im Deckzentrum üblich. Das ist auch in Gruppenhaltung gut möglich. Dafür sollte der Raum ab dem Absetztag mit LED- bzw. Leuchtstoffröhren unter der Decke für zwölf bis 14 Stunden komplett durchleuchtet werden. Bei guter Hygiene im Stall reichen auch Deckenleuchten, um die Intensität von 300 Lux am Kopf der Sau zu erreichen.

In jedem Fall werden sich Sauenhalter neue Strukturen zur Dokumentation überlegen müssen. Denn wenn die Sauen in der Gruppe gehalten werden und nur noch für die Besamung fixiert werden dürfen, ist die Übersichtlichkeit zur Dokumentation nicht mehr gegeben. Sauenkarten, die sonst bei den ­Tieren hängen, gehören dann der Vergangenheit an. Denn die freilaufenden Sauen werden nicht immer den gleichen Deckstand aufsuchen. Ferkelerzeuger sollten die Tiere deshalb ab dem Absetztag genau im Blick behalten. Als Mittel der Wahl könnte sich hier eine Dokumentation per Viehzeichenstift auf der Sau erweisen.

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Freie Besamung

Ohne Fixierung ­besamen?

Eine freie Besamung ohne jegliche Fixierung ist unter derzeitigen Um­ständen nur mit erheblichem Mehraufwand und Risiken für Mensch und Sau verbunden. Die Anforderungen an den Stall sind hoch. So muss die Besamungsbucht mit einem trittsicheren Boden ausgestattet sein. Zudem dürfen keine Hindernisse im Weg stehen.

Wichtig bei der freien Belegung ist, dass den Sauen gleichzeitig und zügig ein intensiver Eberkontakt ermöglicht wird. Denn sobald die Sauen den Eber hören und riechen, bewegen sie sich zu ihm hin. Das führt zu Unruhe, gegen­seitigem Aufreiten, sowie schnellen und unvorhersehbaren Interaktionen zwischen den rauschigen Sauen. Fundamentschäden und Hautläsionen können die Folge sein. Vor allem jüngere oder rangniedere Sauen haben dann das Nachsehen und tragen Schäden davon, weshalb die Sauengruppe nach Alter bzw. Kondition unterteilt werden sollte.

Wichtiger Punkt ist auch die Arbeitssicherheit des Stallpersonals. Der Umgang mit rauschigen Sauen will gelernt sein, um nicht verletzt oder umgestoßen zu werden. Eine gute körperliche Fitness ist unverzichtbar. Durchstiegs­luken können z. B. hilfreich sein, um kurzzeitig vor den Tieren in Sicherheit zu gehen. Zudem muss das Stallpersonal alle Sauen und den eigenen Standpunkt in der Bucht immer wachsam im Blick behalten. Der Arbeitsaufwand steigt ebenfalls an, da die Besamungsutensilien nicht mit in die Bucht genommen werden können.

Nach bisherigen Erfahrungen kommt eine Besamung in einer Gruppenbucht allenfalls für Jungsauen infrage.

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