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Schwanzbeißen bei Schweinen: Die Tätertiere im Fokus

Dr. Irena Czycholl von der Uni Kiel erforscht das zwanghafte, plötzlich auftretende Schwanzbeißen bei einzelnen Schweinen. Wir sprachen mit ihr über die Gründe der Entwicklung solcher Tätertiere.

Lesezeit: 2 Minuten

Sie erforschen im Projekt „Der Täter im Fokus: Einfluss des Gesundheitsstatus auf die Verhaltensstörung Schwanzbeißen“ speziell die zwanghafte, plötzlich auftretende Form des Schwanzbeißens, die einzelne Tiere entwickeln. Was macht ein Schwein zum Tätertier?

Czycholl: Diese Form des Schwanzbeißens ist am wenigsten erforscht. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch nicht genau sagen, was ein Schwein zum Tätertier macht, während andere Tiere im selben Haltungssystem unauffällig bleiben. Die Hypothese ist, dass gesundheitliche Ursachen wie Magen-Darm-Erkrankungen, orthopädische Probleme oder Veränderungen im Serotonin- stoffwechsel die Tiere stressempfänglicher machen und Schwanzbeißen auslösen.

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Welche Untersuchungen haben Sie durchgeführt?

Czycholl: Wir haben 30 unkupierte, etwa sechs Wochen alte Aufzuchtferkel, die als Tätertiere auffielen, klinisch und pathologisch untersucht. Dazu haben wir den Allgemeinzustand der Tiere erfasst und große Blutbilder angefertigt. Zudem haben wir den Tieren Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit entnommen, um Rückschlüsse auf die Serotonin- und Dopamingehalte und damit auf den Gemütszustand zu ziehen. Bei der Sektion wurden den Tieren Organproben entnommen. Ein besonderes Augenmerk lag auf den Nebennieren. Denn sie spielen eine wichtige Rolle in der Produktion des Stresshormons Cortisol.

Worin haben sich die Tätertiere von den anderen Schweinen unterschieden?

Czycholl: Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Tätertiere deutlich größere Nebennieren hatten als die Tiere der Kontrollgruppe. Zudem konnten wir bei den Schwanzbeißern eine Verhornung des Mageneingangs feststellen, also eine Vorstufe von Magengeschwüren. Diese Befunde deuten darauf hin, dass die Tätertiere definitiv einer höheren Stressbelastung ausgesetzt waren als die Kontrollgruppe. Die Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit ergab zudem, dass die Tätertiere geringere Gehalte der „Glückshormone“ Serotonin und Dopamin aufwiesen. Derartige Ergebnisse wurden bereits bei Menschen und Nagern in Zusammenhang mit depressionsähnlichen Zuständen nachgewiesen.

In welche Richtung forschen Sie jetzt weiter?

Czycholl: Bei unserer Studie handelt es sich um eines der ersten Forschungsprojekte in dieser Richtung. Die Frage ist, ob die Tätertiere tatsächlich stressempfänglicher sind und welche Rolle dabei die Genetik und der Zustand des Magen-Darm-Systems spielen. Derzeit laufen noch einige Untersuchungen, um diese gesundheitlichen Effekte konkreter abzuklären.

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