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Schweineboom in Spanien: Ruf nach Kurswechsel wird lauter

Spaniens Schweinebestände wachsen immer weiter und das Thema Nachhaltigkeit existiert quasi nicht. Vielen Bürgern ist das ein Dorn im Auge. Sie fordern einen Kurswechsel.

Lesezeit: 3 Minuten

Die Stadt Segovia, rund 100 km nördlich von Madrid gelegen, ist ein attraktives Reiseziel. Denn hierhin fahren die Madrilenen und internationalen Touristen, um Spanferkel zu essen, die sogenannten Cochinillos. Bisher haben die Spanier wenig darüber nachgedacht, was auf ihrem Teller liegt. Hauptsache, es ist Fleisch dabei und es schmeckt. Fleischlose Gerichte sind selten.

Die hohe Fleischnachfrage hat in den letzten Jahren zu einem regelrechten „Schweineboom“ in Spanien geführt. Der Bestand wächst seit Jahren stark. Doch die Zeiten, in denen niemand nach den Folgen fragte, sind vorbei. Viele Spanier sehen die Entwicklung kritisch. Druck kommt auch aus Brüssel, wo die mangelhafte spanische Abwasser-Aufbereitung und das Thema Luftverschmutzung immer wieder für Ärger sorgen. Kein anderes Land hat derzeit so viele offene EU-Verfahren wegen Verstößen gegen Umweltrichtlinien laufen wie Spanien.

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Die Probleme sind regional unterschiedlich. In der Provinz Segovia kommen auf 150.000 Einwohner inzwischen 1,2 Mio. Schweine. Hier wird den Landwirten vorgeworfen, dass sie die ohnehin knappe Ressource Trinkwasser immer weiter verteuern und die hohen Nitratgehalte die Wasserqualität verschlechtern. Ärger gibt es auch aufgrund der zunehmenden Geruchsproblematik. Viele Einheimische befürchten, dass die intensive Schweinehaltung die Touristen vergrault. Ein weiterer Vorwurf lautet, dass das Fleisch vor allem für den Export produziert wird und sich die Umweltprobleme im Inland häufen.

Umweltlobby fordert Moratorium für Spaniens Schweinehaltung

Den Landwirten wird auch vorgeworfen, den Umbruch zu verpassen. Während in anderen Ländern die Intensivtierhaltung bereits sehr kritisch gesehen wird, dreht sie in Spanien weiter auf. Und dass, obwohl die Linksregierung unter Pedro Sánchez bei ihrem Antritt 2018 einen klaren Kurswechsel ankündigte. Die Umweltlobby „Stop Ganadería Industrial“ fordert die Regierung deshalb auf, endlich ein Moratorium für die intensive Schweinehaltung auf den Weg zu bringen.

Einen anderen Weg geht der Unternehmer Sergio Fabregat. Er versucht gerade, mithilfe der Networking-Plattform und Messe „Food 4 Future“ in Bilbao, die sich mit dem Thema „Nahrung der Zukunft“ beschäftigt, eine Zeitenwende einzuläuten. „Food 4 Future“ will das Geld der Investoren von der traditionellen Fleischproduktion hin zu mehr alternativen Produkten umlenken und Spanien als Foodtech-Nation profilieren. Aber im Moment ist das noch Wunschdenken. Zwar gibt es gerade im Baskenland interessante Foodtech-Startups, aber in puncto nachhaltige Ernährung hat das Land noch einen weiten Weg vor sich. Das bestätigt Fabregat: „Wir müssen die Nahrungsmittelindustrie und die Lieferketten komplett umbauen.“ Der Widerstand der spanischen Bauern ist jedoch wie überall groß und wird von der rechtsnationalen Partei VOX politisch ausgenutzt.

Spanier haben Heißhunger auf Fleisch, Verbrauch stieg 2020 um 7 %

Zudem scheint die eigene Bevölkerung trotz aller Umweltbeteuerungen nicht auf Fleisch verzichten zu wollen. Nach Angaben des spanischen Landwirtschaftswirtschaftsministerium ist der Konsum im vergangenen Jahr erstmals wieder um 7% gestiegen. Hühnerfleisch liegt vorne, gefolgt von Schwein und Rind.

Spanien schlachtet inzwischen jede Woche eine 1 Mio. Schweine und hat im ersten Quartal 2021 nach offiziellen Angaben über 677.000 t an Fleischprodukten an Drittländer verkauft. Das waren satte 73 % mehr als im Vorjahr. China bleibt dabei der mit Abstand größte Markt für die Spanier.

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