Schweinebestand

Schweineproduktion in der EU sinkt

Im Frühsommer 2019 wurden in der EU rund 1,7 % weniger Schweine gehalten als im Vorjahr. Der deutsche Schweinebestand ist auf dem niedrigsten Niveau seit 2004. Spanien stockt die Herden hingegen weiter auf.

Die Schweinehalter in der Europäischen Union (EU) haben ihre Bestände in den vergangenen zwölf Monaten bis zum Frühsommer 2019 überwiegend abgestockt. Das geht aus Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) hevor. Bei einer Sommerzählung in den 14 Mitgliedstaaten, die etwa 93 % des EU-Gesamtbestandes repräsentieren, wurden demnach insgesamt 137,35 Mio. Schweine gehalten. Das waren rund 2,4 Mio. Tiere bzw 1,7 % weniger als bei der vergleichbaren Erhebung im Vorjahr. Mit Ausnahme der Ferkel unter 20 kg, deren Umfang auf dem Vorjahresniveau von 41,8 Mio. Stück stagnierte, kam es bei allen anderen Tierkategorien zu Einbußen. So wurde bei den Läufern zwischen 20 kg und 50 kg ein Bestandsminus von 3,8 % auf 30,22 Mio. Stück festgestellt. Zudem wurde mit 54,4 Mio. gehaltenen Mastschweinen das Vorjahresniveau um 1,6 % unterschritten. Deutlich schränkten die Erzeuger auch die Sauenhaltung binnen Jahresfrist ein, und zwar um 300.000 Tiere bzw. 2,7 % auf 10,58 Mio. Stück. Dabei nahm die Zahl der belegten Muttertiere um 2,3 % auf 7,49 Millionen ab. Bei den nichtträchtigen Sauen war ein Minus von 3,7 % auf 3,27 Mio. Tiere zu verzeichnen. In allen Ländern außer Spanien brachte die Viehzählung den geringsten Sauenbestand in diesem Jahrzehnt hervor und darüber hinaus auch meist den niedrigsten in diesem Jahrtausend.

Starke Rückgänge in Osteuropa

Besonders deutliche Bestandsrückgänge bei Schweinen insgesamt und bei den Sauen wurden aus osteuropäischen Ländern mit Afrikanischer Schweinepest (ASP) gemeldet. So verringerte sich die Schweineherde in Polen innerhalb eines Jahres um mehr als 1 Mio Tiere bzw. 8,9 % auf 10,78 Mio. Stück. Für den Sauenbestand wurde ein Minus von 13,3 % auf 755.000 Tiere gemeldet. In Rumänien wurden mit 3,73 Mio. Schweinen rund 10 % weniger Tiere gezählt als vor einem Jahr, und auch der Sauenbestand ging um gut 10 % auf 251.000 Stück zurück. In Ungarn und Belgien, die nur ASP-Fälle bei Wildschweinen zu beklagen hatten, hielten sich die Bestandsrückgänge dagegen in Grenzen. Aus den baltischen Staaten sowie Bulgarien und der Slowakei liegen wegen fehlender Meldeverpflichtung keine Daten vor.

Mehr Sauen in Spanien

In Deutschland war der Schweinebestand auch ohne ASP-Einfluss rückläufig, und zwar um 3,5 % auf 25,96 Mio. Tiere. Bei den Sauen war laut Sommerzählung im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 2,9 % auf 1,81 Mio. Muttertiere zu verzeichnen. Die Schweinepopulation ist damit auf den geringsten Stand seit 2004 gesunken. Ganz anders sah dies in Spanien mit einem aktuellen Populationszuwachs von 1,1 % auf 30,46 Mio. Stück aus. Die Expansion des Bestandes hat sich im Vergleich zu früheren Jahren merklich abgeschwächt, hielt aber weiterhin an. Allein in den vergangenen fünf Jahren haben die spanischen Erzeuger ihre Schweineherde um mehr als 5 Mio. Tiere bzw. um ein Fünftel vergrößert. Dabei dürfte der Bedarf an Schlachttieren nicht geringer werden, denn jüngst hat bei Huesca der neue Großschlachthof Literia Meat der Pini-Gruppe mit einer Jahreskapazität von 7 Mio. Schweinen eröffnet. Vielleicht auch deshalb nahm bei den Spaniern, im Unterschied zu allen anderen EU-Mitgliedstaaten, die Zahl der gehaltenen Sauen zu. Nämlich um 1,6 % auf 2,54 Mio. Stück. Weitere wachsende Schweinebestände in der EU waren laut Eurostat nur in Frankreich mit einem Plus von 1,5 % auf 13,24 Mio. Tiere sowie in Schweden mit 5,8 % auf 1,47 Mio. Stück festzustellen.

Auflagen dämpfen Erzeugung

In anderen klassischen Schweinenationen wie Dänemark oder den Niederlanden hatten die Erzeuger gegenüber dem Frühsommer 2018 ebenfalls weniger Tiere im Stall. Die dänischen Schweinehalter bauten ihren Bestand um 2,5 % auf 12,55 Mio. Stück ab und schränkten die Sauenhaltung um 3,3 % auf 1,23 Mio. Muttertiere ein. Die niederländischen Erzeuger verzeichneten bei Schweinen insgesamt einen Bestandsrückgang um 0,7 % auf 12,30 Mio. Stück und reduzierten die Sauenzahl um 3,2 % auf 1,02 Mio. Tiere. Zudem gab es in Italien mit 8,64 Mio. Schweinen 1,4 % weniger Tiere als zwölf Monate zuvor. Nach Einschätzung von Marktanalysen dürften die 2018 vergleichsweise niedrigen Schlachtschweinpreise bei gestiegenen Futterkosten wegen der Trockenheit zum Bestandsabbau in der EU beigetragen haben, ebenso wie die ASP in betroffenen Staaten. In immer mehr Ländern spielen jedoch auch Produktionsauflagen aus Umwelt- oder Tierschutzgründen eine produktionsdämpfende Rolle, die zu Betriebsaufgaben und geringeren Beständen führen.

Schlachtschweineangebot im ersten Halbjahr gesunken

Der Abbau der Schweinebestände hat nach Angaben der EU-Kommission im ersten Halbjahr 2019 das Schlachtschweineangebot gegenüber der Vorjahresperiode um fast 2,3 Mio. Tiere bzw. 1,8 % auf rund 127 Mio. Stück sinken lassen. Allein in Deutschland kamen 1,2 Mio. Tiere bzw. 4,2 % weniger an den Haken als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden 27,22 Mio. Tiere verarbeitet. In Spanien ging es mit dem Schlachtaufkommen dagegen um 2,0 % auf 26,79 Mio. Tiere nach oben. Spaniens Abstand zu Deutschland verkürzte sich so auf 430.000 Tiere. Etwas geringer fiel wegen gestiegener Schlachtgewichte der Rückgang bei der Schweinefleischerzeugung in der Gemeinschaft aus. Diese nahm im Vergleich zur ersten Jahreshälfte um 155.000 t bzw. 1,3 % auf 11,86 Mio. t ab. Hierbei lag Deutschland mit gut 2,58 Mio. t und einem Anteil von 21,8 % an der Gesamtproduktion vorne, trotz einer um 3,7 % gesunkenen Erzeugung. Die spanischen Schlachtbetriebe steigerten ihren Ausstoß dagegen um 2,1 % auf 2,38 Mio. t und brachten es damit auf einen Anteil von 20,0 % an der EU-Erzeugung.

Rekordbestand in den USA

Die Farmer in den USA rüsten hingegen immer weiter auf. Wie das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) bekanntgab, wurden zum Stichtag 1. September 2019 insgesamt 77,68 Mio. Schweine gehalten. Das waren 2,54 Mio. Tiere bzw. 3,4 % mehr als im Vorjahresmonat und so viele wie noch nie bei einer Herbstzählung seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1988. Dabei wurden vom Ferkel bis zum schweren Mastschwein in allen Kategorien Zuwächse verzeichnet. Die US-Erzeuger stockten auch ihre Sauenherde um 1,3 % auf 6,43 Millionen Tiere auf. Ungebrochen nimmt zudem die Produktivität der Sauen weiter zu. In der zuletzt erfassten Periode Juni bis August 2019 wurden mit durchschnittlich 11,11 Ferkeln je Wurf so viele Tiere lebend geboren wie niemals zuvor. Das Ergebnis des Vorjahreszeitraums von 10,72 Ferkeln wurde um 3,6 % übertroffen. Das USDA ging zuletzt davon aus, dass die US-Schweinefleischerzeugung 2019 gegenüber dem Vorjahr um 4,0 % auf 12,51 Mio. t wachsen und 2020 in einem Bereich von 3 % zulegen wird.

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Diskussionen zum Artikel

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von Matthias Zahn

Schlussfolgerung??

Man fordert nicht etwa mehr Unterstützung für die deutschen Schweinehalter, nein die Fleischindustrie fordert von der Politik höhere Einfuhrkontingente für Schweinefleisch aus den USA. Damit wird der Deckel drauf gemacht. So wie es aussieht werden die hohen deutschen Qualitäten und Standards vom Markt nicht honoriert. Deutschland macht seine Bauern kaputt......

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