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topplus Uni Göttingen

Verbrauchern Strohschweine, Aktivstall, extensive Haltung und Co. besser erklären!

Was sich Verbraucher unter „extensiver Haltung“ oder „Aktivstall“ vorstellen, entspricht oft nur teilweise der Realität. Die Erwartungen der Kunden hat eine Umfrage der Uni Göttingen untersucht.

Lesezeit: 4 Minuten

Unsere Autorin: Dr. Sarah Kühl, Uni Göttingen

Die neuen Tierhaltungssysteme tragen Bezeichnungen wie „Offenstall“ oder „Aktivstallhaltung“, und viele Erzeugnisse daraus sind nach der Art der Haltung benannt, z. B. Strohschwein, Heuschwein oder Weideschwein. Was die Haltungssysteme kennzeichnet, wissen Landwirte meist ziemlich genau. Was sich Verbraucher unter den Bezeichnungen vorstellen, war dagegen bislang kaum bekannt.

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In einer vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium geförderten Befragung von 600 Konsumenten von Schweinefleisch in Niedersachsen, Nordhessen und Westthüringen haben Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen daher untersucht, ob Verbraucherinnen und Verbraucher die genannten Begriffe positiv wahrnehmen. Zudem ermittelten sie, welche Erwartung die Begriffe wecken.Die Teilnehmer sollten außerdem beurteilen, ob es den Tieren in den Systemen gut geht und wie die Begriffe ihr Einkaufsverhalten beeinflussen.

Oft falsche Vorstellungen

Die Ergebnisse zeigen, dass nicht einmal die Hälfte der ­befragten Verbraucher sich gut etwas unter den verschiedenen Begriffen vorstellen kann. Dabei schneidet die „Of­fen­stallhaltung“ (48 %) bzw. das „Weideschwein“ (43 %) noch am besten ab, während nur etwa ein Viertel sich etwas unter „Heuschwein“ oder „Aktivstallhaltung“ vorstellen kann.

Woran die Befragten denken, ergibt sich vor allem aus den in den Begriffen selbst steckenden Beschreibungen:

  • Bei der Offenstallhaltung und dem „Weideschwein“ erwarten die Befragten, dass die Tiere Zugang zu einer Weide bzw. einem Auslauf haben, der Stall also offen ist.
  • Beim „Strohschwein“ und bei der „Aktivstallhaltung“ meinen relativ viele, dass Strohschweine auf Stroh gehalten werden und im Aktivstall Beschäftigung haben. Wie diese aussieht, wissen aber wohl die wenigsten Teilnehmer, da nur 22 % angeben, dass sie den Begriff Aktivstall verständlich finden. Damit landet der Aktivstall bei der Verständlichkeit auf dem letzten Platz.
  • Weiter zeigen die Ergebnisse, dass vielen Teilnehmern bei den Begriffen „extensive Haltung“ und „Heuschwein“ nicht klar ist, was sie bedeuten. Das Heuschwein wird noch am ehesten mit einer besonderen Fütterung in Verbindung gebracht, differenziert sich so aber kaum vom Strohschwein.

Deutliche Probleme haben die befragten Personen bei der Einordnung der extensiven Haltung: Hier erwarten 14 % mehr Tierwohl, fast ebenso viele verbinden die Haltungsform aber sogar mit dem Begriff Massentierhaltung! Genauso viele vermuten allerdings, dass es sich um Weidehaltung handelt.

Insgesamt glaubt gut die Hälfte der befragten Personen, dass es den Schweinen in den jeweiligen Haltungssystemen „gut geht“ (siehe Übersicht 2). Das Weideschwein (69 %) und die Offenstallhaltung (59 %) schneiden hier gut ab. Bei diesen Haltungssystemen wird am ehesten ein Zugang zu einer Weide oder einem Auslauf erwartet.

Auch beim Strohschwein stimmt die Mehrheit zu, dass es den Tieren gut geht. Die Vorstellung, dass die Tiere auf Stroh gehalten werden, ist ähnlich positiv besetzt, wie der Zugang nach draußen. Weniger eingängige Begriffe wie den Aktivstall, insbesondere aber auch die extensive Haltung, bewerten die Teilnehmer weniger positiv. Das kann daran liegen, dass diese keine positiven Bilder der Nutztierhaltung in den Köpfen der Verbraucher erzeugen.

Positive Erwartungen beeinflussen aber auch die Kaufentscheidung und die Bereitschaft, mehr Geld dafür auszugeben: Vor allem Fleisch vom Weideschwein (50 %) gefolgt vom Schweinefleisch aus der Offenstallhaltung (41 %) würden die Teilnehmer kaufen, und sie würden auch einen höheren Preis dafür ausgeben. Die Befragten erwarten vor allem bei Schweinefleisch aus der Offenstallhaltung (16 %), sowie beim Weide- (14 %) und beim Heuschwein (15 %) eine bessere Fleischqualität. Beim Strohschwein sind es überraschenderweise hingegen nur magere 3 % der befragten Personen, die eine solche Verbindung herstellen, bei der Aktivstallhaltung lediglich 4 % und immerhin 7 % bei der extensiven Haltung.

Begriffe besser erklären

Die meisten Verbraucher wissen sehr wenig über Nutztierhaltung. Ihre Erwartungen an ein Haltungssystem orientieren sich an der wörtlichen Beschreibung. „Weide“ oder „Offenstall“ werden einfacher verstanden – und sind positiv besetzt. Bei Begriffen wie „Aktivstall“ und „extensive Haltung“ müsste dagegen mehr erklärt werden, damit die verbesserte Tierhaltung darin besser wahrgenommen werden kann. Wenn die Begriffe zu Marketingzwecken verwendet werden sollen, müssen sie zudem eingängig, bekannt und leicht vorstellbar sein. Aber sie sollten die tatsächliche Haltung widerspiegeln und keine falschen Erwartungen hervorrufen.

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Kurz kommentiert

Klar: Bezahlt wird an der Kasse. Aber ob und welches Fleisch die Kunden kaufen, lässt sich mit mehr als dem Preis beeinflussen: Die neuen Haltungsverfahren z. B. mit ­offenen Ställen, Stroh und mehr ­Tierwohl sind die besten Argumente ­dafür. Mit einem Strohschwein aus dem Offenstall verbinden die meisten Menschen Tierwohl und besseres Fleisch. Sowohl im Hofladen als auch im Discounter gilt es daher, diese Wettbewerbsvorteile zu nutzen, eingängig, offen und ehrlich zu benennen – und nicht hinter sperrigen, abstrakten Umschreibungen zu ­verstecken!

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