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Müthing Cover Seeder: Mulchen und Zwischenfruchtsaat in einem Arbeitsgang

Der Cover Seeder soll die Zwischenfruchtaussaat vereinfachen, in dem er die Samen während des Mulchens ausbringt. Wir haben uns das Gerät in der Praxis angeschaut und einen Systemvergleich gewagt.

Lesezeit: 5 Minuten

Direkt beim Mulchen zu säen, ist ein neuer Ansatz beim Zwischenfruchtanbau. Ziel dabei ist es, kurz nach der Ernte die Saat auszubringen und trotzdem eine schützende Strohauflage beizubehalten. Müthing hat dazu einen Standard-Mulcher mit einer Säeinrichtung ausgestattet. Doch ganz so einfach funktioniert der Cover Seeder nicht.

Wie der Cover Seeder aufgebaut ist

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Die Grundlage des Cover Seeders bildet der Mulcher MU-Pro 280 Vario. Hier setzt man bewusst auf die Variante mit 2,80 m Arbeitsbreite, um trotz seitlichem Antrieb unter 3 m Transportbreite zu bleiben. Der Cover Seeder wird im Heck des Schleppers angebaut.

Vor dem Mulcher arbeitet ein Federzinkenstriegel. Die 19 Zinken mit einer Materialstärke von 10 mm sind im Abstand von 15 cm zueinander angeordnet. Über zwei Fanghaken und einer Verlängerung des Oberlenkerkoppelpunktes nach hinten lässt sich das Vorwerkzeug an den Mulcher koppeln. Die Bautiefe des Striegels liegt bei 30 cm. Die Höhe der Striegelzinken lässt sich über Bolzen in acht und in der Neigung in fünf Positionen einstellen.

Beim Cover Seeder ersetzt Müthing die schwenkbare Stützwalze gegen ein Saatgehäuse. Dahinter ist eine weitere Haube als Staubschutz montiert. Als Stützwalze dient eine Güttler-Prismenwalze, die an den sonst nutzbaren Frontanbaukoppelpunkten des Mulchers montiert ist.

Wie der Cover Seeder den Samen unter die Mulchschicht legt

Pendelklappen am Gehäuseeingang schützen vor Steinschlägen. Auf der Rotorwelle sind 24 Standard-M-Hammerschlegel mit je 1,2 kg Eigengewicht verschraubt. Die einzelnen Schlegel sind je 13,7 cm breit und schlagen die Stoppeln mit rund 2 cm Überschnitt ab. Die 1.000er Zapfwelle treibt ein Winkelgetriebe mit Freilauf an. In Fahrtrichtung links überträgt ein Riementrieb dann die Leistung auf die Rotorwelle. Die Riemenspannung stellt sich automatisch ein – gut. Bei Nenndrehzahl rotieren die Schlegel mit einer Schnittgeschwindigkeit von 52 m/s.

Die Schlegel zerkleinern Stoppeln und Erntereste. Zusammen mit etwas Feinerde, die auch der Striegel erzeugt, wird das Material durch die Saugwirkung der Rotorwelle aufgenommen. Für den „Sog“ sorgt zudem die verstellbare Schneidschiene. Der Materialstrom läuft oberhalb des Rotors am Gehäuse entlang. Die sogenannte „Haifischflosse“, sorgt im weiteren Verlauf durch die Umlenkung des Materialstroms in Richtung Rotor für eine weitere Zerkleinerung des Materials. Oberhalb des Saatgehäuses wird das Mulchgut dann entlang der Gehäusekontur nach hinten geleitet und hinter dem Saatgehäuse abgelegt. Durch den Verlauf des Gutstroms ist der Boden unterhalb der Säschiene für eine kurze Zeit frei von Ernterückständen. Hier appliziert der Cover Seeder die Saat.

Der aufgebaute Pneumatikstreuer PS200 M1 von APV befördert das Saatgut per elektrisch angetriebenem Gebläse über insgesamt acht Schlauchleitungen zum Saatgehäuse. Dabei leitet Müthing die Saat über jeweils vier Schläuche von links und rechts auf die innenliegenden Rohre weiter. Aus den Stahlleitungen prallen die Samen dann über kleine Trapeze auf gesamter Breite auf die Bodenoberfläche. Für das Ein- und Ausschalten der Saatgutdosierung sorgte das EHR-Signal des Traktors. Damit das Saatgehäuse möglichst von Einflüssen des Mulchens abgeschlossen ist, sind vor und hinter dem Kasten Gummilippen angebracht.

Mulchschicht ist ein Muss

Für den Cover Seeder gibt der Hersteller einen Leistungsbedarf von rund 130 PS an. Der von uns eingesetzte Fendt 720 Vario reichte dementsprechend aus. Die Maschine wiegt etwa 2.500 kg und ist damit rund 1.000 kg schwerer als der Standardmulcher.

Wir säten bei unserem Test eine Zwischenfruchtmischung aus Gelbsenf, Ölrettich und Öllein mit einer Aussaatstärke von 20 kg/ha. Auf der Fläche wurde das Stroh beim Drusch gehäckselt. Stroh und Stoppeln zerkleinerte der Mulcher gut. Auffällig war die recht hohe Staubentwicklung.

Beim Ausheben des Gerätes war der „saubere“ Bereich unter dem Saatgehäuse eindeutig zu erkennen. Die Samen lagen gleichmäßig verteilt an der Bodenoberfläche. Die Prismenwalze drückte die Samen anschließend etwas in den Boden und sorgte damit für einen ordentlichen Bodenschluss.

Die Neigungseinstellung des Mulchers ist etwas schwierig, denn gerade auf unebenen Flächen ist es ein schmaler Grat, die Stoppeln bis zum Boden abzuschlagen, aber nicht in die Erde einzugreifen. Vor allem Letzteres erhöht den Verschleiß und den Kraftstoffverbrauch.

Drei Varianten zur Zwischenfruchtsaat im Vergleich

Neben dem Cover Seeder legten wir auch kleine Versuchsparzellen mit zwei anderen Aussaatvarianten an. Die Bodenart der Versuchsfläche war ein relativ flachgründiger Sandboden. Bei der Variante „Grubber + Drillkombination“ lockerten wir den Boden zunächst mit einem dreibalkigen Grubber auf etwa 15 cm Tiefe und brachten die Saat anschließend mit einer Kreiseleggen-Drillkombination aus. Bei der zweiten Variante säten wir die Zwischenfrucht mit der Kreiseleggen-Drillkombination direkt in die Stoppeln.

Bedingt durch die recht ungleichmäßige Verteilung des Strohs durch den Mähdrescher hatte die Saat beim Cover Seeder zunächst etwas Schwierigkeiten breitflächig aufzulaufen. In den ersten Wochen zeigte sich die Variante „Grubber + Drillkombination“ mit dem besten Auflaufverhalten. Der Cover Seeder und die Variante „Kreiselegge-Drille“ bewegten sich hinsichtlich der Bestandsentwicklung auf gleichem Niveau. In den festen Fahrgassen und an Stellen mit sehr geringer Strohbedeckung ist bei der Mulcher-Variante deutlich weniger Saatgut gekeimt.

Im Laufe der Vegetation hat die Saat bei der Variante „Cover Seeder“ allerdings deutlich aufgeholt. Auch wenn die Feldaufgänge etwas geringer waren, zeigte sich Anfang November ein dichter Zwischenfruchtbestand mit vielen, sehr starken Einzelpflanzen.

Fazit: Gut, wenn Stroh nicht abgefahren wird

Das System eignet sich dann besonders gut, wenn das Stroh auf der Fläche verbleibt. So bildet sich unter der Mulchschicht ein Mikroklima und die Restfeuchte bleibt im Boden. Das ist wichtig für ein sicheres Auflaufen der Saat, genauso wie eine gleichmäßige Strohverteilung des Mähdreschers.

Die Flächenleistung ist bei einer Arbeitsbreite von 2,80 m aber eher gering, auch wenn wir bis zu 10 km/h schnell gefahren sind. Der Mulcher lässt sich neben der Zwischenfruchtaussaat natürlich noch für andere Arbeiten einsetzen. Demontiert man die Säeinrichtung, ist auch die hydraulische Seitenverschiebung des Mulchers nutzbar.

Der Standardmulcher kostet in Grundausstattung laut Liste 14.945 € (netto). Einen endgültigen Preis für den Cover Seeder konnte Müthing noch nicht nennen. Für Striegel, Säeinrichtung und Prismenwalze wird aber sicherlich einiges hinzukommen.

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