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Nachtschicht für den Solar-Feldroboter

Der Farmdroid sät und hackt mit Solarantrieb. Damit er seine Arbeit auf dem Zuckerrübenacker auch nach der Dämmerung verrichten kann, hat Familie Saudhof ihm einen Hybridantrieb verpasst.

Lesezeit: 5 Minuten

„Im Jahr 2021 hat der Farmdroid für die Aussaat der Zuckerrüben geschlagene sechs Wochen gebraucht. Das war schlichtweg zu lange“, erklärt Marie Saudhof den Anstoß zur Aufrüstung ihres Feldroboters. Angeschafft hatten Sie und Ihre Familie diesen ein Jahr zuvor. Bis dahin hatten sie ihre Bio-Zuckerrüben klassisch mit Traktor und Sämaschine in den Boden gebracht. Bis zu sechs Saisonarbeitskräfte hielten die Bestände anschließend mit der Handhacke unkrautfrei.

„Mit Blick auf die immer enger werdenden Zeitfenster für diese Arbeit wollten wir uns davon aber unabhängiger machen“, so Saudhof weiter. Auf der Suche nach Alternativen zum Handhacken stießen ihre Eltern auf der Agritechnica 2019 auf den Farmdroid und schlugen zu. Auf den Hof kam die Maschine dann im Frühjahr 2020 pünktlich zur Saat. „Das war Glück im Unglück“, blickt Saudhof zurück. „Es zeichnete sich ja relativ schnell ab, dass die Corona-Pandemie die Einreise von Saisonarbeitskräften stark einschränken würde. Vor allem Erdbeer- und Spargelanbauer hatten damit dann ja riesige Probleme.“

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Die enger werdenden Zeitfenster für die Feldarbeit waren aber auch für den Roboter eine Herausforderungen. Der Hersteller gibt etwa 20 bis 25 ha als maximale Einsatzfläche für den Farmdroid an, Familie Saudhof mutete ihm etwas mehr als das doppelte zu. „Vor allem bei der Saat im Frühjahr sind die Tage ja noch kurz und das Wetter eher bedeckt als sonnig. Dementsprechend steht weniger Solarenergie zur Verfügung als im Sommer“, erklärt Marie Saudhof. „An sich ist der Roboter aber ja darauf ausgelegt, durchzuarbeiten. Er orientiert sich per GPS und nicht über Kameras. Ob es draußen hell oder dunkel ist, macht für seine Arbeit also keinen Unterschied. Das Problem ist also nur die Energieversorgung.“

Notstromaggregat macht E-Roboter zum Hybrid-Roboter

Die Lösung war – zumindest auf den ersten Blick – bestechend einfach: Ein handelsübliches Notstromaggregat sollte die Batterien des Farmdroid auch in der Dunkelheit füllen. „In der Praxis war das dann aber doch eine größere Herausforderung“, sagt die angehende Betriebsnachfolgerin. „Knackpunkt war die Betriebsspannung des Roboters. Mit einem Konverter zwischen Notstromaggregat und Roboterbatterie und viel ausprobieren konnten wir das aber lösen, ohne dass die Maschine explodierte“, schmunzelt Saudhof.

Sofern der Benzin- und der Saattank immer gefüllt sind, kann der Feldroboter nun also 24 Stunden durcharbeiten. Einzig der Regen kann ihn dann noch bremsen. „Bei etwa 200 mm Jahresniederschlag ist das aber selten ein Problem“, so Saudhof.

Wenn er durchfahren kann, schafft der Roboter bei der Aussaat etwa drei Hektar in 24 Stunden, beim Hacken etwa vier bis fünf. Scheint die Sonne, fährt er rein elektrisch und ohne ein Gramm CO2 auszustoßen. Kommt der Strom aus dem kleinen Benzinmotor des Notstromaggregats, verbraucht er laut Saudhof etwa einen Liter Benzin pro Hektar. „Das ist nicht ganz emissionsfrei, aber immer noch deutlich weniger als wenn wir die Arbeit mit dem Traktor verrichten müssten“, ist Saudhof überzeugt.

Betreuungsaufwand nicht unterschätzen

Kaum Einsparungen ergaben sich hingegen beim Zeitaufwand für die Landwirtsfamilie. Denn ganz so autonom wie es der Hersteller verspricht, ist der Farmdroid nach Saudhofs Erfahrung noch nicht. „Im Prinzip kann er seine Arbeit alleine verrichten, in der Realität will er seinen Chef aber mehrmals am Tag sehen“, so Saudhof. Damit ähnele er in mancher Hinsicht einem Melkroboter.

„Wenn der Roboter im Einsatz ist, betreuen wir ihn abwechselnd in 12-h-Schichten“, erklärt die Junglandwirtin ihr System. Die Tanks der Säaggregate müssten in der Regel einmal am Tag gefüllt, werden der Benzintank des Notstromaggregats reiche im Normalfall für eine Nacht. „Dazwischen gibt es aber immer wieder mal Hilferufe, wenn beispielsweise das GPS-Signal verloren hat und er nicht mehr navigieren kann oder wenn ein Werkzeug verstopft ist oder ähnliches.“ Spannend werde es, wenn der Roboter das Mobilfunknetz verliert, denn dann kann er nicht mehr weiterarbeiten – und dies auch nicht mehr mitteilen. Von daher empfehle es sich ohnehin, aller paar Stunden mal nach dem Rechten zu sehen.

Feldroboter schon im ersten Jahr rentabel

„Wirtschaftlich betrachtet hat sich der Farmdroid bei uns schon nach einer Saison amortisiert“, berichtet Saudhof. „Vor drei Jahren haben wir rund 65.000 € für die Maschine bezahlt – einmalig. Für die Saisonarbeitskräfte, an deren Stelle er getreten ist, kam etwa die gleiche Summe an Kosten zustande – allerdings pro Jahr.“ Der Betreuungsaufwand lohnt sich also.

Interessierten und Einsteigern in die Welt der Feldroboter rät Marie Saudhof, vorher mit erfahrenen Anwendern zu sprechen und sich die Maschine vor Ort anzuschauen. Eine wichtige Rolle spiele auch der Vertriebspartner: „Der kompetente Support von unserem Farmdroid-Händler, aber auch vom Hersteller selbst, ist viel wert. Per Fernwartung können sich die Kollegen direkt auf das Bedienterminal schalten. Das beschleunigt die Fehlersuche enorm“, so Saudhof.

Ebenso hilfreich ist die Whatsapp-Gruppe, zu der sich laut Saudhof mehr als 50 deutsche Farmdroid-Besitzer zusammengefunden haben. Darin tauschen sie sich aus, helfen bei Problem und geben sich Tipps. „Beispielsweise wie man den Roboter mit einem Notstromaggregat nachtaktiv machen kann“, schmunzelt Saudhof.

Der „Bauernhof Nelben“ der Familie Saudhof wurde vor kurzem mit dem Sonderpreis des „Innovationspreis Moderne Landwirtschaft“ ausgezeichnet. top agrar und das Forum Moderne Landwirtschaft verleihen den „Innovationspreis Moderne Landwirtschaft“ jährlich an innovative und innovationstreibende Projekte, Produkte und Geschäftsmodelle für die Landwirtschaftsbranche.



Den Sonderpreis für die Familie Saudhof begründete die Jury mit der Pionierarbeit der Familie, die beispielhaft zeige, wie landwirtschaftliche Betriebe durch den Einsatz von Technologie und viel Eigeninitiative den Betrieb nach vorne bringen können.



Weitere Infos zum „Innovationspreis Moderne Landwirtschaft“, den Preisträgern und der Verleihung lesen Sie hier.

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