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topplus Achslasten und Gewichtsverteilung

Saatgut besser vorne oder hinten?

Pneumatische Sämaschinen bieten auch ohne Fahrwerk große Saatgutbehälter. Es gibt sie mit Behälter hinten auf der Maschine oder kombiniert mit einem Fronttank – Vor- und Nachteile im Überblick.

Lesezeit: 8 Minuten

SCHNELL GELESEN
Die Centaya im Heck ist schnell angebaut und hat eine kurze Saatgutstrecke. Die zulässige Zuladung ist mit den meisten Schleppern sehr begrenzt.
Die Avant Front-Heck-Kombi hat eine bessere Gewichtsverteilung. Dadurch lässt sich mit ihr mehr Saatgut transportieren.
Die Übersichtlichkeit auf die Säschare ist bei beiden Maschinen gut. Nach vorne schränkt der Frontbehälter die Sicht etwas ein.

Vorteile von pneumatischen Sämaschinen sind besonders die geringen Restmengen und große Saatgutbehälter. Daher gibt es sie nicht nur bei größeren Arbeitsbreiten und bei gezogenen Maschinen, sondern auch für den Anbau im Heckkraftheber. Seit einiger Zeit bieten mehrere Hersteller die Kombination aus Frontbehälter und Säschiene an der Kreiselegge oder Kreiselgrubber auch im 3 m-Bereich an.

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Welche Maschinen wir miteinander verglichen haben

Zusammen mit Amazone haben wir uns die Unterschiede der beiden Kombinationen angeschaut. Die genauen Zahlen beziehen sich auf diese Maschinen. Aus unserer Erfahrung heraus können wir aber sagen, dass zumindest die Tendenzen sich auch auf die Maschinen anderer Hersteller übertragen lassen.

Im Vergleich hatten wir die Amazone Centaya 3000 Special als pneumatische Heckvariante. Bei der Fronttank-Heck-Variante, Avant 3002 genannt, setzten wir auf den Frontbehälter FTender 1600 mit dem Reifenpacker T-Pack F zusammen mit einer Säschiene. Beide Maschinen waren mit dem Einscheibenschar RoTeC ausgestattet. Dieses bietet bis zu 35 kg Schardruck. Beide Gerätevarianten gibt es auch mit dem TwinTec-Doppelscheibenschar mit bis zu 60 kg Schardruck. Ein nachlaufender Striegel war bei beiden montiert.

Als Bodenbearbeitungsgerät setzten wir bei beiden Sämaschinen für unsere Messungen auf eine Kreiselegge KE 3002 190. Diese war unter anderem mit einer hydraulischen Tiefeneinstellung, Spuranreißer und der großen 580er-Keilringwalze ausgestattet. Die Kreiselegge ist laut Amazone für bis zu 190 PS Antriebsleistung ausgelegt. Es gibt auch ein 3 m-Modell mit 240 PS zulässiger Leistung. Die Sämaschinen lassen sich übrigens auch mit Kreiselgrubbern kombinieren, welche unter anderem ein höheres Eigengewicht haben.

Für die Messungen mit den beiden Varianten stand uns ein Fendt 724 Vario Gen 6 zur Verfügung.

Übersicht nahezu gleich

Bei beiden Modellen betrug der Abstand von den Unterlenkern bis zum 1. Säschar ca. 1,8 m. Bis zum Ende des Striegels waren es 2,93 m bei der Centaya und bei der Avant 3,25 m.

Bei unserer Standardvariante (Centaya) setzen wir auf ein 850 kg schweres Frontgewicht mit einem Vorbaumaß ab Unterlenkerkoppelpunkte von 62 cm. Nutzt man einen Frontpacker läge dieser etwa auf ähnlichem Niveau wie der Frontbehälter FTender mit 1,94 m. Der integrierte Reifenpacker verlängert dabei den Anbau um 50 cm.

Bei beiden Varianten kann man den vollen Lenkeinschlag des Schleppers am Vorgewende nutzen. Da die Maße zur Säschine gleich sind, sind damit beide Gespanne gleichwendig.

Für den Straßenverkehr ist das Vorbaumaß von Mitte Lenkrad bis zur vordersten Kante entscheidend. Sind dabei 3,5 m überschritten, ist an unübersichtlichen Stellen eine Begleitperson als Einweiser oder ein geprüftes technisches System nötig. Das Vorbaumaß mit ausgeklappten Unterlenkern beträgt beim Fendt 724 schon etwa 2,9 m. Da ist klar, dass mit großem Frontgewicht, Frontpacker und natürlich dem Frontbehälter das Maß überschritten ist. Lediglich mit einem kompakten Gewicht kann man die 3,5 m-Marke einhalten.

Für den Frontbehälter FTender 1600 bietet Amazone ein geprüftes Kamerasystem an. Das verbessert die Sicht an Straßenkreuzungen erheblich. Zusammen mit dem Reifenpacker ist das System nicht zertifiziert, aber erhältlich.

Hier ein Tipp an alle, die mit großen Frontanbaugeräten unterwegs sind: Montieren Sie sich vorne auf dem Gerät zwei Spiegel, welche nach links und rechts schauen. Das verbessert die Übersicht an Kreuzungen erheblich. In Deutschland gibt es keine konkreten Vorgaben für die Spiegel. Deshalb kann man sich am besten an den Vorgaben der Schweiz orientieren. Die Spiegel müssen mindestens 500 cm² groß und konvex (nach außen gewölbt) sein.

Die Sicht nach vorne schränkt der Frontbehälter deutlich mehr ein als ein Frontgewicht oder Frontpacker. Hat man den FTender recht weit heruntergelassen, sodass die obere Kante 1,95 m hoch vom Boden entfernt ist, konnten wir vom Fahrersitz aus die Straße in 10 m Entfernung vor dem Gerät sehen. Hat man den Behälter auf 2,10 m angehoben, um die Bodenfreiheit zu vergrößern, sieht man die Straße erst in 15 m.

Nach hinten hingegen ist die Übersicht besonders im Straßenverkehr und beim Rangieren deutlich besser. Der Beladesteg versperrt die Sicht auf den Striegel. Trotz Saatguttank kann man bei der Centaya die Säschare von der Kabine aus sehen – sehr gut.

Saatgutstrecken: Wo sich Standard- und Frontvariante unterscheiden

Pneumatische Drillen haben in der Regel eine etwas ungenauere Querverteilung als mechanische Drillen. Doch durch den Luftstrom ist die Platzierung des Saatguttanks flexibler. Die Dosiereinheiten sind bei der Centaya sowie bei dem FTender direkt unter dem Behälter angebracht. So dauert der Saatguttransport von der Dosierung bis zu den Säscharen bei dem FTender (4 s) 2,5 Sekunden länger als bei der Centaya (1,5 s). Das muss man beim Ein- und Ausschalten des Dosierers am Vorgewende beachten. Bei 8 km/h (2,2 m/s) Fahrgeschwindigkeit sind das 5,5 m Unterschied. Sät man mit einem GPS-System mit aktivierter Vorgewendelinie, kann man die Verzögerung justieren. Beim Aussäen von Ecken muss man entsprechend länger beim Vordosieren warten bis das Saatgut an den Scharen ankommt.

Weiterer Nachteil der Frontbehälterlösung ist die aufwendigere Montage der Saatgutleitung an den Schlepper. Eine Halbseitenabschaltung ist bei beiden Systemen sowohl mechanisch als auch elektrisch möglich. Der Dosierer reduziert dabei entsprechend die Menge.

Mehr Möglichkeiten mit dem Fronttank

Während der Tank der Centaya fest mit der Säschiene verbunden ist, kann man den Frontbehälter auch unabhängig von den Säscharen einsetzen – z.B. als Düngerbehälter beim Maislegen, als Saatguttank beim Zwischenfruchtsäen mit kleinen Pralltellern auf einem Bodenbearbeitungsgerät oder beim Düngereinarbeiten mit einer Reihenhacke.

Viel Nutzlast für die Sämaschinen nötig

Besonders spannend war der Blick auf die Waage bei den beiden Kombinationen. Denn hier kommt raus, wer wie viel Saatgut mit zum Feld nehmen darf. Zuerst planten wir die Messungen mit einem Claas Arion 660, doch mit 850 kg Frontballast und der leeren Centaya war der Schlepper knapp oberhalb seines zulässigen Gesamtgewichts. Die leere Centaya wog in unserem Vergleich 3.210 kg. Andere Varianten mit Doppelscheibenscharen und Spurlockererzinken wiegen sogar noch mehr.

Wir haben deshalb die Messungen der Centaya mit dem Fendt 724 wiederholt. Er kam auf ein Gesamtgewicht von 13 t. Das passte mit dem zulässigen Gesamtgewicht von 14 t überein. Jedoch überschritt der Fendt mit 9.920 kg die zulässige Hinterachslast von 9,5 t. Doch wir hatten bei der Wiegung noch insgesamt 600 kg-Radgewichte montiert. Diese haben wir bei allen Messungen anschließend abgezogen, denn beim Säen sollte man in jedem Fall möglichst leicht unterwegs sein. Damit passte wiederum die Hinterachslast.

Die maximal mögliche Befüllung der Centaya berechneten wir im Anschluss. Diese darf in Kombination mit dem Fendt lediglich 100 kg Saatgut mitnehmen, um die Hinterachslast nicht zu überschreiten. Würde man das Frontgewicht deutlich erhöhen (1.980 kg), könnte man mit der Centaya 470 kg Saatgut auf der Straße mitnehmen. Da bleibt der optional bis zu 1.500 l fassende Behälter nur etwa zur Hälfte gefüllt. Wählt man diese Variante, sollte man sich für einen Frontpacker entscheiden, um bei der Feldfahrt die Vorderachse zu entlasten.

Anders sieht es dagegen bei dem FTender 1600 zusammen mit der Avant aus. Im Heck wiegt die Maschine knappe 600 kg weniger. Der Frontbehälter selbst wiegt ca. 1.320 kg (inklusive Reifenpacker und 200 kg Zusatzgewicht). Das Leergewicht des Gespanns mit Avant liegt damit etwa gleichauf mit der Centaya, wenn auch mit anderer Gewichtsverteilung.

Auf der Hinterachse lasteten nur 8.500 kg. Auch hier haben wir die maximal mögliche Füllmenge berechnet. Wir kamen dabei auf etwa 1.180 kg, bis die Vorderachslast überschritten wird. Würde man nun die 200 kg Zusatzgewichte noch entfernen, wären sogar 1.350 kg möglich. Damit bekommt man den 1600 l fassenden Saatguttank sicher voll. Das sind über das 2,5-Fache wie bei der optimal balancierten Centaya.

Und noch ein Tipp an alle Säkombinationsfahrer: Demontieren Sie am Schlepper alle unnötigen Ballaste wie Radgewichte oder Frontlader. Fahren Sie zudem einmal mit dem Gespann über die Waage und messen auch die Achslasten. So können Sie den Frontballast gegebenenfalls auf die Kombination besser anpassen und wissen genau, wie viel Saatgut der Schlepper im zulässigen Rahmen transportieren darf. So können Sie der nächsten Kontrolle gelassen entgegenfahren.

Welche Kombination ist besser? – Der Einsatzzweck entscheidet

Die Centaya inklusive Kreiselegge kostet in aussaatfertiger Grundausstattung 54.743 € (alles Listenpreise ohne MwSt.). Die Testausstattung steht für 64.354 € in der Preisliste.

Die Avant mit Säschiene liegt in Grundausstattung bei 47.497 €. Die Testausstattung liegt bei 53.733 €. Hinzu kommt der Frontbehälter FTender im Test für 31.822 € (Basis, ohne Reifenpacker: 21.947 €). Damit kostet die Front-Heck-Kombination im Test 21.201 € mehr als die Heckvariante.

So ist die Centaya im Heck für Betriebe geeignet, die häufiger den Schlepper vor der Kombination wechseln und nur wenig Saatgut zum Feld transportieren müssen bzw. eine gute Saatgutlogistik haben. Die Avant zusammen mit dem FTender hingegen ist deutlich schlagkräftiger beim Saatguttransport. Die ausgewogenere Gewichtsverteilung bietet zudem mehr Fahrkomfort.

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