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Bodenzustandsbericht: Wie humusreich sind deutsche Äcker?

Das Thünen Institut hat diese Woche den ersten umfassenden Bodenzustandsbericht an das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) übergeben. Er zeigt, dass die Gefahr besteht, dass der Humusgehalt in Ackerböden in den kommenden 10 Jahren abnimmt. Und er listet auf, was Landwirte dagegen tun können.

Lesezeit: 4 Minuten

Die Daten aus dem Bodenzustandsbericht sind für die Landwirtschaft zunächst erfreulich. Die landwirtschaftlich genutzten Böden speichern in Deutschland aktuell rund 2,4 Mrd. t Kohlenstoff. Deutliche Unterschiede gibt es nach Nutzungsart. Unter Ackerböden fanden die Bodenkundler bis zu einem Meter Tiefe mit 96 t/ha im Durchschnitt am wenigsten Kohlenstoff. Unter Grünland waren es 135 t/ha. In den Moorböden Deutschlands steigt der Vorrat an organischem Kohlenstoff auf 507 t/ha im oberen Meter an. Die Kohlenstoffbindung in landwirtschaftlich genutzten Böden in Deutschland ist somit vor allem deshalb so hoch, weil Moorböden und grundwasserbeeinflusste Böden den Schnitt hoch ziehen.

Wie sieht es regional aus?

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Regional variieren die Kohlenstoffgehalte der Böden nicht nur wegen der Nutzung sondern auch wegen der unterschiedlichen Bodenarten und Eigenschaften. Hohe Kohlenstoffvorräte von mehr als 90 t/ha kommen laut den Daten vor allem in Regionen mit Moorböden, Auenböden und Marschen wie zum Beispiel in den Grünlandregionen in Nordwestdeutschland und im Voralpenland vor. Sandige oder flachgründige Böden wie zum Beispiel in der Jungmoränenlandschaft in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern enthalten laut den Daten im oberen Meter oft nur 30 t Kohlenstoff pro ha.

Nehmen die Humusvorräte zu oder ab?

Beim Klimaschutz und beim Humusaufbau kommt es auf die Veränderung des Bodenkohlenstoffgehaltes über die Zeit an. Der jetzige Bodenzustandsbericht umschreibt nur den Status Quo. Die wichtigsten Informationen wird wohl erst der Folgebericht, der in 10 Jahren erscheinen soll und der die Bodenkohlenstoffwerte vergleichen wird, liefern können. Die Wissenschaftler haben allerdings mit Modellen bereits heute die Veränderung von Humusgehalten abgeschätzt. Für Dauergrünlandböden weisen die Modelle keine Veränderung des Vorrates an organischem Bodenkohlenstoff aus. Für Ackerböden zeigen sie jedoch im Mittel einen Verlust an organischem Kohlenstoff in Höhe von 0,19 t/ha und Jahr für die nächsten zehn Jahre. Die Prognosen variieren je nach Standort stark, schreiben die Forscher. Im gesamten Bundesgebiet gibt es sowohl kohlenstoffverlierende als auch kohlenstoffanreichernde Böden. Die Gefahr für Humusverluste ist vor allem an Standorten mit geringen Einträgen an organischem Kohlenstoff und relativ hohen Humusvorräten erhöht. Geringe Ton- und hohe Sandgehalte begünstigen den Humusverlust ebenfalls. Deshalb schneiden viele Ackerböden in Ostdeutschland in den Modellen schlechter ab, da sie im Mittel relativ geringe Einträge an organischem Kohlenstoff über Pflanzenreste und organische Wirtschaftsdünger aufweisen.

Was kann der Landwirt tun?

Für ein besseres Humusmanagement reihen die Wissenschaftler einen ganzen Strauß an Maßnahmen aneinander. Dazu gehören:

  • Vorhandene Humusvorräte schützen
  • Nährstoffüberschüsse vermeiden
  • Nährstoffe recyceln und Dünger sparen
  • Erhalt von Dauergrünland
  • Umwandlung von Acker in Dauergrünland
  • Verbleib von Ernteresten auf dem Acker
  • Organische Düngung mit Mist, Gülle, Gärresten und Kompost
  • Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten
  • Ganzjährige Begrünung des Bodens
  • Anbau mehrjähriger Kulturen wie z.B. Kleegras
  • Humusaufbau im Unterboden durch tiefwurzelnde Pflanzen
  • Tiefumbruch, der humusreiches Material in den Unterboden einbringt
  • Anlage von Feldhecken, Baumreihen und Agroforstsystemen
  • Aufforstung

Was bewirkt konservierende Bodenbearbeitung?

Der Konservierenden Bodenbearbeitung und der Direktsaat weisen die Wissenschaftler hingegen weniger Einfluss auf die Humusvorräte zu. Sie führten zur Humusanreicherung in den obersten Zentimetern des Bodens aber zu einem Humusverlust in den darunter liegenden Bodentiefen, schreiben sie. Das Humusmanagement erfordert allerdings vor allem Kontinuität. Wird die humusaufbauende Maßnahme beendet, gehen die zuvor angereicherten Kohlenstoffvorräte rasch wieder verloren.

Welche politischen Folgen hat der Bericht?

Das BMEL will den Bodenzustandsbericht als Grundlage für die weitere Bodenschutz- und Klimapolitik nutzen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will die Erkenntnisse in ihre geplante Ackerbau- und Grünlandstrategie einfließen lassen und dann auch Fördertatbestände daraus definieren. Auch in die Beratungen der Bundesregierung zum Klimaschutzgesetz, welches verbindliche Klimaschutzmaßnahmen für alle Sektoren, also auch für die Landwirtschaft, festschreiben soll, werden die Daten aus dem Bodenzustandsbericht einfließen.

Was haben die Wissenschaftler gemacht?

Am Bodenzustandsbericht haben die Wissenschaftler des Thünen Instituts seit 2010 gearbeitet. In einem Raster von 8 km haben sie zwischen 2012 und 2018, mehr als 120.000 Bodenproben an 3.104 Standorten genommen und analysiert. Die Analyse aller Proben fand im Thünen Institut in Braunschweig statt, so dass alle vergleichbar sind. Untersucht wurden die Kohlenstoffvorräte in den obersten 100 cm landwirtschaftlich genutzter Böden. Gemessen wurden unter anderem die Sauerstoffversorgung, die Humusbildung und die organischen Kohlenstoffvorräte.

Weitere Ergebnisse und Details aus dem Bodenzustandsbericht gibt es auf der Homepage des BMEL zum Nachlesen.

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