Betriebsleitung

Risiko Dürre: Wie Landwirte sich dagegen wappnen

Die vergangenen Jahre zeigen, dass Landwirte mit zunehmenden Trockenphasen rechnen müssen. Wie Landwirte darauf reagieren, zeigen drei Beispiele aus der Praxis.

Hagel, Sturm und Starkregen sind zwar nach wie vor die größten Wetterrisiken für den Ertrag im Ackerbau – doch nehmen die Ertragseinbußen durch Dürre in vielen Regionen spürbar zu.

Viele Landwirte setzen auf eine geschickte Kultur- und Sortenwahl sowie auf alternative Anbaumethoden und gegebenenfalls Beregnung. Neben der Anpassung des Anbaus rückt auch die Absicherung des Ertrages durch eine Dürreversicherung ins Blickfeld. Diese Policen sind allerdings nach wie vor meist sehr teuer und stehen im Ruf, einzelbetrieblich auch mal daneben zu liegen. Denn die Entschädigung erfolgt nicht aufgrund des konkreten Schadens, sondern auf Grundlage von ausgewählten statistischen Wetter- oder Ertragsdaten (Index).

top agrar hat nachgefragt wie Landwirte ihr Risikomanagement in Sachen Dürrerisiko gestalten und welche Bedeutung eine Dürrepolice für sie hat. Außerdem berichten wir über den aktuellen Stand bei den Dürrepolicen und erklären, worauf es ankommt.

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„Wir möchten gegen Totalschaden abgesichert sein“

Philipp und Christopher Westphal aus Mittelfranken setzen auf Vielfalt und auf eine Dürrepolice.

Um das Dürrerisiko zu senken, bauen wir auf unseren Flächen zunächst verschiedenste Kulturen an“, berichtet Landwirt Philipp Westphal (38). Er bewirtschaftet mit seinem Bruder Christopher (30) einen 400 ha-Ackerbaubetrieb in Meinheim, Bayern – vor allem konventionell, aber auch biologisch. Zusätzlich halten sie sog. „Heubullen“, haben eine Biogas- und eine PV-Anlage und erledigen Lohnarbeiten.

„Auf Böden mit 27–88 Bodenpunkten wirtschaften wir ohne feste Fruchtfolgen. Stattdessen verteilen wir die Kulturen auf verschiedene Standorte“, so Westphal. Auf schlechteren Böden baut er z. B. Hafer, Dinkel und Silomais an, auf besseren Böden eher Durum, Raps und Soja. „Dabei setzen wir auf pfluglose Bodenbearbeitung und Mulch­­saat“, so der Landwirt. Zudem achtet er auf einen Wechsel zwischen Sommerung und Winterung sowie zwischen Halm- und Blattfrüchten.

Die mittleren Hektarerträge liegen für Weizen bei 85 dt, für Raps bei 42 dt und für Silomais bei 550 dt Frischmasse (33 % Ts.). Der durchschnittliche Niederschlag liegt bei 600 mm/Jahr.

„Die längeren Trockenphasen, v. a. im Frühjahr, bereiten uns jedoch Sorge“, berichtet Westphal, „auch wenn es 2018 und 2019 noch gerade rechtzeitig geregnet hat“. Deshalb hat der Landwirt noch im Frühjahr 2018 eine Dürrepolice bei der Versicherungskammer Bayern abgeschlossen: Knapp 300 ha Ackerland hat er gegen Dürre versichert. Besonders wichtig sind ihm dabei Silomais, Körnermais und Raps.

„Hoffe auf Zuschuss“

Die Versicherung würde ihm für den Fall, dass der Niederschlag an der Re­ferenzwetterstation innerhalb des Haftungszeitraumes unter einen bestimmten Wert sinkt, eine Entschädigung von 30 % der Versicherungssumme auszahlen. Bei allen Unwägbarkeiten, so Westphal, hätte er zumindest bei einem Totalschaden die Festkosten abgesichert.

Ob sich das rechnet? Für Westphal eventuell schon, er hat seine Police zum Schnäppchenpreis abgeschlossen. Bei Versicherungssummen von 2.200 €/ha für Mais und 2.000 €/ha für Weizen zahlte er 2020 nur 7,50 €/ha Prämie.

Ein Grund für den günstigen Beitrag sei auch, dass der Tarif 2016 neu auf den Markt kam und damals nur wenige Schadendaten...


Diskussionen zum Artikel

von Norbert Post

statt Versicherung

wie wäre es denn, wenn wir mal steuerliche Rücklagen für Preis und Ertragsschwankungen bilden könnte, wie andere Unternehmen? Die Spitze kappen, zurücklegen dürfen und wenn schlechte Zeiten sind wieder in den Betrieb rein... Bei Versicherung geht viel zu viel Geld verloren

von Rudolf Rößle

Wie wäre

es mit Niederschlagsjahresmengen versichern und Abweichungen der Monatstemperaturen.

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